Bern

Aufgetischt: «Speisen wie zu Gotthelfs Zeiten»

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 26.04.2010

Von aussen sieht das 180-jährige Bauernhaus kaum nach einem Restaurant aus. Aber bereits im Eingang duftet es nach Essen. Die Wirtin reicht zum Gruss die Hand und bittet in die leere Gaststube.

Die Sonne sinkt. In mildes Licht getaucht breitet sich die hügelige Landschaft rund um Ferrenberg unterhalb des Aussichtspunkts Oberbühlchnubel aus. Von aussen sieht das 180-jährige Bauernhaus kaum nach einem Restaurant aus. Aber bereits im Eingang duftet es nach Essen. Die Wirtin reicht zum Gruss die Hand und bittet in die leere Gaststube. Osterglocken schmücken die einfachen Holztische. Doppelfenster, ein Kachelofen und der Riemenboden zeugen vom stolzen Alter des Hauses. Passend dazu ist das Motto des Restaurants zum Wilden Mann: «Speisen wie zu Gotthelfs Zeiten».

Dementsprechend präsentiert sich die Speisekarte währschaft: Rösti mit «Stiereoug», «Burehamme» oder an speziellen Tagen Berner Platte, «Suure Mocke» und während der «Metzgete» Schlachtplatte. Unter der Woche werden neben einer Auswahl an warmen und kalten Speisen die Dreigänger Glungge-, Gotthelf- und Wynige-Bärge-Menü angeboten. Letzteres setzt sich wie folgt zusammen: «e Schnifu Burehamme mit ere Gablete Salat, Schwinger-Röschti und es Versuecherli Ämmitaler Merängge». Das preiswerte Menü kostet Fr. 24.50. Ähnlich wie der geräucherte Schinken mit Salat kommt der Damen-Teller für 14 Franken daher. Die Salate sind frisch zubereitet und das selbst gebackene Brot mit der festen dunklen Rinde schmeckt hervorragend. Nur die Speckstreifen an den geschmackvollen Schinkentranchen bleiben auf dem Teller liegen. Obwohl Vaters Rat am Familientisch noch in den Ohren hallt: «Das ist das Beste!»

Zum Essen empfiehlt die Bedienung einen leichten Ligerzer für Fr. 10.20 das Dreierli. Der leichte Rotwein mundet, nur die Farbe in den kleinen Gläschen überzeugt nicht ganz und erinnert an einen zu süss geratenen Himbeersirup. Dafür ist die Schwinger-Rösti gut durchgebacken und zusammen mit Ei und gebratenem Speck stillt sie auch den grossen Hunger. Der Höhepunkt ist aber das Dessert. Die Meringue, garniert mit geschlagenem Rahm, schmilzt auf der Zunge. Auch das Zwetschgensorbet mit «Färberg-Brönntem» für Fr. 8.50, das sich der Begleiter ausgesucht hat, überzeugt. Die Speise schmeckt nach frischen Zwetschgen, als wären sie vom Baum direkt im Glacé gelandet. Mit dem Schnaps hat der Wirt Patric Theiler, der an diesem Abend die meisten zubereiteten Speisen selber serviert, nicht gespart, aber den Geschmack mit dem gebrannten Wasser trotzdem nicht ertränkt.

Mittlerweile haben sich in der Gaststube ein paar Einheimische dazugesellt. Vier Freunde klopfen gemütlich einen Jass und weitere Gäste gönnen sich ein spätes Abendessen. Unter der Woche sei die Anzahl Gäste unberechenbar, an Wochenenden hingegen sei das Restaurant sehr gut besucht und eine Reservierung sei empfohlen, sagt die Bedienung. Mit einem freundlichen vielstimmigen «Guet Nacht mitenang», wie es wohl nur auf dem Land zu hören ist, werden die Fremden auf der Türschwelle der Gaststube verabschiedet. Bevor diese aber den Wilden Mann ganz verlassen, gibt es noch zwei Örtchen zu entdecken. Die Toilette an sich ist zwar nichts Spezielles, aber allein von der Anschrift «Abort» fühlt man sich in Grossmutters Zeiten zurückversetzt. Für eine ganz neuzeitliche Regelung, das Rauchverbot, hat das Restaurant in Ferrenberg eine originelle Lösung gefunden. Das Fumoir wurde liebevoll in einem ausgedienten Wagen des Zirkus Monti neben dem Restaurant eingerichtet. (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2010, 09:05 Uhr

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