Aufgetischt: Seidenfeine Abende unter Kastanien
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 25.05.2010
Stichworte
Die Rechnung, bitte
Karte: Italienische Kost jenseits von Pizza.
Preise: Zum Teil günstige Menüs, alle A-la-carte-Gerichte unter 40 Franken.
Kundschaft: Büropersonal aus der Umgebung, Assistenten und Uni-Professoren, abends Studierende beim Feierabendbier.
Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–23 Uhr; Sa 17–23 Uhr; So geschlossen.
Adresse: Restaurant Seidenhof, Zähringerstrasse 44 (Ecke Seidenweg), 3012 Bern, Telefon 031 301 41 02; Internetadresse: www.seidenhof-bern.ch (ausser Betrieb).
Für einen bukolischen Plausch unter Platanenblättern ist es bei unserem Besuch aber zu früh: Noch immer tut der Mai so, als sei er ein März oder November. Also essen wir drinnen. Dunkle Holzbalken mit eisernen Hängelampen erzeugen eine rustikale Gemütlichkeit, wie man sie in den 70er-Jahren liebte. Jetzt ist der Seidenhof auf Italienisch eingestellt, was nicht verwundert, gehört er doch seit kurzem der Wirtin des Ristorante Don Camillo beim KV. Übrigens hat sie jenes Lokal nicht nur wegen des streitlustigen Pfarrers in den Dorfgeschichten mit «Don Camillo und Peppone» so benannt, sondern weil sie tatsächlich so heisst: Silvana Di Camillo.
Sie ist die 17. Wirtin, seit es den lauschigen Ort gibt, also seit 1900. Ein erster Anlauf des damaligen Beizers Louis Flogerzi zur Erlangung eines Patents war 1898 gescheitert: Das Quartier, in dem die Seidenfabrik Simon produzierte, war erst zum Teil überbaut, und die Regierung bezweifelte, ob für ein Restaurant ein Bedarf bestehe. Durchaus, wie sich später zeigte: Schon manch gestrenger Uni-Profax hat sich im Seidenhof beim Feierabendbier als lustiger Zecher entpuppt. Bei einem Tomatenjus (Fr. 4.50) studieren wir die Karte voller Italianità: Parmaschinken, Carpaccio vom Rindsfilet, Riesencrevetten (Gamberoni) und Spaghetti alla chitarre con straccetti di manzo al pomodoro (Handgerollte Eier-Spaghetti mit Rindsfiletstreifen und Tomaten). Auf der Tageskarte gibts Tagliatelle mit Gemüse und Salat (Menü 2) für nur Fr. 14.50. Für den gemischten Salatteller mit Mozzarella und Parmaschinken (Fr. 19.50) ist es zu kühl. Die Esspartnerin – gewissermassen die Mutter aller Begleiterinnen – bestellt Menü 1: Piccata (aus Trutenfleisch) mit Spaghetti an Tomatensauce. Der Testesser hat Lust auf Kalbsleber, Fegato alla veneziana mit Risotto und Gemüse (Preis auf der Tafel vor dem Eingang Fr. 25.50, verrechnet Fr. 24.50). Scharfe Beobachter wollen bemerkt haben, dass er immer das teurere Gericht bestellt als sie. Heute mag es für einmal stimmen.
Der gemischte Menüsalat (Fr. 4.50) an italienischer Sauce ist farblich eine Pracht und schmeckt der Begleiterin. Zufrieden ist sie auch mit ihrem Menüteller, bricht aber nicht in Begeisterungsstürme aus. Der Testesser hat grossen Appetit, sodass ihm das Lebergericht recht übersichtlich vorkommt, wobei es ungerecht wäre, von einer zu kleinen Portion zu sprechen. Der Risotto ist sämig, das Gemüsebouquet (Rüebli, Broccoli, Zucchetti) hat Biss. Auch hier gibt es nichts zu meckern – das grosse Aha-Erlebnis ist es nicht . Die Begleiterin ist satt. Der Testesser genehmigt sich wegen des dienstlichen Auftrags ein Dessert: Panna cotta alla caramello e lamponi (Fr. 9.–). Die Dame löffelt mit, wie es Damen meist tun. Il Dolce wirkt in seiner Konsistenz eher wie Pudding als wie gekochter Rahm. Spass machts dennoch, obwohl wir nicht sicher sind, ob es fatto in casa ist. Fast hätten wirs vergessen: Auch einen Nero d’Avola haben wir getrunken, da die effiziente, flinke Kellnerin mit dem etwas herben Charme gesagt hatte, er sei der Beste im Offenausschank. In der Tat: Er ist kräftig, harmonisch, angenehm. Zum Preis-Leistungs-Verhältnis des Tropfens können wir uns nicht äussern, da der Posten auf der Rechnung vergessen ging – wir merken es erst jetzt. Wir betrachten es als Ersatz für den verpassten Eröffnungsapéro. (Der Bund)
Erstellt: 25.05.2010, 17:32 Uhr
Bern
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!







