Bern

Aufgetischt: Quartierbeiz Motherf***er!

Von Philipp Schori. Aktualisiert am 16.06.2010

Luna Llena? Den Namen kennen wir doch irgendwoher! Nicht aus dem Spanienurlaub, nein, aus der Tagesschau und den vielen bunten Zeitungen.

Das Luna Llena, Ort der legendären Tschäppät-Gesangseinlage. (Google Street View)

Das Luna Llena, Ort der legendären Tschäppät-Gesangseinlage. (Google Street View)

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Die Rechnung, bitte

Karte: Reichhaltige Mittagsmenüs (ein Menü ist jeweils vegetarisch), Panini (Fr. 8.–), breites Tee-, Kaffee- und Spirituosenangebot.

Preise: Mittagsmenü zwischen Fr. 15.– und 20.–, Espresso: Fr. 3.90, eine Kugel Glace: Fr. 3.50.

Kundschaft: Junge Quartierbewohnerinnen, Nonkonformistische, Anhänger des BSC YB.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag:
8.30–0.30 Uhr, Samstag: 10.00–0.30 Uhr, Sonntag: 11.00–0.30 Uhr, Mittagsmenüs von Montag bis Freitag zwischen 12 und 14 Uhr.

Adresse: Restaurant Luna Llena, Scheibenstrasse 39, 3014 Bern, Tel. 031 333 84 48, info@lunallena.ch.

Anfang März hat eine Gesangseinlage in der Beiz im Breitenrainquartier für Aufsehen gesorgt – weit über die Stadtgrenze hinaus: Stadtpräsident Alexander Tschäppät stimmte nach gewonnenem YB-Match in ein Lied ein, das im Refrain «Christoph Blocher, Motherf***er!» gipfelte. Alles kalter Kaffee? Vielleicht. Trotzdem will der «Bund» nun wissen, was das Luna Llena (spanisch: Vollmond) kulinarisch zu bieten hat.

Wir bestellen einmal Lammragout, umgeben von Kartoffelstock (Fr. 18.50), und einmal den Tofu-Gemüse-Grillspiess mit Kartoffel- und Rüeblisalat (Fr. 16.50) – obwohl wir eigentlich beide lieber die argentinischen Grillwürste (Herkunft: Schweiz) mit Safranrisotto serviert bekommen hätten. Doch Menü 2 ist schon vor 13 Uhr ausverkauft. Gleichwohl werden wir nicht enttäuscht. Die Speisen werden zügig zu Tisch gebracht: zunächst je ein knackiger grüner Salat, der im Menü inbegriffen ist – wobei das Curry-Dressing unter dem Etikett «mal etwas anderes» abgehandelt werden könnte. Es folgen die Hauptgerichte, serviert durch ein sympathisches, nicht ganz fehlerfreies (siehe unten) Antiserviceteam. Im Mund fällt das währschafte Fleischmenü durch den beinahe schon cremigen Kartoffelstock auf, der Vegispiess durch seine starke Würze: Küssen nach französischer Art ist im Nachgang nicht zu empfehlen. Schmecken tuts trotzdem.

Gross geworden ist das Luna – wie die Beiz im Jargon genannt wird – durch seine Glaceproduktion: Was 1993 in einer Garage im Berner «Breitsch» begann, wurde mittlerweile ausgelagert, nach Zuchwil. Von dort stammt die Bio-Sorbetglace, die nun auf der farbenfrohen Aussenbestuhlung einer Kostprobe unterzogen werden soll. Wir ordern je einmal die Kombination Mango/Zitrone und Aprikose/Mandel (Fr. 3.50 pro Kugel). Die Mandelkugel reicht uns der Kellner dann allerdings im Duett mit einer anderen Sorte. Ob Aprikose/Mandel als feinschmeckerisches Arrangement gelten kann, sei dahingestellt. Dennoch werden wir – wenns ums Essen geht – nur ungern in unserer Selbstbestimmung beschnitten. Nichtsdestoweniger hilft das Sorbet bei der Verdauung – so auch der gute Espresso (Fr. 3.90).

Dass Menü 2 schon vor 13 Uhr ausverkauft war, wirft Fragen auf: Hat das «Luna Llena» seit der Winterloch-Story etwa an Kundschaft gewonnen? Frei nach der Formel: Auch Bad News sind Good News. «Offensichtlich», sagt einer der drei Kellner, und spielt auf unseren erstmaligen Besuch in der Beiz an. Wir kommen wieder: Vielleicht schon heute Abend, nach dem YB-Match, wenn wieder gesungen wird. (Der Bund)

Erstellt: 12.04.2010, 14:45 Uhr

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