Bern

Aufgetischt: Müssiggang im indischen Schlaraffenland

Von Rahel Bucher. Aktualisiert am 27.09.2010

Der Duft von Räucherstäbchen weht einem bereits von weitem durch die Länggassstrasse entgegen. Immer der Nase nach und das indische Restaurant Mahamaya ist nicht zu verfehlen.

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Die «grosse Täuschung» (auf Sanskrit: Mahamaya) kann beginnen. Enttäuscht wird man aber keineswegs. Der Name steht vielmehr für einen genussvollen Müssiggang, der alle Sinne anspricht. Man könnte das Restaurant Mahamaya auch Schlaraffenland nennen.

Kaum betritt man das Lokal, sitzt man schon auf einer weich gepolsterten Bank in Seidenkissen gebettet. In einer silbernen Schale werden geröstete gelbe Linsen serviert. Sie erinnern an das Brausepulver vom Kiosk, das Kinder gerne verschlingen. Beim Zerbeissen knirscht es zwischen den Zähnen, und danach sprudelt es auf der Zunge. Blumen und Kerzen schmücken die Holztische, an denen man auch mal mit seinen Tischnachbarn ins Gespräch kommt. Dieses beginnt meist mit einem leicht neidischen Blick auf den prall gefüllten Teller des Nachbarn. «Was essen Sie denn da?», fragt eine Dame vom Nebentisch. «Tandoori Chicken, sehr gut, empfehlenswert», antwortet der Herr neben ihr. «Ob ich auch Tandoori nehmen soll?», überlegt sie laut und liebäugelt mit seinem Teller. Doch der Blick in die Speisekarte bringt nicht nur sie dazu, auch mal etwas Unbekanntes auszuprobieren. Spätestens jetzt ist man überwältigt und ahnt, dass man dieses Schlaraffenland nicht wieder verlassen möchte.

Beim Zusammenstellen des Menüs setzt man am besten auf die fremden Namen. Bhel Puri (Fr. 9.–) zum Beispiel. Das sind Linsenküchlein mit Kichererbsen, Zwiebeln, Kartoffelwürfeln, süsssaurer Tamarindensauce, Pfefferminze, Joghurt und frischem Koriander. Mit dieser Vorspeise kehrt der Sommer ins Schlaraffenland zurück. Sie kühlt angenehm ab, und wohlig sinkt man schon mal etwas tiefer in die Kissen. Doch Kafta (Fr. 12.–), die Poulethackfleisch-Bällchen in einer leicht scharfen indischen Tomatensauce, bringt auch den Trägsten wieder in eine aufrechte Sitzposition. Man beisst sich durch ihre knackige Kruste und stösst im Inneren auf einen weichen Kern. Dabei verliert sich die leichte Schärfe nur langsam. Wer nach diesem Erlebnis weiter nach Entspannung sucht, dem sei Raitha, Joghurt mit Gurken- und Tomatenwürfeln, empfohlen. Es wirkt Wunder. Einen Bissen und man schmiegt sich freiwillig wieder an die Kissen.

Das ist gut so. Denn obwohl die Bedienung sehr schnell ist, sollte man sich im indischen Schlaraffenland so viel Zeit wie möglich nehmen, um all die Geschmäcke auszukosten. Sonst ist der Gaumen vor lauter Freuden überfordert. Will man seinen Geschmackssinn etwas ausruhen lassen, hat aber gerade keinen Tischnachbarn zum Reden, empfiehlt sich ein Blick auf den Flachbildschirm. Da läuft ein indischer Film à la Bollywood, in dem eine Mutter ihren liebeskranken Sohn tröstet. Safran Murgh (Fr. 27.–), serviert mit Reis, zieht die Aufmerksamkeit von der kitschigen Szene weg. Die mit Joghurt, Koriander, Safran und grünem Chili marinierten und im Ofen gegrillten Pouletbruststücke machen unbeschwert. In Kombination mit Baingan Barta (Fr. 21.–), einem Gericht mit pürierten, gebratenen Auberginen an einer Tomaten-Zwiebel-Masala-Sauce, ist das Geschmackserlebnis perfekt. Schläfrigkeit macht sich bemerkbar, und satt lässt man sich endgültig in die Kissen fallen. Im Mahamaya scheint der Müssiggang auch in hektischen Zeiten noch zu funktionieren.


Die Rechnung, bitte

Karte: Vielseitig und saisonal. Um möglichst viel ausprobieren zu können, empfiehlt sich ein Besuch in der Gruppe.

Preise: Vorspeisen zwischen 4 und 23 Franken, Hauptspeisen zwischen 14 und 33 Franken. Home Delivery: Donnerstag bis Samstag, ab 1. 11. auch Dienstag und Mittwoch, Mindestbestellwert 30 Franken.
Kundschaft: Am Mittag viele Studenten, am Abend sehr gemischt.
Öffnungszeiten: Montag–Freitag 11.30–14.30, Dienstag–Freitag 18.00–23.30, Samstag 19.00–23.30.
Adresse: Restaurant Mahamaya, Länggassstrasse 43, 3012 Bern, Tel.: 031 301 01 01 (Reservation empfohlen). www.mahamaya.ch


Weitere Aufgetischt-Folgen auf
www.aufgetischt.derbund.ch (Der Bund)

Erstellt: 27.09.2010, 15:45 Uhr

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