Aufgetischt: Ein Konzert für den Gaumen
Von Rahel Bucher. Aktualisiert am 06.04.2010
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Die Rechnung, bitte
Karte: Die Auswahl ist klein, dafür umso spezieller. Jedes Gericht ist eine fantasievolle Kombination. Sowohl für Fleischesser als für Vegetarier gibt es spannende Kombinationen.
Preise: Hauptgerichte ab Fr. 29 bis Fr. 52. Empfehlenswert ist das Menu (Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise) für Fr. 69.
Kundschaft: Sehr gemischt. Von Feinschmeckern über Weintrinker. Menschen, die gerne in ungezwungener Atmosphäre gut Speisen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 bis 14.30 Uhr und 18 bis 23.30 Uhr, Samstag 18 bis 00.30 Uhr, Sonntag und Montag geschlossen.
Adresse: Restaurant de la Tour, Obergasse 33a, 2502 Biel, Telefon 032 322 00 64, Internet www.delatour.ch,
Hier kann man Essen klingen hören. Zwar fühlt man sich beim Betreten des alten Steinlokals, das sich in einem runden Turm befindet, in frühere Zeiten versetzt. Drei verschiedene Räume stehen zur Auswahl: das schlichte Bistro, das Turmzimmer, ideal für ein romantisches Nachtessen zu zweit, und ein eleganter Esssaal. Wir entscheiden uns für das gemütliche Bistro. Mit dem Blick auf die Speisekarte endet die Reise ins Mittelalter. Nicht nur wegen der Preise. Vielmehr lässt sie einen tief in die Seele des «De La Tour» blicken.
Die Auswahl ist nicht gross, dafür umso exquisiter. Fünf Vorspeisen, fünf Hauptspeisen und fünf Süssspeisen. Um einige Beispiele zu nennen: Enten-Carpaccio mit Randentee und Fetamuffin (Fr. 21), Rindsfilet an Merlotsauce mit Stampfkartoffeln (Fr. 52) oder für Vegetarier Ravioli mit Auberginenfüllung und zweifarbiger Peperonisauce (Fr. 29). Das Menu mit Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise kostet 69 Franken. Das Konzert für den Gaumen kann beginnen.
Schon mit dem Amuse-Bouche wird man sanft auf das eingestimmt, was noch folgt. Safran-, Schnittlauch-, Meersalz- und Bärlauchbutter auf Sauerteigbrot. Dazu ein Couscous-Türmli mit Rauchlachs. Aus der Küche hört man Kellen klappern, Besen schwingen und Öl in Pfannen brutzeln.
Während die Crème fraîche auf der Zunge schmilzt, ist es am Tisch längst ruhig geworden. Als die Vorspeise reingetragen wird, ist man endgültig ins Ess-Konzert eingetaucht. Nur die Musik aus dem Lautsprecher will die Komposition nicht ganz vollenden. Doch die Vorspeise übertönt den Lautsprecher. Die Rauchlachsmousse auf Stangensellerie-Apfelsalat an Mango-Chili-Marmelade entfacht ein Chanson im Mund.
Abgelöst wird dieses von Sonne, Wind- und Wellengeräuschen, welche die Goldbrasse umgeben von einer Ingwer-Honig-Kruste, kombiniert mit Wasabi-Pesto und Aprikosen-Basmatireis mit sich bringt. Wie ein Schiff, das auf dem Tisch davonschwimmt, kommt die Hauptspeise daher. Höhepunkt des Gaumenkonzerts ist die Nachspeise, genannt «Schokoladenvariation». Eine melodiöse Explosion, die prickelt und knistert. Danach ist die Erfüllung so gross, dass man auch die etwas störende Hintergrundmusik endgültig vergessen hat. Das Sinneserlebnis steht für die Kreativität der Köche und die musikalische Seele des Restaurants. (Der Bund)
Erstellt: 06.04.2010, 09:45 Uhr
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