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Bern

Aufgetischt: Ein Kellerlokal voll Piemont

Von Franziska Müller. Aktualisiert am 16.06.2010

Seit 1999 findet sich das «Tavola Pronta» im «Gault Millau», seit dem Jahr 2000 auch im Michelin-Führer. Bereits 2001 beschloss der Inhaber, ausschliesslich piemontesische Gerichte zu servieren.

Im Keller dieser Villa befindet sich das «Tavola Pronta». (Google Street View)

Im Keller dieser Villa befindet sich das «Tavola Pronta». (Google Street View)

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Die Rechnung, bitte

Karte: Es dominiert die piemontesische Küche, die in ihrer Ursprünglichkeit den bäuerlichen Wurzeln noch etwas näher ist als das populärere und zu einem regelrechten Trend gewordene Pendant aus der Toskana.

Preise: Sehr gehobene Preisklasse – ein Mittagessen für zwei Personen mit Getränken kommt auf ungefähr 200 Franken zu stehen. Auf der Weinkarte sind einige erfreuliche Tropfen zu vernünftigen Preisen zu finden. Tagesteller (Mittag) ca. Fr. 28.–;

Kundschaft: Gourmets aus der näheren und weiteren Umgebung, die neben dem Genuss eine freundliche Atmosphäre zu schätzen wissen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.30 bis 14.30; Dienstag bis Samstag 18 Uhr bis 23.30 Uhr. Sonntag geschlossen.

Adresse: La Tavola pronta, Laupenstrasse 57, 3008 Bern, Telefon 031 382 66 33, www.latavolapronta.ch.

Die Bise – seit unserem Besuch sind ein paar Tage vergangen – nimmt uns fast den Atem, als wir vor dem Inselspital aus dem Bus steigen. An der Laupenstrasse 57 betreten wir den Garten einer alten Villa und schreiten eine Treppe hinunter zum Kellerlokal «La Tavola pronta». Hier befindet sich das Reich von Beat Thomi, der seine gastronomische Karriere mit einem Partyservice im Breitenrain begann und dann ein eigenes italienisches Restaurant eröffnete. Aufgrund der etwas verstecken Lage war das Lokal anfänglich nur einem Insiderpublikum bekannt. Doch das änderte sich rasch. Seit 1999 findet sich die gedeckte Tafel im «Gault Millau» (13 Punkte), seit dem Jahr 2000 auch im Michelin-Führer. Bereits 2001 beschloss der Inhaber, ausschliesslich piemontesische Gerichte zu servieren.

Das Interieur ist sehr geschmackvoll, an den Wänden hängen schwarz-weisse Fotografien der Stadt Florenz, eingefangen von Beat Thomi persönlich. Es gibt sogar einen Bücherschrank mit Lektüre über das Piemont. Schade nur, dass bei diesen arktischen Temperaturen das Cheminée nicht in Betrieb ist. Dafür kann die Testesserin dem Inhaber beim Kochen in der offenen Küche zuschauen.

Eine Menükarte gibt es hier nicht: Das fünfgängige Mittagsgericht ist auf einem Spiegel notiert, allerdings in eher kryptischer Form. Thomi erklärt uns, was heute auf dem Programm steht: Thunfischcarpaccio mit Erbsenpüree und piemontesischem Rindstartar, weisser und schwarzer Trüffel, als Hauptgang Kaninchenrücken an Marsalasauce, eine Auswahl verschiedener Käsesorten und ein weisses Schokoladenmousse zum Dessert. Da wir beide anschliessend wieder arbeiten müssen, sind wir dankbar für die Alternative, bestehend aus «nur» drei Gängen, mit einem Rindsschmorbraten an Barolosauce als Hauptgang – der Braten gehört zu Thomis Klassikern.

Innert kurzer Zeit erhalten wir von der freundlichen, aufmerksamen Bedienung ein Amuse-bouche vorgesetzt: ein Süppchen vom Rotkraut mit einer Riesencrevette und einem Stück Kalbscarpaccio. Das Süppchen mundet beiden, doch da der Begleiter keine Crevetten und die Testesserin kein Kalbfleisch isst, sehen wir uns zu einigen möglichst unauffälligen Tauschmanövern gezwungen. Die Vorspeise – marinierte Ofenpeperoni mit Olivenöl und Jakobsmuscheln für ihn, Thunfischcarpaccio, Tartar vom Piemonteserrind, Erbsenpüree und Büffelmozzarella für sie –schmeckt vorzüglich. Zwischen den Gängen geniessen wir die ruhige, entspannte Atmosphäre. Trotz der Nähe zum Verkehrsknotenpunkt vor dem Inselspital wähnt man sich hier in einer heilen Weilt, in der Hektik ein Fremdwort ist.

Nun folgt unser Hauptgang, angerichtet wie ein Kunstwerk: Zum Baroloschmorbraten gibt es Kartoffel- und Rüeblipüree sowie ein Spargelflan in einem Töpfchen. Letzteres wurde mit einem Hauch Kartoffelpüree fixiert, damit es am Ort seiner Bestimmung verbleibt. Der Braten ist ein Genuss, er zergeht fast auf der Zunge. Die Beilagen gefallen ebenso. Dazu trinken wir zwei Gläser Barbera, von einem prächtigen Wein der Rebsorte, die im Piemont zwischen Genua und Turin seit dem 13. Jahrhundert angebaut wird.

Anschliessend haben wir die Wahl zwischen dem Tagesdessert – weisses Schokoladenmousse auf Pflaumenkompott, dazu ein Haselnussschokoladeküchlein und Orangenschaum mit Grand Marnier – und dem Spezialtipp vom Chef, Panna cotta mit Aprikosencoulis. Die Testesserin ist bereits satt und nascht daher nur noch aus Neugierde vom Teller der Begleitung. Beide sind sich einig: Beat Thomi beherrscht auch das Dessertfach. (Der Bund)

Erstellt: 16.06.2010, 15:05 Uhr

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