Aufgetischt: Ein Bistrot in der Bieler Elfenau
Von Felicie Notter. Aktualisiert am 08.06.2010
Egal, auch die bilinguen Elfen-Auen laden zum Verweilen ein. Im Gegensatz zu Bern mutet die Bieler Variante übersichtlich, fast wie ein privates Gärtlein, an, das man unerlaubterweise betreten hat. Der kleine Pavillon sieht eher aus wie ein Gartenhäuschen. Durch die beschauliche Wiese und die jungen Birken fliesst ein Bächlein, als Brücke dient eine Steinplatte. Unvorstellbar, dass das Kleinod nur fünf Minuten vom Bahnhof weg ist. Das Bächlein fliesst vor dem Restaurant L’écluse (Schleuse) durch und in die Schüss, an der das denkmalgeschützte Fabrikgebäude steht, welches ursprünglich zur Stromgewinnung erbaut worden ist. Ende 19. Jahrhundert wurde es zur Uhrenfabrik umgebaut, später als Stahlspänefabrik, Lagerhalle für Postsachen und Baustätte für Kulissen des Stadttheaters genutzt. Vor fünf Jahren wurde das Gebäude zum Restaurant umgebaut.
Wie ein Landgasthof mutet das Restaurant mit der grossen Gartenterrasse an. Unter den Platanen murmelt es überall: Zur Mittagszeit sind an diesem sonnigen Wochentag alle Tische besetzt. Die alte Fabrik wurde von Wirtin Mireille Stettler und ihrem Mann, dem kroatischen Koch Zeljko Cuic, im Bistro-Stil umgebaut. Schlichte Holzmöbel erhalten den industriellen Charme der ehemaligen Fabrikhalle. Einzig der kleine Plastikkübel auf dem Tisch mit dem Besteck, an dem das Post-it zur Reservation klebt, erinnert eher an eine Kantine und passt damit nicht so recht ins Bild.
Wir wählen aus den Menus, die mit Kreide auf Tafeln geschrieben sind. Zur Vorspeise gibts eine Gemüsesuppe mit Schaumhäubchen oder einen Salat an gelungener französischer Sauce. Manchmal finden sich auch kroatische Gerichte auf der Karte. Diesmal solls, passend zum Landgasthof-Eindruck, eine gutschweizerische Buurehamme sein (18.50). Die Honig-Senf-Sauce hält ihr Versprechen und lockert den sonst sehr währschaften Teller etwas auf. Leider ist der extra Senf im Gegensatz sehr gewöhnlich und lässt, im Glasschälchen serviert, den Kantinen-Eindruck wieder aufleben. Die Menge an Fleisch und Kartoffelsalat als Beilagen ist kaum zu bewältigen, das Salatblatt bleibt wegen Erdspuren Dekoration. Die Begleitung bestellt die Gnocchi à la sicilienne (18.–) mit in Olivenöl gedünsteten Zucchetti und Auberginen. Ein schön angerichteter Teller, «stilsicher italienisch», kommentiert sie. Die Konsistenz der Gnocchi – aussen knusprig, innen weich – überzeugt, die Begleitung ist rundum zufrieden. Auch die üppige Salatschüssel mit Pouletstreifen (16.–) oder die Ziegenkäse-Panini (13.–), die auf Augenhöhe an uns vorbei zum Nebentisch getragen werden, hätten wir gerne probiert. Für die trockene Kehle bestellen wir den herzegowinischen Rotwein Blatina Andrija (1dl für 5.–), die Wasserkaraffe wird automatisch dazu gebracht. Den als schwer angekündigten Wein finden wir eher etwas sauer und bleiben beim nächsten Mal beim bewährten Nero d’Avola (5.50).
Beim Nachtisch finden sich die hausgemachten, leckeren Desserts erst im Inneren einer uninspirierten Lusso-Karte. Doch da wartet eine wahre Überraschung: «Isch mer glich» (15.–) ist das teuerste Dessert – und nicht einmal die Bedienung weiss, was einen erwartet. Der Chef mache einfach das, wozu er die Zutaten und gerade Lust habe. Diese Launen wollen ausprobiert werden! Und wir werden nicht enttäuscht: Ein wahres Potpourri wird auf einer Schiefertafel serviert. Wir teilen uns die Crème catalane en miniature, den kleinen Fruchtsalat, ein Stück saftigen Schoggikuchen und das Aprikosen-Sorbet. Der Chef hat gut gewählt und gewirkt.
Die Bedienung ist angesichts der vielen Besucher etwas hektisch, aber durchwegs freundlich und vor allem gut gelaunt – was gut in den sommerlichen Tag passt. Dafür wird der Hunger rasch gestillt, und es bleibt Zeit für einen Sprung in den nahen Bielersee.
(Der Bund)
Erstellt: 07.06.2010, 10:16 Uhr
Bern
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!





