Aufgetischt: Drei Doshas für ein Ayurveda
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 16.06.2010
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Die Rechnung, bitte
Karte: Täglich wechselnde vegetarische Gerichte aus Indien; zubereitet nach der ayurvedischen Ernährungslehre.
Preise: Fr. 18.50 für das ayurvedische Mittagsbuffet; ein Glas Rosen- oder Ingwerwasser inklusive. Fr. 26.50 für die indische Reistafel am Abend. Take-away für Fr. 12.50 mittags und abends.
Kundschaft: Quartierbewohner, ernährungsbewusste Lauf- und Stammkundschaft.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11 bis 14.30 und 17 bis 22 Uhr, samstags 17 bis 22 Uhr (auf Anfrage auch für geschlossene Gesellschaften), sonntags geschlossen.
Adresse: 3 Dosha Ayurveda, Moserstrasse 25, 3014 Bern, Tel.: 031 331 13 73, Internet: 3dosha.ch.
Wem die indische Heilkunst des Ayurveda nicht geläufig ist, steht rätselnd vor der Aufschrift an der Fassade des Restaurants: Handelt es sich beim Symbol «3» nun um die Zahl drei? Um das weiche kyrillische «S»? Oder gar um ein Symbol aus der uralten indischen Sprache Sanskrit? Und was ist ein «dosha»?
Das Geheimnis ist schnell gelöst: Im Fachjargon des Ayurveda stehen die drei Doshas für die drei unterschiedlichen Lebensenergien «Vata» (Wind), «Pitta» (Galle) und «Kapha» (Schleim), wie einem Prospekt des Restaurants zu entnehmen ist. Bei der Geburt eines Menschen befänden sich diese Energien im ausgeglichenen Verhältnis, dem sogenannten «Prakruthi-Zustand». Durch Stress und falsche Ernährung hingegen werde dieses Gleichgewicht gestört. Dank den Praktiken des Ayurveda könne der Prakruthi-Zustand aber wieder erlangt werden.
Bewaffnet mit diesem Wissen, erscheint vor dem geistigen Auge der Leserschaft nun wohl das Bild eines leicht schmuddeligen Esoterik-Tempels mit kitschigen Elefanten-Statuen und quietschbunten Tüchern an den Wänden. Tatsächlich ist das Interieur des «3 Dosha Ayurveda» jedoch bemerkenswert nüchtern geraten: Die schlichten dunklen Holztische und -stühle sowie die kahlen orangen Wände erinnern in ihrer Strenge eher an die «spartanische» Einrichtung japanischer Restaurants. Dank der geringen Raumgrösse – das Etablissement besteht nur aus einem Ess- und einem Nebenzimmer – sowie einer mit Kissen drapierten Sitzecke entsteht trotzdem eine gemütliche Atmosphäre.
Ähnlich spartanisch wie die Einrichtung ist das Menü geraten. Eine Speisekarte gibt es im «3 Dosha Ayurveda» nämlich nicht, sondern lediglich ein täglich wechselndes vegetarisches Buffet (ein Teller: Fr. 18.50). Im Preis inbegriffen ist – ganz nach der ayurvedischen Ernährungslehre – ein Glas warmes Ingwerwasser. Den Ingwer darin schmeckt man indes kaum heraus. Die scharfe Knolle macht sich bloss optisch bemerkbar in Form von kleinen, im Glas herumschwimmenden Stückchen. Einer der Gäste des Restaurants bezeichnet das Ingwerwasser im Anschluss an den Restaurant-Besuch sichtlich verärgert als «lauwarmes Abwaschwasser».
Das Mittagsbuffet kann da schon eher überzeugen: Neben knusprigen Papadam-Fladen und aromatischem Basmati-Reis mit Cashewnüssen stehen an diesem Tag ein Curry-Linsenmus, gedünstete Peperoni, Randen sowie ein Eintopf aus Okra, Süsskartoffeln und einem süssen Gemüse zur Auswahl. Der komplizierte Name des Gemüses sei ihr leider entfallen, erklärt die Wirtin auf Anfrage. Geschmack und Konsistenz des Gemüses lassen allerdings die ursprünglich aus Mittelamerika stammende Topinambur-Knolle vermuten. Abgerundet wird das Buffet durch eine wohlschmeckende Joghurt- und eine pikante Tomatensauce. Letztere kommt für indische Verhältnisse vergleichsweise mild daher. Diese kulinarische Zurückhaltung passt gut zur ayurvedischen Ernährungslehre: Damit keines der drei Doshas überhandnimmt, sollte nämlich keine Geschmacksrichtung und Konsistenz zu stark vertreten sein. Übermässig salzige, scharfe oder fettige Speisen sollte man deshalb vermeiden.
Dass ein gesundheitsbewusstes Restaurant wie «3 Dosha Ayurveda» auch alkoholische Getränke wie Bier im Sortiment führt, ist übrigens kein Widerspruch: Anders als andere Lehren predigt Ayurveda eher Mässigung als Verzicht. Der Konsum von Alkohol in kleineren Mengen ist somit kein Problem. (Der Bund)
Erstellt: 16.06.2010, 14:43 Uhr
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