Aufgetischt: Der Gaumen tanzt jetzt auf Mundart
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 30.11.2009
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Die Rechnung, bitte
Karte: Originelle, gehobene Küche mit dem gewissen Etwas, die aber das Ursprüngliche nicht verleugnet. Kleine Mängel stören das sehr positive Gesamtbild in keiner Weise.
Preise: Vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis, attraktive Kombinationen mit zwei oder drei Gängen, Businesslunch Fr. 35.50.
Kundschaft: Durchmischt: Gourmets, Gruppen, Geniesserinnen und Geniesser jeglichen Alters.
Öffnungszeiten: Di–Fr 11.30–14 Uhr, abends ab 18 Uhr, Sa/So ab 18 Uhr. Mo geschlossen.
Adresse: Restaurant Mund’Art, Postgasse 49 / Gerechtigkeitsgasse 56, 3011 Bern, Telefon 031 372 35 34; Internet: www.mund-art.ch.
Bei einigen dürfte es beim Namen Mund’Art klingeln, falls sie die gleichnamige Cateringfirma schon für eine Hochzeit oder ein Firmenjubiläum engagiert haben. Viele dürften das Lokal kennen, da sich darin bis vor einem Jahr der «Gaumentanz» befand.
Wir setzen uns nicht an einen der Parterre-Tische, von denen aus man dem Küchenpersonal zuschauen kann. Wir steigen in die obere Etage, die im Raum zu schweben scheint. Sie gab vor über einem Jahrzehnt dem Vor-VorgängerÂlokal Stockwerk den Namen. Die Tische sind edel gedeckt, wobei die Noblesse mit einem trashigen Accessoire gebrochen wird: Als Ring für die gerollten Stoffservietten dienen Tomatenpüree-Konservendosen. Der Gastrotester bestellt den Businesslunch (Fr. 35.50), nicht ohne zuvor die feine Sellerie-Apfel-Suppe (einzeln Fr. 7.50) probiert zu haben. Der erste Gang mit Ziegenkäse im Filoteig ist ebenfalls ein Genuss. Hübsch angerichtet gibt es dazu Spinatsalat und ein Töpfchen Tomatenkonfitüre: nicht alltäglich, aber raffiniert.
Das Kalbsfrikassee, in Apfelwein gekocht, wird mit Safranspätzli und Rotkraut serviert. Die Spätzli sind zum Teil sehr knusprig, den Pfeffer hätten wir lieber selbst darüber gestreut. Die Begleiterin bekommt Moussaka. Nix da mit griechisch lauwarmem Essen: Das Kartoffel-Hackfleisch-Auberginen-Gericht kommt glühend heiss aus dem Ofen und hat dunkle Ränder. Da wurde etwas zu viel Energie ins Kochen investiert. Des Lobes voll ist die Begleiterin über den Salat-Bowl: frisch, knackig und mit feiner hausgemachter Sauce. Interessant ist die Weinkarte. Die Begleiterin trinkt ein Gläschen Cornalin, Rotwein aus einer autochthonen Walliser Rebsorte (Fr. 7.50/dl). Eine Rarität ist auch der Blauburgunder (Weingut Tschäpperli) aus Aesch bei Basel (Fr. 7.–/dl), wo schon die Römer Reben anbauten. Das Erdbeben von 1356 machte der Burg Tschäpperli ein Ende, nicht aber dem Weinbau, glücklicherweise. Der leichte Wein von heller Farbe hat erstaunlich viel Gehalt und ÂGeschmack.
Anstelle eines Desserts könnte man einige «Versucherli» des «Käseflüsterers» Christof Bruni aus Thun ordern. Wir mögens heute süss und entscheiden uns für die hausgemachte Creme catalane. Die Zuckerschicht bekam wohl eine ordentliche Portion Backofen- (oder Bunsenbrenner-)Hitze ab, was sich in einem leichten Karbongeschmack äussert. Dem Genuss tut dies keinen Abbruch. Ob er für die Dame einen zweiten Löffel zum Mitnaschen bringen solle, hatte der flinke Kellner gefragt. Und zugleich hinzugefügt: «Sorry, ich weiss ja gar nicht, wie sie zu einander stehen.» Wenn man das immer so genau wüsste. (Der Bund)
Erstellt: 30.11.2009, 16:17 Uhr
Bern
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