Aufgetischt: Brasserie statt «Food-Court»
Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 08.06.2010
«Food Court» – das klingt eher nach den Hotdog- und Hamburgerständen an einem Musikfestival denn nach gehobener Gastronomie. So beherbergt der «Food Court» (etwa «Essenshof») im Berner Einkaufszentrum Westside denn auch Ableger von McDonald’s und Starbucks – aber auch Filialen von Gastro-Ketten mit fernöstlichen Speisen. Auch die Brasserie Bits & Bites beugt sich trotz französischem Einschlag dem englischen Sprachdiktat (einkaufen heisst hier schliesslich auch shoppen). Doch der Rahmen des Lokals ist gediegener: Weil es als Restaurant des Hotels Holiday Inn dient, liegt es am Rande des Westside-Komplexes und nicht wie die Lokale am «Food Court» inmitten von Libeskinds bemerkenswerter, aber fast Tageslicht-freier und nicht unbedingt gemütlicher Westside-Architektur.
Das «Bits & Bites» ist an die Holiday-Inn-Hotelbar und -Réception gekoppelt und hat darum lange geöffnet. Die Köche tun ihren Dienst jeweils bis 23 Uhr (Sonntags bis 22 Uhr) – wobei sie in der letzten Stunde vor Arbeitsschluss nur noch Wünsche von der kleinen Karte erfüllen. Zu dieser Zeit sitzen an diesem Werktag noch relativ viele Leute in der Hotelbar, im Restaurant sinds aber nur noch vier britische Geschäftsmänner und Hotelgäste. Sie sind froh, noch etwas zu essen zu kriegen, und bestellen Bier und Beefsteak Tatar.
Der junge, aufgestellte Kellner – fast alle, die hier Spät- und Nachtschicht schieben, sind unter 30 – bittet an einen der noch gedeckten Tische und nimmt die Bestellung auf. Dank der stimmigen Beleuchtung, Wandspiegeln und den schlichten, dunklen Holztischen und -stühlen fühlen sich die Gäste im hohen, offenen Raum nicht verloren. Die Dekoration besteht vornehmlich aus alten Fotos und Plakaten – eine Hommage an einen nahe gelegenen Berner Industriebetrieb, doch mehr dazu beim Dessert.
Der «winterliche Salat» (grosse Portion Fr. 9.50) überrascht mit seiner optisch und geschmacklich ansprechenden Garnitur: Frische Feigen, Baumnüsse, ganzer Schnittlauch, ein süssliches Balsamicodressing verzieren den gemischten Blattsalat. Noch bevor der Salat aufgegessen ist, kommt das warme Club-Sandwich mit Pommes frittes auf den Tisch (grosse Portion Fr. 21.50). Wenn auch der Fast-Food-Charakter des Gerichts nicht schönzureden ist, wurde es nach allen Regeln der Club-Sandwich-Kunst zubereitet: Zwischen den drei Toastscheiben wurden gebratener Speck und Trutenschinken, Salatblätter und Tomaten sowie Ei, Zwiebeln, Essiggurken und Mayonnaise mehrfach geschichtet. Die Pommes frittes sind schön knusprig geraten.
Das vor einem Jahr eröffnetet Hotelrestaurant hat zwar ein Zwillingslokal in Zürich, schafft aber mit seiner Dessertkarte lokalbernischen Bezug: Drei Kreationen aus oder mit Toblerone stehen im Angebot – denn die Fabrik, in der die weltbekannte Schokolade hergestellt wird, liegt gleich um die Ecke. Das Tobleronemousse mit Vanillemilch (kleine Portion Fr. 8.50) schmeckt wunderbar, doch die Portion ist für ihren Preis etwas gar klein geraten. Und die dazu gelieferte Vanillemilch hat abwechselnd eine dicke und eine dünne Konsistenz, was eher unappetitlich denn originell ist. (Der Bund)
Erstellt: 08.06.2010, 14:51 Uhr
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