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Aufgetischt: Bauarbeiter setzen gern auf das Pony

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 04.10.2010

Eine Leserin regte unlängst an, wir sollten einmal die Pizzeria Pony im Liebefeld besuchen: Das bescheidene Beizli mache «die besten Pizze in Bern».

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Die Rechnung, bitte

Karte: Pizze, Salate, bürgerliche Küche. Freitags Grillabend.
Preise: recht günstig, besonders die Mittagsmenüs, aber auch der Kaffee (Fr. 3.50).
Kundschaft: Handwerker und Bauleute, Büropersonal, Nachbarn aus dem Quartier.
Öffnungszeiten: Mo–Sa, 8.30–22.30 Uhr.
Adresse: Pizzeria Pony, Hessstrasse 47, 3097 Liebefeld; Telefon 031 371 17 77.

Was für ein Lokal auf Könizer Gemeindeboden eine doppelte Herausforderung ist. Dann entdecken wir auf der Homepage eines SP-Lokalpolitikers und Velo-Aktivisten eine weitere Empfehlung: «Noch selten» habe er «eine so knusprige Pizza gegessen». Nun sind wir endgültig nicht mehr zu halten.

Das Pony liegt gegenüber dem Steinhölzli-Märit etwas versteckt zwischen Wohnblöcken. Unter einer XXL-Markise – bestimmt die grösste nördlich der Alpen – geniessen Bauarbeiter die Mittagspause. Das ist ein gutes Zeichen: Die starken Mannen mit dem gesunden Appetit wissen meist, wo es günstig, gut und «gnue» zu essen gibt. Eine nette Serviererin versorgt die Gäste.

Die 8-jährige Tochter – sie ist heute unsere Begleiterin – winkt bei Menü 1 ab: Gemüse-Käse-Risotto (Fr. 14.50). Ebenso bei Nummer 2: Pouletbrust mit rotem Curry, Gemüsenüdeli (Fr. 16.50). Die Menüteller, die auf den Nebentischen platziert werden, sehen gut aus. Infrage käme auch ein Roastbeef-Teller mit Tartaresauce und Pommes frites (Fr. 19.50), doch wir einigen uns auf Pizza. Während wir warten, baut die Tochter aus Bierdeckeln Kartenhäuser, die in sich zusammenfallen. Mit ihrem losen Mundwerk wärmt sie die olle Kamelle auf von Papa, der am heimischen Herd einmal eine weisse Sauce in eine schwarz verbrannte verwandelt hat. Ein Glück, dass wir hier sind.

Das Pony-Interieur ist historisch gewachsen: hier ein Tschütteli-Kasten, dort ein Zigarettenautomat, im Treppenhaus eine Landkarte mit den italienischen Provinzen, eine Uhr der Eichhof-Brauerei, im Keller eine Kegelbahn (Fr. 18.–/Std.), Deckenventilatoren mit Glaslampen, in denen Stromsparröhren stecken, farbige Glühbirnen als Girlanden im Garten.

Die Pizza kommt, die kleine Prosciutto-Funghi (Fr. 14.50/gross Fr. 18.50) und die Calzone (Fr. 18.–), die «Zusammengelegte»: Sie enthält ebenfalls Schinken, dazu Crevetten und Sardellen. Zwei Sardellen hat der Pizzaiolo wie ein Signet auf den knusprigen Teig gelegt. Vater und Tochter sind sehr zufrieden. Der Rotwein (nur für Papa) – ein Sangiovese aus Apulien (Fr. 4.50/dl) ist zwar keine Sensation, aber für den Preis ein reeller Gegenwert.

Dessert? Nein, seufzt die angeblich satte Tochter. Sie nasche vielleicht an Papas Stracciatella-Kugel mit Rahm (Fr. 4.–). Man ahnt es: Papa kriegt davon ein Löffelchen als Pro-Memoria-Posten, der Rest landet im kecken Kindermund. Ist es Mövenpick? Nein, sagt die kleine Conaisseuse, «sonst wären die Schoggi-Stückli grösser». Gut ist das Glace trotzdem. Überall stehen Teller mit Obst auf den Tischen. Auch uns bringt die Bedienung rote und weisse Trauben – eine Aufmerksamkeit des Hauses. Davon könnte sich manch ein Nobelhotel eine Scheibe abschneiden.

(Der Bund)

Erstellt: 13.09.2010, 10:33 Uhr

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