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Bern

Aufgetischt: Asiens Wohlgerüche ohne jegliches Gift

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 02.06.2010

Es gehört zum Wenigen, was selbst Japan-Muffel wissen: dass dort ein Fisch mit hoch­giftigen Teilen zubereitet wird.

Das Fugu, links mit den grauen Schirmen, liegt in der unteren Altstadt mitten in anderen Restaurants. (Google Street View)

Das Fugu, links mit den grauen Schirmen, liegt in der unteren Altstadt mitten in anderen Restaurants. (Google Street View)

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Die Rechnung, bitte

Karte: thailändische und japanische Küche, modern und gepflegt präsentiert.

Preise: wie meist in asiatischen Restaurants nicht günstig, aber der Qualität des Gebotenen angemessen. Nur das Supplement von Fr. 5.– für Vorspeisen, die als Hauptgänge geordert werden, müsste nicht sein.

Kundschaft: Abends jüngere Leute, die im Ausgang gerne etwas Gutes geniessen, das auf dem Teller auch noch schön aussieht.

Öffnungszeiten: Mo–Mi 11.30–14 Uhr, 17–23 Uhr; Do/Fr 11.30–14 Uhr, 17–24 Uhr; Sa 11.30–24 Uhr; So 11.30–22 Uhr.

Adresse: Fugu-Nydegg, Gerechtigkeitsgasse 16, 3011 Bern; Telefon 031 311 51 25; Online-Reservation: fugu-nydegg.ch

Falls dem Koch beim Wegschneiden der toxischen Gefahrenzonen die geringste Nachlässigkeit unterläuft, spürt der Gast bald ein lahmes Gefühl im Gaumen – tschüss, schnöde Welt. Im Restaurant Fugu-Nydegg in Bern ist dieses Risiko gebannt. Was unter dem Slogan «gefährlich gut» aufgetischt wird, ist gänzlich ungefährliche japanische und thailändische Kost, schön angerichtet und modern interpretiert.

Die Gerichte tragen so schöne Namen wie yum somo gai, age watari gane, tuna tataki, gaeng khew gong oder kankoku fu. Weil sich der voralpine Esser darunter wenig vorstellen kann, steht auf der Karte die Übersetzung. Wir essen draussen, da es noch nicht viele «hilbe» Abende gab – und verzichten auf das Interieur, das im Stil der japanischen Minimalart designt ist.

Die Vorspeise heisst somm tamm und trägt den Vermerk VSB. Es handelt sich nicht um gebunkerten Pflichtkonsum aus dem Militärdepartement, sondern um grünen Papaya-Salat mit Karotten, Thaibohnen und Erdnüssen (Fr. 12.–/gross 21.–). VSB steht für scharf (spicy), vegetarisch und den Sesam-Chili-Brotknebel, der das Schälchen überbrückt. Der Begleiter – heute wird nicht geflirtet, sondern über Politik diskutiert – nimmt den Flusskrebs-Salat mit grüner Mango und Wasabi-Dip (Fr. 17.–/ 29.-). Als Hauptgang geniesst er schottischen Wildlachs mit gebratenem Junglauch und japanischer Teriyaki-Sauce (sake no teriyaki, Fr. 32.–). Der Testesser nimmt die gebackene Ente mit Ananas, Peperoni, Zwiebeln und Chili (kamo jinja, Fr. 31.–). Wie der Salat ist auch die Ente wunderbar angerichtet, beide Teller sind mit einer blau-violetten Blumenblüte dekoriert, die man essen kann, weil es kein Enzian ist, wie Gift-Paranoiker vermuten mögen.

Wir werden von einem freundlichen, umsichtigen Serviceteam umsorgt. Der Kellner bringt den Hauswein fugu­white, einen Sauvignon blanc vom Kap in Südafrika (Fr. 6.–/dl). Ein guter Einstieg, denn welche Beiz will sich mit ihrem Hauswein blamieren. Da der Testesser trotz leidvoller Erfahrungen nie der Versuchung widersteht, die rote Chilischote zu zerkauen, muss der Kellner zu Löschzwecken immer wieder den Lieblingswein des Begleiters heranschleppen: Einen Alta Vista Grande Reserve aus Mendoza in Argentinien: ein schwerer, tanninreicher Wein der Sorte Malbec (Fr. 10.–/dl). Der Begleiter ist rundum satt, doch der Testesser, der zwischen Dienst und Schnaps zu unterscheiden weiss, geniesst als Dessert die Köstlichkeit Berry Blossom (Fr. 11.–), Beeren mit Litschis. Ein guter Abschluss zur Stärkung für den späten Heimweg.

(Der Bund)

Erstellt: 02.06.2010, 11:27 Uhr

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