Aufgetischt: Ali Baba und die vierzig Pannen
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 16.06.2010
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Die Rechnung, bitte
Karte: mediterran-orientalische Küche: Kebabteller (Fr. 17.–), Lammspiess (Fr. 24.–), Cevapcici (Fr. 18.–), Falafelteller (Fr. 17.–), gefüllte Peperoni (Fr. 16.–), Pizze (10.– bis 16.–); Wasserpfeife im Fumoir (Fr. 15.–).
Preise: ausgesprochen günstige Mittagsmenüs, à la carte ebenfalls recht preiswert.
Kundschaft: Quartierbewohner, Studierende, Angestellte (viele kennt der Wirt persönlich).
Öffnungszeiten: Mo–Fr 8–23.30 Uhr (immer warme Küche, auch zum Mitnehmen).
Adresse: Alibaba 40, Restaurant und Partyservice, Gesellschaftsstrasse 38, 3012 Bern, Telefon 031 301 19 20; www.alibaba40.ch.
Es zog uns wieder einmal in Berns Universitätsviertel. Das Restaurant in unserem einstigen Wohnblock gibts noch, doch die Schweizer Quartierbeiz-Ära ging vor einem Jahrzehnt zu Ende. Ab da wurde es international. Die italienische Version währte kurz, die chinesische namens «Man Fu» (Viel Glück) hatte kein Glück, dem marokkanischen «Habibi» (Liebling) wurde die Liebe innert Kürze entzogen.
Derzeit wirtet Nazim Sancar, den man vom Restaurant Ali Baba im Quartierzentrum Länggass-Treff her kennt. Der Einfachheit halber zügelte er diesen Namen gleich mit, sodass das frühere «Freieck» jetzt «Alibaba 40» heisst. Mit roten und gelben Farbtönen hat er dem locker möblierten Raum einen orientalischen Touch verpasst, ebenso mit Lämpchen aus farbigem Glas. Es gibt auch eine kleine Lounge mit roten Ledersesseln. Mittags geht es einfach zu. Man wählt zwischen Menü 1 («Das Spezielle»), 2 («Das Reguläre») oder 3 («Das Fleischlose»). Weder der Begleiter noch der Testesser wählt Tofu-Piccata mit gefüllten Weinblättern, Salat und Suppe – Schnäppchenpreis (Fr. 10.–) hin oder her.
Vorgängig haben wir telefoniert. Davon zeugt auf dem Tisch ein handbeschriebenes, gefaltetes Stück Papier mit der Aufschrift «Reserviert». Tischtücher gibts nicht, auch keine Papiersets. Papierservietten? Besteck? Fehlanzeige. Es ist der Auftakt zu einer Pannenserie. Wir bestellen je einmal «Das Reguläre» (Rindsragout) und «Das Spezielle» (Kalbsgeschnetzeltes) zu 14 Franken, dazu zwei Deziliter eines türkischen Rotweins (Fr. 4.50/dl). Der Wirt erscheint mit zwei Flaschen alkoholfreiem Bier. Wir wundern uns, für wen die sein könnten, und schon sind sie geöffnet: ein Missverständnis. Dann kommt der Wein doch noch, ein sehr trinkbarer Tropfen, dessen Name uns entfallen ist, da wir keine Weinkarte erhalten. Nun werden die Teller gebracht: zweimal Ragout. Der afrikanische Hilfskellner ist sprachlich überfordert, liefert aber das Züri-Geschnetzelte nach. Noch immer sind wir ohne Werkzeug. Nach «Hallo»-Rufen und einigem Gestikulieren können wir loslegen. Der Begleiter ist zufrieden: mit dem cremigen Kartoffelstock, fein geschnittenem Mischgemüse (Tomaten, Zucchetti, Zwiebeln, Peperoni) und dem Rindsragout, die er mit dem prächtigen orientalischen Pfefferstreuer nachwürzt. Als etwas farblich suboptimal empfindet der Testesser seinen Teller: leicht klebriger Reis, helles Fleisch und Pilze an Rahmsauce. Ein Gemüse hätte dem Gericht farblich gutgetan. Es ist so weit in Ordnung, aber keine Referenz für Züri-Gschnätzlets.
Da die Portionen keine Lastwägeler-Dimensionen haben, testen wir die beiden Desserts: Der Begleiter aus dem Ausland macht Bekanntschaft mit Vermicelles und Meringues (Fr. 4.–), der Testesser vernascht Baklava (Fr. 4.–). Bei diesen Pistazien-Schnittchen läuft Ali Baba zu grosser Form auf, zeichnet er doch auf dem quadratischen Teller ein Muster aus Honig, fast wie im Feinschmeckerlokal. Als wir zahlen wollen, sagt Sancar aus dem Stand: «57 Franken.» Wir erklären ihm, dass unsere Buchhaltungsabteilung Beleglosigkeiten missbilligt, worauf er handschriftlich eine perfekte Faktura auf dem Quittungsblock abfasst. Für eine Teezeremonie mit dem Caydanlik, der doppelten Teekanne, haben wir keine Zeit. Dafür würde sich der Abend besser eignen, wenn auch die Speisepalette breiter ist. Sancar ist übrigens ein sehr netter Mensch, weshalb wir ihm die Pannen keineswegs übel nehmen. 40 waren es ohnehin nicht. Höchstens vier.
(Der Bund)
Erstellt: 16.06.2010, 14:39 Uhr
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