Startseite · Immobilien · Job · Dating · Auto
 

Bern

Auf dem Lande lassen wir uns (beinahe) häuslich nieder

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 06.07.2009

Kürzlich zog es uns in die Region, ins Restaurant Landhaus in Liebefeld.

Die Rechnung, bitte!

Karte:Feines von Fleisch und Fisch, mit Sorgfalt zubereitet, die Küche wird derzeit mit 15 Gault-Millau-Punkten taxiert.

Preise: mittags Menüs zu ganz normalen Preisen; auf Feinschmecker warten Menüs mit bis zu acht Gängen (Fr. 129.50); Menü classique, 6 Gänge (Fr. 104.50), Menü mignon, 4 Gänge (Fr. 89.50).

Kundschaft: Mittags Büroleute aus der Nähe, abends ziehts auch Gourmets aus der Ferne in den Gasthof mit dem schönen Garten.

Öffnungszeiten:Mo–Fr, 7–0:30 Uhr, Sa, 9 – 0:30 Uhr, So geschlossen.

Adresse: Landhaus Liebefeld,Gaststube, Rôtisserie, Hotel, Bar, Schwarzenburgstrasse 134, 3097 Liebefeld, Telefon 031 971 07 58, Fax 031 972 02 49,www.landhaus-liebefeld.ch

Angelockt von einer netten, äusserst nachahmenswerten Einladung, wagten wir uns in eine Gastronomieklasse, die wir aus Budgetgründen sonst leider weitgehend meiden (müssen). Im September 2004 war das schützenswerte Gebäude bei einem Brand stark beschädigt worden. Der langjährige Patron Jos de Wolf liess sich nicht unterkriegen und erstellte rasch ein Provisorium. In jener Phase ass ein «Bund»-Kollege dort – wobei er als Selbstzahler ein günstiges Mittagsmenü bevorzugte («Aufgetischt» vom 28.12.2004). Im Mai 2006 feierte das «Landhaus» aus der Asche seine Wiedereröffnung: noch schöner, noch rustikaler, noch edler.



Das Feinschmeckerlokal konnte jedoch nicht mehr ganz an die Zeiten der «Taverne Alsacienne» anknüpfen, die der Gault Millau einst mit 17 Punkten belobigte. Noch 16 Punkte gaben die kulinarischen Gralshüter, und in der Ausgabe 2009 taxierten die leicht grantigen Tester die Kost mit 15 Punkten. Wie man hört, arbeite die Crew mit Hochdruck am Auswetzen dieser «Scharte». Wir drücken ihr schon mal die Gabel.



Seit dem Umbau verfügt das Haus über fünf Hotelzimmer und eine Suite. Wir – der Gastrokritiker und sein (männlicher) Vorgesetzter – melden uns an der Réception mit dem Hinweis, wir hätten eine Reservation. «Für ein Zimmer?», fragt die Dame. Nein, es gehe um ein Diner, entgegnen wir. Und schon sitzen wir im Garten unter lauschigen Ahornbäumen. Unser Zweiertisch befindet sich unter einem Dächlein, das im Falle eines Gewitters seine Vorteile ausspielte – doch zum Glück kommt keins.



Die Servierbrigade unter Pascal Remmele erspart uns die Qual der Wahl und verwöhnt uns mit dem Sommermenü. Acht Gänge sind das, wobei die Küchencrew – vom Chef bis zum Lehrling – ihre Lieblingsspeisen kreiert hat. Nach einem Kir Royal, der den Büroalltag vergessen lässt, grüsst uns die Küche mit einer Rohschinkenterrine samt Melonen-Himbeer-Kaltschale. Unbestechlich, wie wir sind, nörgeln wir ein wenig: Die Kaltschale war nicht so kalt, aber die Rohschinkenterrine (mit Sellerie, Karotten und Essiggurke) war noch zu sehr vom Frigo geprägt. Wir hättens andersrum lieber gehabt.



Träume sind Schäume, weiss der Volksmund. Es scheint, als hätten es die Küchenkünstler darauf abgesehen, ihre Fertigkeit zu demonstrieren, indem sie die Sösslein zum Schäumen (!) bringen. Das ist neckisch, aber mit der Zeit etwas redundant. Dennoch: Wir geniessen das Melonen-Rohschinken-Mille-Feuille an luftiger (!) Frischkäsesauce (Sandro-Michele Jenni, Chef Garde-Manger), begleitet von einem Elsässer Pinot Noir. Zur Geflügelsamt(!)suppe mit Schinkenlolli (Paul David, Chef Entremetier) passt der Tschida, ein Sauvignon blanc aus dem Burgenland. Dann gehts ozeanisch weiter: gebratenes Doradenfilet-Medaillon mit Langustine und Jakobsmuschel, serviert im Bananenblatt an leichter (!) Kokos-Zitronenmelissen-Sauce auf Asiagemüse (Mirko Burri, Sous-Chef). Dazu rinnt ein Chardonnay aus dem Burgund durch unsere Kehlen. Es folgen Riesencrevetten auf sautiertem Rucola im Parmesankorb, serviert mit Chili-Öl (Paul David).



Dann kredenzt die Servierbrigade einen Spanier aus Navarra, eine Assemblage, die gut zum Hauptgang passte: ein Duo von Kalb- und Rindsfilet mit rotem Basilikumespuma, Kartoffel-Gemüse-Lasagne und Pfifferlingen (Mirko Burri). «Sehr heiss», werden wir gewarnt, doch so heiss ists gar nicht, leider.



Nicht dass wir noch hungrig wären, das nicht. Doch bei köstlichen Menüs dieser Art bleibt immer etwas Platz für einige Stückchen Käse vom Wagen und das berühmte hausgemachte Früchtebrot. Besonders der Blauschimmelkäse Stilton, der König der englischen Käse, hats uns angetan. Die Sorbetvariation benötigt naturgemäss fast gar keinen Platz. Erst jetzt kommt das Dessert vom Chef Pâtissier, Sandro-Michele Jenni, der krönende Abschluss eines edlen Mahls: abgeflämmtes Pina-Colada-Parfait, pikantes Schokoladenküchlein und eine Früchtegarnitur.



Mitternacht rückt näher. Verwöhnt, satt, zufrieden und bettschwer erwägen wir einen Moment, ob wir doch noch auf das Missverständnis der Réceptionistin zurückkommen sollen, rufen dann aber doch ein Taxi. Ganz ungeschoren soll unsere «Bude» nicht davonkommen. (Der Bund)

Erstellt: 06.07.2009, 08:12 Uhr

Bern

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

CONTROLLING-SPEZIALIST Medici & Sprecher AG, OW UR SZ ...

Projektleiter Neuentwicklungsprojekt Textilmaschinen ( m / w ) Leading People Executive Search, ZH SG

Senior Structured Products Advisor (w/m) Credit Suisse, Zürich


DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!