YB liess sich von der Spitze wirbeln
Das Tourbillon bleibt für die Young Boys der Ort, wo es diese Saison nichts zu gewinnen gibt. Am 8. November lagen sie da beim ersten Auftritt gegen den FC Sion nach einer Stunde 0:3 zurück und verloren 1:3. Gestern war die Partie bereits vor der Pause entschieden, als Alioui für Sion einen Corner von Dominguez in der 45. Minute zum 3:0 ins Netz lenkte. Die Walliser Anhänger unter den 14 500 Zuschauern feierten am Ende ihre Equipe und einen 4:1-Sieg enthusiastisch. Die Berner verloren erstmals zwei Partien in Folge und damit die Tabellenspitze, welche sie seit der dritten Meisterschaftsrunde vom 26. Juli 2009 innegehabt hatten - mit bis zu 9 Punkten Vorsprung. In der Poleposition im Meisterrennen ist fünf Runden vor Schluss plötzlich der FC Basel, der einst 13 Punkte zurücklag und nun YB mit dem 5:0 gegen Luzern ein- und dank der Tordifferenz gleich überholte.
Optisch sahen die Young Boys - so paradox es scheinen mag - diesmal besser aus als beim letzten Auftritt im Walliser Hexenkessel. Bevor Sion in Führung ging, hatten die Berner nach 47 Sekunden durch Degen den Aussenpfosten und nach fünf Minuten durch Raimondi die Latte getroffen. Doch einmal mehr zeigte sich: Die YB-Problemzone ist die Abwehr. Schon am 8. November hatte Dudar gefehlt, auch jetzt zahlte YB einen hohen Preis für das Fehlen des gesperrten Abwehrchefs.
Defensiv kein Meisterformat
Es wäre zu einfach, diese zweite Auswärtsniederlage innert fünf Tagen nach dem 1:2 bei GC nur mit der Unerfahrenheit der beiden 19-jährigen Verteidiger François Affolter und Adriano De Pierro zu erklären. Zumal Affolter diese Saison zur Stammformation zählt und viele solide Spiele gezeigt hat. Doch in dieser Formation mit dem fehleranfälligen Mardassi hat YB in der Defensive kein Meisterformat. Trainer Vladimir Petkovic hielt nach dem 1:4 trotzig fest: «Die beiden Jungen gehörten zu den besten in unserem Team.» Immerhin waren die Young Boys auch im Mittelfeld nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe und vergaben im Angriff die Möglichkeiten selbst durch Topskorer Doumbia fahrlässig.
Nun wird sich zeigen, ob die Routiniers im YB-Team in der entscheidenden Meisterschaftsphase nicht nur vor den Mikrofonen die Ruhe bewahren, sondern reagieren können. Die Berner haben in den ausstehenden fünf Runden noch drei Heimspiele - einschliesslich das Finale gegen Basel. Der neue Tabellenführer aber trifft neben YB und GC noch auf die letzten drei Xamax, Aarau und Bellinzona.
Tholot tippt auf Basel
«Man kann nicht sagen, dass YB zurzeit einen Lauf hat», befand Sion-Trainer Didier Tholot. «Basel macht dagegen im Moment einen sehr robusten und willensstarken Eindruck.» Tholot erlebte gestern auf den Tag sein 1-Jahr-Jubiläum als Trainer bei Sion, was eine Leistung ist. Und er bleibt seit dem 27. September und dem 0:1 gegen GC mit seiner Equipe im Tourbillon ungeschlagen.
«Wenn das letzte Spiel gegen den FC Basel das entscheidende ist, dann gewinnen wir es», prophezeit YB-Trainer Petkovic. Kollege Tholot würde darauf nicht wetten. (Der Bund)
Erstellt: 19.04.2010, 07:27 Uhr
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