«Wer solche Spiele gewinnt, wird Meister»
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Es war der meistgehörte Satz nach einem aufwühlenden Finale mit einem höchst glücklichen Sieger. «Wer solche Spiele gewinnt, wird Meister», sagte FCZ-Verteidiger Ludovic Magnin, als er in der Mixed-Zone an Marco Wölfli vorbeischlurfte und ihn freundschaftlich in die Seite kniff. Der Ex-Thuner Silvan Aegerter wies darauf hin, dass solche Siege in einem Titelkampf von enormer Bedeutung sein können. «Sie bestärken einem in dem Gefühl, dass man es schafft.» YB-Trainer Vladimir Petkovic meinte, wer einen Match, der so schlecht begonnen habe, noch gewinne, habe «das Recht zu träumen, dass er Ende Saison nicht mit leeren Händen dasteht».
Der Abend, der für die Berner Fussballer und ihren Anhang in schierer Glückseligkeit endete, hatte für sie denkbar schlecht begonnen. Issam Mardassi riss in der 8. Minute als hinterster Mann Djuric zu Boden. Schiedsrichter Studer zögerte keinen Augenblick und zeigte dem ungestüm und unglücklich agierenden Verteidiger die rote Karte. Der Bestrafte und seine Teamkollegen waren entsetzt, die Fans pfiffen, schimpften und fuchtelten wild mit den Fäusten. Für Petkovic war der Ausschluss «eine etwas zu harte Entscheidung». Marco Wölfli, der näher beim Tatort gestanden hatte als sein Trainer, wollte sich dazu nicht äussern. «Ich habe nicht genau gesehen, was passiert ist.»
Die Szene, die YB in Unterzahl versetzte, prägte den Match bis weit in die zweite Halbzeit hinein. Der Gast aus Zürich kontrollierte das Geschehen, ohne dass er aber deswegen brilliert hätte. Was ihm vor allem fehlte: der Zug und das Tempo, wenn es Richtung gegnerisches Tor ging. Richtig gefährlich vor dem YB-Tor wurde es eigentlich nur dreimal: Der erste Versuch landete im Netz (23. Freistoss von Gajic), der zweite am Pfosten (70. Koch), der dritte kurz vor Schluss knapp neben dem Gehäuse (Alphonse). Sie hätten den Ball wohl häufig in ihrem Besitz gehabt, «doch zumeist nur in der eigenen Hälfte. Dort schiesst man keine Tore», kritisierte Aegerter.
Die Harmlosigkeit des FCZ war das Glück des Tabellenleaders, der sich lange Zeit sehr schwer tat. Zugegeben: Er hatte wegen des frühen Platzverweises unter erschwerten Bedingungen seine Arbeit zu verrichten. Dennoch war auch gegen den FCZ erkennbar, dass ihm die schiere Leichtigkeit des Seins, die ihn in der Vorrunde begleitete, weitgehend abhanden gekommen ist in den letzten Wochen. Die schönen Spielzüge sind rar geworden. Die jüngsten Siege sind das Produkt von viel Kampf und Krampf sowie einer gehörigen Portion Wettkampfglück. Gegen Luzern kam YB in erster Linie zu drei Punkten, weil der Gegner beste Torchancen ausliess. In St. Gallen erzielte Regazzoni das 1:0 aus einer Offsideposition. Gegen Zürich hatte YB insofern Glück, als beim siegbringenden Tor in der Nachspielzeit weder Schiedsrichter Studer noch sein Assistent an der Linie sahen, dass Doumbia den Ball mit der Hand berührt hatte, bevor er ihn zu Bienvenu zurücklegte.
Yapis Zurückversetzung
Die verrückten Schlussminuten mit dem Happy End für seine Mannschaft ersparten Vladimir Petkovic kritische Fragen zu seinen Dispositionen. Beispielsweise, wieso er nach Mardassis Ausschluss nicht Sutter auf dessen Position beliess und stattdessen Schneider (für Lustrinelli) einwechselte? Oder wieso er im Zentrum den völlig wirklungslosen Hochstrasser nicht durch Yapi ersetzte?
Am Samstag wurde offensichtlich, dass der gestrenge Übungsleiter nicht mehr auf Yapi setzt, seit dieser zur Unzeit bekannt gegeben hat, er wechsle im nächsten Sommer zum FC Basel. Der Ivorer gehörte nicht mal zu den drei Akteuren, die der kroatisch-schweizerische Doppelbürger im Verlauf der Begegnung einwechselte. Auf dessen Zurückversetzung angesprochen, liess sich Petkovic nicht aus der Reserve locken: «Yapi hat heute nicht zu den 11 Spielern gehört, die ich für dieses Spiel ausgewählt habe.» Damit war für ihn das Thema erledigt.
Solange YB erfolgreich spielt, dürfte Yapis Platz vornehmlich die Ersatzbank sein. Das ist hart für den 28-Jährigen, der in der Vorrunde eine der zentralen Figuren war. Seine Rolle übernommen hat Thierry Doubaï, der sich nach langer Verletzungspause Schritt für Schritt an sein früheres Niveau herantastet.
Joker Bienvenu sticht
Seydou Doumbia, der YB nach dieser Saison ebenfalls verlässt, muss vorerst nicht um seinen Stammplatz bangen. Gegen den FCZ gelang ihm zwar lange Zeit herzlich wenig, doch in der Schlussphase hatte er bei beiden Toren entscheidenden Einfluss. Sein möglicher Nachfolger, Henri Bienvenu, setzte bei seinem ersten Einsatz im Wankdorf ein erstes Ausrufezeichen. Der 22-jährige Kameruner schoss in der 94. Minute Doumbias Rückgabe ins Netz. Nach dem Schlusspfiff liess er sich von seinen Teamkollegen feiern. Später in der Mixed-Zone war er darauf bedacht, ja nichts Unbedachtes zu sagen. Es sei schön, dass ihm ein Tor gelungen sei. Doch er müsse weiter hart an sich arbeiten, sagte der scheue Bienvenu. Er habe noch Reserven. Derzeit könne er etwa 85 Prozent seines Leistungsvermögens abrufen.
Zwei Gefühlswelten nach dem 2:1 in der 94. Minute: Dudar (rechts) kann das YB-Glück kaum fassen, während beim FCZ Konsternation herrscht. Foto: Keystone
(Der Bund)
Erstellt: 01.03.2010, 09:25 Uhr


































