Tottenham Hotspur: Viel Tradition – wenig Erfolg
Anreise mit Bus, Tram und Zug
Am Dienstagabend findet im Stade de Suisse das Champions-League-Playoff-Spiel zwischen dem BSC Young Boys und Tottenham Hotspur statt. Da zurzeit der Circus Knie auf der Allmend gastiert, empfiehlt die Polizei dringend, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Am Stadioneingang werden strikte Zugangskontrollen durchgeführt. Das Spiel dürfte ausverkauft sein. (pkb)
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Wenn das Sprichwort «Viel Feind, viel Ehr» tatsächlich stimmt, darf sich Tottenham Hotspur glücklich schätzen: Kein anderer Premier-League-Klub ist bei so vielen anderen Vereinen verhasst. «Stand up, if you hate Tottenham» (Steht auf, wenn ihr Tottenham hasst) sangen die Chelsea-Supporter erst neulich wieder im Community-Shield-Match, aus purer Langeweile – der Gegner im Wembley-Stadion hiess ja Manchester United. Auch beim FC Arsenal und bei West Ham United sind die Spurs die Lieblingsrivalen.
Die Feindschaft hat eine kleine, heute nicht mehr stark ausgeprägte antisemitische Komponente – die Spurs galten traditionell als jüdischer Verein, und selbst nicht jüdische Fans bezeichnen sich noch immer trotzig als «Yids». Hauptsächlich liegt der Antipathie aber längst verblichener Neid zugrunde. Es ist mittlerweile exakt 50 Jahre her, dass dem Klub von der White Hart Lane ein beinah mythisches Kunststück gelang: Die legendäre Mannschaft von Trainer Bill Nicholson gewann 1960/61 mit fantastischem Offensivfussball Meisterschaft und Pokal. Kein Team hatte dieses Double im 20. Jahrhundert zuvor geschafft. Zwei Jahre später triumphierte man auch als erste britische Mannschaft in einem europäischen Pokalfinal. Das 5:1 gegen Atlético Madrid im Endspiel in Rotterdam machte die Nordlondoner über die Grenzen des Landes hinaus berühmt.
Ein Grossteil der Helden des 61er-Teams war beim 0:0 gegen Manchester City am Sonntag im Stadion und wurde von den Besuchern zur Halbzeit frenetisch gefeiert. Wie es der Zufall will, fällt das 50-Jahr-Jubiläum des Erfolges exakt mit der möglichen Rückkehr der Spurs in den Europacup der Landesmeister (heute: Champions League) zusammen. Gewinnt die Elf von Trainer Harry Redknapp die Qualifikationsspiele gegen die Young Boys, wäre es die erste Teilnahme in der Königsklasse seit 1961/62, als man bis ins Halbfinal vorstiess, aber nach sehr zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen gegen Benfica ausschied.
Jahrelang im Schatten
Seit 1991 (FA Cup) hat man keinen grossen Titel mehr gewonnen; zwei Triumphe im Ligacup (1999, 2008) waren nicht mehr als Trostpreise für zwei Jahrzehnte im Schatten von Arsenal und dem FC Chelsea. Besonders den Gunners möchte man es endlich wieder zeigen, denn sie waren es, die 1913 vom Süden der Stadt ins Highbury und damit in die unmittelbare Nachbarschaft von Tottenham umzogen. Sechs Jahre später eskalierte die Rivalität, als Ende des Ersten Weltkriegs der Zweitligist Arsenal anstelle der bereits im Oberhaus etablierten Spurs in die neue erste Liga aufgenommen wurde. Dass es damals nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen ist, sehen die Fussballhistoriker mittlerweile als erwiesen an.
«Wir können Arsenal überholen», sagt Redknapp nun. «Doch dafür müssen wir unbedingt in die Champions League.» Der 64-Jährige erwartet auf dem für die Briten ungewohnten Kunstrasen ein hartes Spiel. «Bern hat gegen Fenerbahçe überragend gespielt und hätte noch höher gewinnen können», weiss Redknapp nach dem Studium einer Aufzeichnung.
Für die Young Boys wird es gegen das sehr offensivstarke Team um Leistungsträger Luka Modric und den immens starken Flügelspieler Gareth Bale nicht einfach. Aber sie können zumindest darauf vertrauen, dass ihnen beim Rückspiel in einer Woche mehrere Millionen englischer Fussballfans die Daumen drücken werden. Drei Viertel der Londoner würden eine Pleite der Spurs nur allzu gerne sehen. (Der Bund)
Erstellt: 16.08.2010, 12:27 Uhr
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