Scott Suter: Ein Spieler mit vielen Talenten

Scott Sutter spielt seit dieser Saison für YB – und ist auf dem Weg zurück ins Glück. Der gebürtige Engländer erlebt eine wechselhafte Karriere. Zuletzt verpasste der 23-Jährige fast zwei Saisons wegen einer schweren Fussverletzung.

Der Gitarrenspieler: Scott Sutter in seiner Wohnung in Ittigen mit einer elektrischen Gitarre. «Ich will wieder Unterricht nehmen», sagt der YB-Fussballer. (Andreas Blatter)

Der Gitarrenspieler: Scott Sutter in seiner Wohnung in Ittigen mit einer elektrischen Gitarre. «Ich will wieder Unterricht nehmen», sagt der YB-Fussballer. (Andreas Blatter)

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Die Szene spielt in einem ruhigen Quartier in Ittigen, es ist Freitagmorgen, Scott Sutter geniesst einen Freitag, vielleicht wird er am Nachmittag noch auf den Golfplatz gehen. Jetzt, um 10.30 Uhr, bereitet er sich gerade einen Tee zu – und beginnt zu erzählen. Sutter hat einiges zu berichten über seine interessante Karriere. Der YB-Spieler spricht flüssig und angenehm, die Antworten fallen länger und differenzierter aus als bei anderen Fussballern.

Fussball, nicht Tennis

Der 23-jährige Sutter setzt sich auf seine Couch im Wohnzimmer, trinkt ab und zu aus seiner Teetasse, und vielleicht ist das ein guter Einstieg in diese Geschichte, denn auf der Teetasse ist das Wappen des englischen Fussball-Nationalteams abgebildet. Sutter ist in England, nördlich von London, aufgewachsen, als Sohn eines Schweizers und einer Mutter mit polnischen Wurzeln. «Ich fühle mich immer noch als Engländer und verbringe sehr viel Zeit bei meinen Eltern und den Kollegen in England», sagt Sutter. «Aber mittlerweile bin ich auch seit einigen Jahren in der Schweiz. Hier ist meine zweite Heimat.»

Früh entdeckt der junge Scott Sutter jedenfalls seine sportlichen Talente, mit 10 Jahren entscheidet er sich für Fussball und gegen Tennis, obwohl er auch mit dem Racket eine grosse Begabung ist. Und nach der Schule zieht es Sutter oft zum Golfen, heute besitzt er das respektable Handicap 12. Seine fussballerische Karriere lanciert er derweil bei Millwall, später zieht er zu Aston Villa und Charlton. Und als Sutter 14 Jahre alt ist, stellt ein Freund des Vaters, der regelmässig mit GC-Geschäftsführer Georges Perego Tennis spielt, den Kontakt zu den Grasshoppers her. «Die Eltern wollten, dass ich die Schule beende», sagt Sutter. «Als ich das gemacht habe, setzte ich voll auf die Karte Fussball und zog nach Zürich.»

Mit 16 im fremden Land

Mit 16 Jahren ist Scott Sutter in einem fremden Land, die Sprache ist anders und der Start bei GC holprig. «Ich war oft einsam», sagt Sutter. Langsam beginnt er sich aber in Zürich einzuleben, bald spricht er mit Zürcher Dialekt, und die guten Leistungen auf dem Rasen erhöhen rasch seine Akzeptanz. Mit 18 Jahren spielt Sutter erstmals für GC in der Super League, aus dem früheren zentralen Mittelfeldspieler und Stürmer ist längst ein rechter Aussenverteidiger mit Offensivdrang geworden. «Die Flanken sind sicher eine Stärke von mir», sagt Sutter, der den englischen Glamourboy David Beckham als Vorbild nennt. «Seine Laufbereitschaft wird unterschätzt, er arbeitet stark fürs Team», erklärt Sutter. «Und Beckhams Flanken sind traumhaft.» Sutters Fortschritte bei GC sind unterdessen derart beeindruckend, dass er sich mit 20 Jahren sogar gegen die Schweiz entscheidet, weil er nicht nur von der Premier League, sondern auch von der englischen Auswahl träumt (siehe Text rechts).

Heute sagt Scott Sutter demütig: «Mein grösster Wunsch ist, dass ich gesund bleibe.»

Er bezeichnet es als «kleines Wunder», darf er wieder als Fussballer aktiv sein. Seine Leidensgeschichte ist lang, Sutter erzählt sie ausführlich – und nachdenklich. Sie geht so: Im Sommer 2007 wird Sutter bei einem GC-Testspiel gegen Oman fürchterlich gefoult und schwer verletzt. «Mein Gegenspieler sprang mit beiden Beinen voraus und traf voll meinen rechten Fuss», sagt Sutter, der einen Knorpelschaden im Fussgelenk erleidet. «Nachdem sich der Arzt das Fussgelenk angeschaut hatte, fragte er mich, ob ich in meiner Karriere schon genug Geld verdient habe.»

Operation in Amsterdam

Mit 21 Jahren droht Sutter das sehr frühe Karrierenende. Nach der Operation und fast einem Jahr Pause ist Sutter im Sommer 2008 endlich wieder am Ball, aber die Schmerzen sind nach jedem Training brutal, und nach einigen Testspielen bricht Sutter den Comebackversuch ab: «Es machte keinen Sinn.» Doch aufgeben will der verzweifelte Sutter nicht. Nick van Dijk, holländischer Knorpeltransplantat-Spezialist, der kurz zuvor Cristiano Ronaldo am Fussballgelenk operiert hat, wird ihm empfohlen. «Das war meine letzte Chance. Ich ging für drei Monate nach Amsterdam und bestritt vor der zweiten Operation ein umfangreiches Aufbauprogramm.»

Und heute vor einem Jahr, am 3.Oktober 2008, beginnt mit der Operation in Amsterdam Sutters «zweite Karriere», wie er sich ausdrückt. Ende Februar 2009 trainiert er wieder mit GC, Ende Saison bestreitet er noch einige Partien, ehe er zu YB wechselt. Auch heute ist der Fuss manchmal («vor allem nach dem Aufstehen») steif, doch nach einigen Minuten funktioniert der Bewegungsablauf. «Ich habe Glück gehabt», sagt Sutter. Er hat jetzt eine Stunde gesprochen, und am Ende fällt die Rede noch auf die akustische und die elektrische Gitarre, die im Wohnzimmer platziert sind. «Ich liebe Musik und spiele gerne Gitarre», sagt Sutter. Er habe dieses Hobby aber zuletzt vernachlässigt. «Ich will jetzt wieder Unterricht nehmen.» In Bern, wo er auf dem langen Weg zurück ins Glück bei YB gerade wunderbare Zeiten erlebt. (Der Bund)

(Erstellt: 05.10.2009, 14:01 Uhr)

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