Doumbias Hilfe aus dem Tessin
Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 01.03.2010
Mauro Lustrinelli ist lange genug im Fussballgeschäft dabei, um zu wissen, dass in dieser Branche fast nichts unmöglich ist. Doch dass er nach der Winterpause mit YB auf Tor- und Titeljagd ginge, damit hat er bis vor kurzem «nicht im Entferntesten» gerechnet. Er stand bei der AC Bellinzona unter Vertrag, für die er in der Vorrunde achtmal erfolgreich war. Dann kam vor drei Wochen der Anruf von Vladimir Petkovic, mit dem Lustrinelli zu Beginn seiner Karriere bei Bellinzona zusammen gekickt hatte. Dem YB-Trainer war zu Ohren gekommen war, dass der ehemalige Nationalspieler den Markt sondiere. Der YB-Trainer fragte den unzufriedenen Stürmer, ob er nicht leihweise zu YB kommen wolle. Lustrinelli war überrascht und geschmeichelt zugleich.
Erfolg bei kleinen Vereinen
Der 34-Jährige hat während seiner 16-jährigen Karriere zwar fast 200 Tore in den beiden obersten Ligen erzielt, doch bei einem Spitzenklub war er nur im Ausland (Sparta Prag 2006/07) unter Vertrag. Seine Arbeitgeber in der Schweiz hiessen Bellinzona, Wil, Thun, Luzern und wieder Bellinzona. Er habe «mit kleinen Vereinen relativ grosse Erfolge gefeiert», wendet Lustrinelli ein. Geschichtsklitterung sieht anders aus, denn immerhin gehört der Tessiner zu der kleinen Minderheit von Schweizer Spielern, die in der Champions League gespielt haben. Er war Teil jener Thuner Equipe, die im Herbst 2005 in der europäischen Königsklasse für Furore sorgte. Unvergessen geblieben sind seine beiden Tore in der entscheidenden Qualifikationspartie gegen Malmö FF - erzielt im Stade de Suisse.
Seit letzter Woche ist das Wankdorf Lustrinellis Arbeitsplatz. Er hat ein Umfeld vorgefunden, in dem seiner Meinung nach «alles sehr gut organisiert» ist. Weiter konnte sich der Neuankömmling vergewissern, dass das Team tatsächlich «eine hohe Qualität besitzt». Aufgefallen ist ihm in diesen Tagen auch, wie gut die Gruppe funktioniert, obwohl die Spieler aus den verschiedensten Regionen des Globus stammen. Ein jeder kenne seinen Platz und akzeptiere seine Rolle.
«Druck ist relativ»
Er selber weiss, dass ihn der Verein geholt hat um die Torproduktion zu erhöhen und Topskorer Seydou Doumbia zu entlasten. «Das belastet mich nicht», versichert Lustrinelli. «Ich bin nach Bern gekommen, um mit YB Meister zu werden.» Erfolgsdruck will er keinen verspüren. «Druck ist relativ. 30 000 Zuschauer im Stadion können einen Sportler lähmen. Sie können aber auch Glücksgefühle auslösen.» Die Freude auf das erste Heimspiel im gelbschwarzen Dress sei jedenfalls grösser als die Angst vor dem Versagen.
So richtig in Bern heimisch ist Mauro Lustrinelli noch nicht. Derzeit pendelt er zwischen Fussballplatz, Hotel Bern und Bellinzona, wo er die trainingsfreien Tage verbringt. Das Leben aus dem Koffer dürfte schon bald zu Ende sein. «Sobald ich eine Wohnung gefunden habe, kommen meine Frau Christina und meine beiden Buben auch nach Bern», sagt Lustrinelli, der sich selber als ausgesprochenen Familienmenschen bezeichnet. Möglicherweise verbringt die Familie Lustrinelli nur einige wenige Monate in der Hauptstadt. Der Stürmer, der bei Bellinzona bis Ende nächster Saison einen Kontrakt besitzt, ist nur bis Juni ausgeliehen worden. Erst dann wird YB entscheiden, ob er weiter beschäftigt werden soll.
Mögliche YB-Aufstellung: Wölfli; Mardassi, Dudar, Affolter; Sutter, Yapi (Hochstrasser), Doubai, Raimondi; Christian Schneuwly, Doumbia, Regazzoni. - Verletzt: Marco Schneuwly, Morello, Degen, Traore, Lingani (beide Adduktorenbeschwerden). (Der Bund)
Erstellt: 01.03.2010, 11:27 Uhr





