Bern

YB krampfte sich zum 1:0-Sieg

Von Peter Herzog. Aktualisiert am 23.08.2010

Aufatmen bei den Young Boys: Drei Tage vor dem Playoff-Rückspiel in der Champions League gegen Tottenham schafften die Berner endlich den ersten Heimsieg in der Super League.

David Degen bugsierte den Ball in der 65. Minute zum erlösenden 1:0 gegen den FC Zürich über die Linie. Es war ein Glücksgoal, und das passte zu diesem Spiel mit kargem Unterhaltungswert: Hochstrasser flankte vor das Tor, FCZ-Goalie Guatelli lenkte den Ball vor Bienvenu irgendwie ab, er kam zu Raimondi, dessen Schuss wurde vor der Torlinie von Zouaghi abgeblockt und der Ball kollerte genau vor die Füsse von Degen.

«Jetzt müssen wir den Schalter schnell umlegen», hatte Degen nach dem schlechten Saisonstart vor dem Spiel gefordert, und ausgerechnet dem Baselbieter gelang nun der Siegtreffer. «Wir hatten Mühe gegen diesen defensiven FCZ», bekannte Degen, «der Gegner spielte auf ein 0:0.»

Tatsache ist aber, dass YB in der Schlussphase Glück hatte. Zuerst rettete Wölfli gegen Margairaz, der von Kukuruzovic freigespielt worden war (74.), und als der eingewechselte Schönbächler in der vierten Minute der Nachspielzeit mit einer weiten Flanke die YB-Abwehr überraschte, lenkte der aufgerückte Verteidiger Teixeira, bereits dreifacher Torschütze für den FCZ in dieser Saison, den Ball an den Pfosten. Danach packte Wölfli den Ball und Schiedsrichter Wermelinger beendete die Partie. YB-Sportchef Alain Baumann sprach hinterher von einer «Willensleistung»: «Bei dieser Hitze, die Champions-League-Playoffs im Hinterkopf, war es für unser Team gegen die destruktive Spielweise von Zürich nicht einfach.»

Das sah FCZ-Trainer Urs Fischer nicht so. «Wir haben fast nichts zugelassen und eine gute Leistung gezeigt. Dennoch verlieren wir 0:1. Ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf entsprochen.»

Zumindest vor der Pause war es ein Spiel, das die über 20?000 Zuschauer im Stade de Suisse forderte. Sie mussten gegen die Langeweile ankämpfen. Kaum eine Aktion gelang, die Berner liessen sich mit dem 4-1-4-1-System nicht dazu bringen, den Zürchern Raum für Konter zu gewähren. Vladimir Petkovic nannte es «Schachspiel, und wir hatten am Schluss einen Zug mehr». Nur das ­Resultat sei wichtig in dieser Situation. Erstmals in dieser Saison blieb YB in der Super League ohne Gegentor. «Es war zu heiss für Fussball», fand der YB-Trainer noch. «Aber das Fernsehen diktiert die Anspielzeiten.» Und auch die YB-Fans zeigten sich in Jubelstimmung, das Tor liess allen ­Unmut über das schwache Spiel vergessen.

Kaum Hoffnung auf Dudar

Die Young Boys haben ihre Pflicht erfüllt, jetzt richtet sich der Fokus auf das Spiel gegen Tottenham. Die Mannschaft trainiert heute Montag Morgen und fliegt am Dienstagmorgen nach London. Dabei schaut es für Emiliano ­Dudar nicht gut aus, dessen Kopfballstärke YB in London gut gebrauchen könnte. Der Abwehrchef erlitt im ­Training vor 13 Tagen am rechten Fuss eine Sprunggelenkverletzung. Zwei Bänder sind gerissen. Ob er für das Spiel am Mittwoch, bei dem es um 25 bis 30 Millionen Franken geht, fitgespritzt wird, liess Baumann offen. «Dazu müsste Dudar im Kopf ­bereit sein und das Okay geben», sagte der Sportchef. Petkovic dagegen verzog die Mundwinkel bei diesem Thema. «Es sieht nicht gut aus, ich glaube, Dudar wird am Mittwoch nicht spielen können.» (Der Bund)

Erstellt: 23.08.2010, 07:29 Uhr


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