Bern

«YB hat gegen uns noch eine Rechnung offen»

Von Alex Trunz. Aktualisiert am 23.07.2010 1 Kommentar

1:5 ging YB im Mai gegen Luzern unter und verspielte als Folge davon noch den Titel. Jetzt trifft YB am Samstag wieder auf den FCL, der als Team der ersten Runde gefeiert wurde, was Trainer Rolf Fringer relativiert.

Daniel Gygax nimmt nach dem 4:0 den Dank von Rolf Fringer entgegen. (Reuters)

Daniel Gygax nimmt nach dem 4:0 den Dank von Rolf Fringer entgegen. (Reuters)

«So ein Einstand ist perfekt»

«Der Hype in Luzern nach unserem 4:0 ist unglaublich.» Dies sagt jener Akteur, der bei seiner Premiere im FCL-Dress am letzten Sonntag gegen St. Gallen mit zwei Toren massgeblich zum beeindruckenden Resultat beigetragen hat. Dass Daniel Gygax so schnell in Luzern angekommen ist, sei für ihn «eine grosse Befriedigung», erklärt der Super-League-Rückkehrer, der die letzten Jahre in den beiden höchsten Ligen Frankreichs und Deutschlands bestritt. «Bei einem neuen Klub ist es wie an einem neuen Arbeitsplatz, in der Regel braucht es dabei eine gewisse Anlaufzeit. Das mir bereits der Einstand so gut gelang, ist natürlich perfekt», freut sich der bald 29-Jährige, «denn der Druck ist immer gross, wenn ein Spieler aus dem Ausland in die Schweiz zurückkehrt.»

Der 35-fache Nationalspieler, der seit der EM 2008 von Ottmar Hitzfeld nicht mehr berücksichtigt wurde, will mit konstant guten Leistungen weiterhin Werbung in eigener Sache machen. Das nächste Mal am Samstag (17.45) in Bern, «auch wenn YB ein anderes Paar Schuhe ist als St.?Gallen und ich selber kaum Erfahrung mit dem Kunstrasen habe».

Der FC Luzern hat gestern den 27-jährigen Kroaten Tomislav Puljic verpflichtet. Mit dem 1,92 m grossen Innenverteidiger hat Trainer Rolf Fringer eine neue Alternative im Abwehrzentrum, wo der angeschlagene Dusan Veskovac für das YB-Spiel fraglich ist. (atr)

Rolf Fringer, wie fühlt man sich als Trainer des Leaders?

Wie sagt man so schön: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Zudem gab es auch Phasen, in denen wir nicht gut spielten. Wir waren gegen St. Gallen insgesamt viel zu wenig dominant, als dass wir jetzt schon das Gefühl haben müssten, die Besten zu sein.

Die Anhänger in Luzern sehen das aber etwas euphorischer.

Für das Umfeld, für die Fans ist es natürlich schön, Erster zu sein. Für uns als Mannschaft zählt aber nur, wo wir nach 36 Stunden stehen. Wir müssen diese Euphorie relativieren, werden aber zweifellos versuchen, einen Teil dieser Begeisterung als Schwung in die nächsten Spiele mitzunehmen.

Vor 13 Monaten spielte der FCL in der Barrage gegen Lugano um den Liga-Erhalt, jetzt ist Luzern Erster in der Super League. Diese Entwicklung kann sich sehen lassen.

Wie gesagt, dass wir jetzt auf Platz 1 stehen, hat für mich noch keinerlei Bedeutung. Trotzdem dürfen wir beim FC Luzern alle stolz auf das sein, was uns in diesem Jahr gelungen ist. Wir haben gut gearbeitet nach der Barrage und viel Dynamik reingebracht ins Team, in den Verein, in alles.

Haben Sie das Gefühl, dass Luzern näher an die grossen Teams wie YB oder Basel herankommen kann?

Das wird sich diese Saison zeigen. Der Vorteil von YB oder Basel ist weiterhin das breite Kader mit einer grossen Auswahl in jeder Reihe. Wir dagegen haben nach der Nummer 13 oder 14 fast nur noch junge Spieler, die wir bringen können.

Insbesondere in der Offensive ist der FCL aber ebenfalls sehr gut besetzt.

Wir haben ein grosses Offensivpotenzial, das aber auch Risiken mit sich bringt, wenn die Spieler vorne nicht nach hinten arbeiten. Deshalb müssen wir die richtige Mischung, ein Gleichgewicht finden. Ich spiele sehr gerne mit offensiv ausgerichteten Leuten. Das kann aber nur funktionieren, wenn diese sich auch defensiv engagieren. Das ist heute die Basis, um Erfolg zu haben. Ein Missverhältnis zwischen Offensive und Defensive wirkt sich schnell kontraproduktiv aus. Aus meiner Sicht wird für unser Abschneiden entscheidend sein, wie solid wir defensiv spielen werden.

Kann der FCL mit dieser starken Offensive überhaupt ein Gleichgewicht erreichen?

Wir haben diesbezüglich letzte Saison schon Fortschritte gemacht, als wir mit Hakan Yakin, Chiumiento und Ianu auch offensiv ausgerichtet waren.

Sie konnten mit einem bereits eingespielten Team in die Saison steigen. Ist das der grosse Vorteil des FC Luzern?

Vor allem vorne sind wir gut eingespielt, das stimmt. Bis auf Gygax waren alle schon letzte Saison dabei und er als Neuling kennt beispielsweise Hakan Yakin bereits sehr gut, sodass die Integration keine Probleme machte.

Die Aussichten beim FCL sind folglich vielversprechend, den nächsten Schritt nach vorne zu machen?

Ehrgeiz braucht es, aber gerade in einem Moment wie jetzt ist Bescheidenheit sehr wichtig. Unser erstes Ziel muss es sein, wieder so gut abzuschneiden wie letzte Saison, als am Schluss wirklich alles nach Wunsch aufgegangen ist.

Diesen starken Aufwind des FCL im Saisonfinish bekam ja auch YB schmerzhaft zu spüren.

Bei unserem 5:1-Sieg im letzten Duell im Mai ging für YB praktisch der Titel verloren. Das wird in Bern sicher noch in den Köpfen sein, YB hat mit uns noch eine Rechnung offen. Ich glaube aber, dass der Gegner mit einigem Respekt vor uns ins Spiel gehen wird, weil wir letzte Saison in Bern einmal punkten konnten und einmal nur knapp verloren haben.

Wie beurteilen Sie die Leistung von YB beim 1:1 in Thun?

Ich muss betonen, dass mir YB trotz des 1:1 gefallen hat. Als grosser Klub im Kanton war die Aufgabe im Derby nach dem frühen Gegentreffer sehr schwierig. Doch weil es in der Mannschaft stimmt, weil die Leidenschaft zu spüren war, hat sich YB den Punkt am Schluss verdient.

Ist der Kunstrasen in Bern überhaupt noch ein Nachteil für die YB-Gegner?

Es braucht noch immer 15 bis 20 Minuten, bis sich die Gegner in Bern an den künstlichen Rasen angepasst haben. Deshalb besitzt YB weiterhin einen kleinen Vorteil, auch wenn wir ebenfalls auf Kunstrasen trainiert haben. (Der Bund)

Erstellt: 23.07.2010, 09:18 Uhr

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1 Kommentar

Madeleine Grossmann

23.07.2010, 13:09 Uhr
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Journalismus der lustigsten Sorte, einfach unseriös. Die Situation vor 13 Monaten mit der Momentaufnahme nach einer Runde zu vergleichen. "Luzern ist Leader! Wahnsinn!" Wie gesagt: Es handelt sich um den Moment nach der ersten Runde, nach dem Heimspiel gegen einen Abstiegskandidaten. Antworten




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