Bern

Scott Sutter: «Ich wollte nichts mehr von Tottenham hören»

Von Peter Herzog. Aktualisiert am 09.08.2010

Der Engländer mit Schweizer Pass erlebt mit YB derzeit emotionale Tage.

Scott Sutter in Aktion.

Scott Sutter in Aktion.
Bild: Keystone

Am Freitag war Scott Sutter ein gefragter Mann. Als die Young Boys im Hauptsitz der Uefa in Nyon für das Playoff der Champions League Tottenham Hotspur zugelost bekamen, erinnerten sich in London einige Journalisten an den britisch-schweizerischen Fussballer.

«Der Pressechef bekam plötzlich Telefonanrufe von der Zeitung Sun, von Sky Sports und anderen, und ich musste ein paar Interview per Telefon geben.» Und Sutter vermutet, dass es am Montag mit Interviewanfragen von der Insel weiter geht. Er habe auch ein paar Mails von Kollegen aus London bekommen, die in englischen Zeitungen sein Bild im Dress der Young Boys sahen. Tottenham Hotspur, der Verein aus dem Norden von London, ist eine aufregende Sache für Scott Sutter. «Die Spurs sind mein Heimklub, ich hatte als Bub ein Saisonabonnement für die White Hart Lane.» Aber über das Wochenende habe «ich gar nichts mehr von Tottenham hören wollen, ich wollte mich auf das Spiel gegen GC konzentrieren. Und ich muss auch aufpassen, dass ich mich im Hinblick auf die Tottenham-Spiele nicht zu stark unter Druck setze.»

Mit 17 zu GC, dann zu YB

Gegen die Grasshoppers gelang Sutter, der vor einer Woche in Bellinzona von Trainer Vladimir Petkovic bereits nach 37 Minuten für David Degen ausgewechselt worden war, ein gutes Spiel. Gestern spielten beide, und Sutter sorgte mit Degen auf der Seite für einigen Druck. Und auch auf dem Letzigrund waren bei Sutter spezielle Emotionen im Spiel. Schliesslich war er während sieben Saisons ein «Hopper» gewesen. 2003 war er als 17-Jähriger von der Insel zu den Grasshoppers in die Nachwuchsabteilung gezogen. Den Kontakt hat sein Vater geknüpft, er ist ein Bekannter von Georges Perego, dem Geschäftsleiter Sport bei GC.

Und Sutter bekannte auch, «dass wir heute ein bisschen Glück hatten bei diesem 2:1.» Er spricht von einem sehr wichtigen Sieg, «wenn wir in einem Jahr zurückschauen, war das vielleicht einer der wichtigsten Siege dieser Saison.»

Eine überraschende Einschätzung, denn auch er weiss nicht, was die Zukunft bringt. Die Aussage macht deutlich, welche Erleichterung der erste Saisonsieg in der Meisterschaft für die Berner bedeutet. Nach den beiden überragenden Spielen in der Qualifikation der Champions League gegen Fenerbahçe sind diese drei Punkte erste Voraussetzung für eine ruhige Woche vor dem nächsten Heimspiel am Samstag gegen Xamax. «Wir hatten enorm Mühe ins Spiel zu kommen, GC hat uns Probleme aufgegeben und zum Glück seine Tormöglichkeiten vergeben», bekannte der YB-Allrounder.

Hitzfeld nicht mehr absagen

Und für Scott Sutter ist auch klar: Bekäme er jetzt eine Anfrage von Ottmar Hitzfeld, würde er nicht mehr nein sagen. Vor vier Jahren hatte er es noch abgelehnt, für eine Schweizer Auswahl zu spielen und träumte von England. «Als ich damals Nein sagte, war ich erst drei oder vier Jahre in der Schweiz. Jetzt lebe ich seit acht Jahren in diesem Land und ich bin dankbar gegenüber der Schweiz und beiden Klubs, GC und YB.» Bei GC sei er während zweier Jahre verletzt gewesen und man habe ihm jegliche Unterstützung gegeben. Schon damals habe er sich gesagt. «Wenn ich je nochmals die Chance bekomme, für die Schweiz zu spielen, werde ich sicher nicht mehr nein sagen.» (Der Bund)

Erstellt: 09.08.2010, 10:23 Uhr

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