Bern

Mitreski: «Sion ist anfällig in der Defensive»

Von Peter M. Birrer. Aktualisiert am 16.04.2010

Die Young Boys gastieren am Sonntag (15.30) beim heimstarken FC Sion. Aleksandar Mitreski (29) weiss, was auf die Berner im Tourbillon zukommt.

An Ostern endete für Aleksandar Mitreski sein Engagement beim FC Sion unerwartet früh. Der 29-jährige Mazedonier, gross geworden beim SC Ittigen und später Profi bei den Young Boys, wurde aus seinem bis 2011 befristeten Vertrag entlassen. Christian Constantin, Präsident und Regent im Wallis, begründete die Massnahme mit nächtlichen Casino-Besuchen.

Mitreski kehrte nach Bern zurück, wo seine Eltern leben. Und er wartet jetzt darauf, bis sich ein neuer Klub bei ihm meldet. Am Sonntag wird er vor dem Fernseher sitzen, wenn sich zwei seiner ehemaligen Vereine begegnen.

Aleksandar Mitreski, was erwartet die Young Boys in Sitten?
Der FC Sion ist eine gute Mannschaft, erst recht in der Euphorie. Sie verfügt über einige herausragende Individualisten wie Domoniguez, wie Mpenza, wie Obradovic, wie auch Yoda. Auf sie muss jeder Gegner aufpassen. Aber schlecht ist die herrschende Unruhe. Und ein frühes Gegentor kann erhebliche Auswirkungen haben: Die Organisation kommt schnell abhanden, jeder macht, was er will.

Als euphorisch gelten im Tourbillon auch die Zuschauer.
Ja, sie stehen geschlossen hinter der Mannschaft, wenn sie merken, dass der Wille vorhanden ist. Aber sie können auch ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen. Wenn es nicht läuft, zeigen sie das mit Pfiffen. Grundsätzlich ist es ein gutes Publikum. Die Stimmung ist durchaus vergleichbar mit der in St. Gallen oder in Basel.

Was spricht im Tourbillon für YB?
Wenn möglichst lange ein Gegentor vermieden werden kann, sehe ich gute Chancen. Der FC Sion ist anfällig in der Defensive. Zahlreiche individuelle Fehler haben total sicher zehn Punkte gekostet. Einem richtigen Spitzenteam passiert es normalerweise nicht, dass es Treffer sehr spät kassiert und deswegen Punkte verschenkt. Wären diese Defizite nicht, stünde Sion bestimmt weiter vorne, möglicherweise unter den ersten drei.

Behalten die Young Boys im Meisterrennen die Nerven?
Sie haben nach wie vor alles in den eigenen Füssen. Aber nach dem letzten Dienstag und der Niederlage gegen die Grasshoppers müssen sie sich steigern. Ich glaube, dass Basel gegenwärtig euphorischer ist. Ich sehe sie leicht in einem psychologischen Vorteil, weil sie die Spiele in Zürich und gegen St. Gallen gedreht haben und ihr Rückstand jetzt nur noch drei Punkte beträgt. Dass YB nervös ist, heisst es doch jedes Jahr. Ich sehe dafür allerdings noch keinen Grund. YB ist seit der dritten Runde an der Spitze und hat es sich über die letzten Monate betrachtet verdient, den Titel zu holen.

Wo sehen Sie Stolpersteine?
Ich frage mich einzig: Sind alle Spieler mit dem Kopf noch restlos bei der Sache?

Was meinen Sie damit konkret?
In Basel verlängern die Spieler ihre Verträge, in Bern verlassen die Spieler den Verein. Seydou Doumbia oder Gilles Yapi wissen, dass sie im Sommer nicht mehr bei YB sind. Ich weiss einfach nicht, ob sie nicht noch mehr Gas gegeben hätten, wenn ihre Zukunft nicht schon geklärt wäre oder sie wüssten, auch nächste Saison noch bei YB zu sein.

Für wen schlägt Ihr Herz am Sonntag?
Ich war bis vor kurzem zwar beim FC Sion, verbrachte aber elf Jahre bei den Young Boys. Ich wünsche der Stadt, dem Publikum und auch der Mannschaft den Meistertitel.

Was ist mit Sion?
Das ist ein abgeschlossenes Kapitel. Ich bin jetzt in Bern und halte mich mit einem Trainer fit. Mein Berater schaut sich nach einem neuen Verein für mich um.

Wann hatten Sie letztmals Kontakt mit Präsident Christian Constantin, der Sie entliess?
Als er mir den Brief in die Hand drückte, in dem er mir die Entlassung mitteilte. Es ist halt relativ schwierig in Sitten. Ich hatte mit Constantin stets ein ziemlich gutes Verhältnis. Ich glaube, dass er unter Druck handelte, als er mich entliess. Ich weiss bis jetzt nicht genau, warum er so handelte. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.

Hat Constantin Ihnen seit der Trennung noch einmal einen Lohn überwiesen?
Ich habe mich darum noch nicht gekümmert. Aber es würde mich ehrlich gesagt nicht besonders überraschen, wenn ich kein Geld bekäme. (Der Bund)

Erstellt: 16.04.2010, 12:00 Uhr

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