Bern

«Ich versuche, sauber von A nach B zu fahren – beim Rest halte ich mich raus»

Von Simon Wälti. Aktualisiert am 17.05.2010

Walter Staudenmann ist der Mann, der die YB-Fussballer hin zu den Auswärtsspielen und heil wieder zurück bringt.

Nach der Niederlage in Luzern seien die Spieler im Car sehr ruhig gewesen, sagt Walter Staudenmann. (Valérie Chételat)

Nach der Niederlage in Luzern seien die Spieler im Car sehr ruhig gewesen, sagt Walter Staudenmann. (Valérie Chételat)

Walter Staudenmann kutschiert eine spezielle Fracht durch die Schweiz: die Spieler des BSC Young Boys. «Es ist schon nicht alltäglich und auch eine Ehre, die YB-Stars zu fahren», sagt der 53-jährige Chauffeur und Fahrdienstleiter von Postauto. Der gelbe, mit den Konterfeis der Fussballer verzierte YB-Car gehört Postauto. Im Winter der Saison 2008/2009 übernahm die Postauto Schweiz AG den Transport der Fussballer, vorher war ein Postautounternehmer aus Zofingen mit der heiklen Mission betraut. Staudenmann meldete sich, als firmenintern Fahrer gesucht wurden. «Das kann man nur machen, wenn man sportinteressiert ist.» Die Fussballstars sind zwar ruhige und angenehme Fahrgäste, aber: «Es sind oft sehr lange Tage.»

Erst um zwei Uhr im Bett

Nach der herben 1:5-Niederlage im Spiel gegen Luzern am Donnerstag fuhr er die Spieler zurück ins Stade de Suisse. Es war stiller im Car als sonst: «Auf der Rückfahrt waren alle sehr ruhig. Man spürte die Enttäuschung», sagt Staudenmann. Dann gings alleine weiter nach Aeschi bei Spiez, wo der YB-Car garagiert ist. Dort musste er das Fahrzeug waschen, erst danach konnte er nach Schwarzenburg fahren, wo er wohnt. Es war halb drei Uhr in der Nacht, als er im Bett lag. «Man muss der Freude viel rechnen», sagt Staudenmann. «Denn bezahlt sind einfach achteinhalb Stunden.» Dafür sitzt Staudenmann jeweils im Hotel am selben Tisch wie Trainer Vladimir Petkovic. Obwohl Staudenmann ein grosser YB-Fan ist, hält er mit seiner Meinung zurück. «Ich würde es nie wagen, einen Ratschlag zu geben oder Kritik anzubringen.» Er gebe sich Mühe, diskret zu sein und nicht zu stören in dieser Welt, die ganz auf den Fussball ausgerichtet sei. «Ich versuche, sauber von A nach B zu fahren, beim Rest halte ich mich raus.»

«Kein Riesenluxusmodell»

Staudenmann ist im Moment der einzige YB-Chauffeur, Kollege Alex Braun ist wegen einer Hüftoperation «ausser Gefecht». Warum steht der YB-Car, ein Modell der niederländischen Firma Bova, eigentlich im Oberland und nicht in Bern? Da der Car Postauto gehört, kann er auch gemietet werden. Der Grund sei, dass der Car im Berner Oberland, nahe bei vielen touristischen Attraktionen, besser vermarktet werden könne, erklärt Staudenmann. Kommt es zu Terminkollisionen, so hat YB jedoch stets Priorität. «Es ist kein Riesenluxusmodell, sondern ein Standardmodell.» Immerhin gibt es zwei Kühlschränke, einen Mikrowellenherd und eine Videoanlage. Die Bestuhlung sei «normal». Das heisst, die Young Boys können sich nicht in teure Lederfauteuils fläzen, sondern nehmen auf stoffbespannten Sitzen Platz.

Ist er schon einmal ohne einen Spieler abgefahren? Nein, das sei noch nie vorgekommen, sagt Staudenmann. Die Spieler und die Trainer seien diszipliniert. «Der Zeitplan wird eingehalten.» Allerdings benötigen nicht alle Spieler gleich lange in der Garderobe. «Raimondi ist meistens der Erste, der im Bus Platz nimmt.» Bis dann aber nach einem Auswärtsspiel auch der letzte Spieler aus der Garderobe kommt, vergeht häufig noch eine Viertelstunde. «Dudar ist oft einer der Letzten.» Meistens ist es im Car recht ruhig, die Spieler hören Musik, spielen Games, unterhalten sich. «Nur wenn sie gewinnen, sind sie auf der Rückreise etwas lauter.»

Der Mann, der YB zum Titel fuhr?

Probleme gibt es manchmal mit den Fans gegnerischer Teams. «Der Car wurde schon mehrmals beschädigt», erzählt Staudenmann. In Zürich wurde eine Scheibe auf der Seite eingeschlagen. Das Hotel verfügte über keinen geschützten Platz für den Car. Dank Doppelverglasung konnte Staudenmann trotzdem fahren. Letztes Jahr wurde in Luzern ein Nummernschild gestohlen, und Unbekannte versprayten die Karosserie. Auch in Basel griffen in diesem Jahr Fans zur Spraydose.

Für diese Saison hat Staudenmann seinen Auftrag «sauber und unfallfrei» erledigt, nun hofft er wie viele andere auf die Krönung. Am Sonntagnachmittag bei der «Finalissima» gegen Basel wird Staudenmann im Stadion sein und mit der Mannschaft mitfiebern. Der YB-Chauffeur bleibt trotz dem schwachen Auftritt in Luzern zuversichtlich: «Passiert ist passiert. Die Spieler werden jetzt erst recht zeigen wollen, was sie können.» Falls es wirklich klappt mit dem Meistertitel, dann wäre Staudenmann nicht einfach der Chauffeur, der YB sicher und wohlbehalten nach Zürich, Luzern, Basel, Sitten und zurück brachte, sondern «der Mann, der YB zum Titel fuhr». (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2010, 10:02 Uhr


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