Bern

Ganz knapp an Blamage vorbeigeschrammt

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 19.07.2010 2 Kommentare

Henri Bienvenu gelang gegen den Aufsteiger Thun in der Nachspielzeit das 1:1. YB steht noch mitten in der Selbstfindungsphase.

Henri Bienvenu hebt in der 94. Minute ab: Mit seinem späten Treffer zum 1:1 rettete er YB vor einem Fehlstart im Berner Derby in Thun.

Henri Bienvenu hebt in der 94. Minute ab: Mit seinem späten Treffer zum 1:1 rettete er YB vor einem Fehlstart im Berner Derby in Thun.
Bild: Keystone

Schlechter hätte Roman Bürkis Einstand in der Super League nicht sein können. Die erste Minute war noch nicht um, als die erste Flanke in den YB-Strafraum hineinflog: Und was machte der junge Goalie beim Versuch, sich den Ball zu krallen? Er prallte in der Luft mit Dudar zusammen und liess das Leder fallen. Lachender Dritter war Proschwitz, der keine Mühe hatte, das am Boden liegende Streitobjekt im Tor unterzubringen. Bürki mochte sich nach seinem Debüt in der obersten Liga gar nicht erst herausreden. «Ich habe wohl die falsche Entscheidung getroffen», sagte der 19-jährige Münsinger selbstkritisch. Immerhin habe ihn der Lapsus nicht komplett aus dem Konzept geworfen, da er mit seinem Mentaltrainer vergleichbare Situationen schon durchgespielt habe. Bürki bekam in der Folge keine Gelegenheit mehr, die Scharte auszuwetzen. Die Thuner blieben zwar nach dem optimalen Start am Drücker, doch vor dem gegnerischen Tor waren sie keine Helden. Ihre Schüsse flogen über oder am Gehäuse vorbei. Am nächsten waren die Platzherren dem 2:0 kurz nach der Pause, als der durchgebrochene Glarner den Ball knapp am weiten Pfosten vorbeischoss.

Déjà-vu bei YB

Und YB? Das frühe Gegentor versetzte den Vizemeister in eine Art Schockzustand. Etwas überspitzt gesagt fuhr er dort fort, wo er letzte Saison gegen Basel aufgehört hatte. Er spielte ohne grosse Überzeugung, ohne Tempowechsel, zu wenig aggressiv, zu durchsichtig und kompliziert. Den Neuverpflichtungen Costanzo, Lulic und Jemal gelang es nicht, die mental blockierten Kollegen aus dem Strudel zu ziehen. Costanzo deutete wohl in einigen Situationen an, dass er Spielmacherqualitäten hat, doch er war noch weit davon entfernt, im zentralen Mittelfeld grossen Einfluss zu nehmen. «Es war kein Superspiel von mir», sagte der Ostschweizer nach seinem ersten Meisterschaftsspiel für YB. Einen noch schlechteren Abend zog Lulic ein, dem fast alles misslang, was er anpackte. Der Bosnier war in prominenter Begleitung. David Degen brachte in seinem ersten Match als Captain kaum eine vernünftige Aktion zustande. Doubai war im Zentrum zögerlich und langsam, Sutter hatte auf der rechten Seite null Einfluss auf das Spiel. Den Gegner unter Druck setzen konnte YB erst in der Schlussphase, als man zum rustikalen Mittel der hohe Flanke griff. Die ermüdeten Thuner, die über eine Stunde lang enorm viel gelaufen und generös gekämpft hatten, kamen ins Wanken. Mehrere Abschlussversuche der Gäste konnten sie noch blockieren oder in Corner abwehren. Die letzte Rettungsaktion in der 94. Minute brachte sie schliesslich um die Früchte ihrer Anstrengungen. Bienvenu reagierte nach einer Cornerverlängerung am schnellsten und schoss den Ball aus wenigen Metern ins Netz. Der Spezialist für «Last Minute»-Tore (im Frühling hatte er gegen Zürich und St. Gallen ebenfalls in der Nachspielzeit getroffen) sprintete nach dem Ausgleich in rekordverdächtigem Tempo zur Auswechselbank, um seinem Trainer um den Hals zu fallen. Petkovic erklärte kurze Zeit später an der Pressekonferenz, Bienvenu habe ihn derart geherzt, um sein weisses Hemd schmutzig und schweissig zu machen. Solche lockeren Sprüche ist man sich vom gestrengen Petkovic nicht gewohnt.

Wie auch immer: Der späte Ausgleich stimmte den schweizerisch-kroatischen Doppelbürger recht milde, und er mochte nicht pauschal von einer schlechten Leistung sprechen. Dass er nicht mit allen Akteuren zufrieden war, verheimlichte er aber nicht: «Von einzelnen Spielern habe ich mehr erwartet.» Danach bemühte er sich wieder, das Positive hervorzustreichen. Der etwas glücklich erkämpfte Punkt in letzter Sekunde könne für die Moral sehr wichtig sein. (Der Bund)

Erstellt: 19.07.2010, 09:15 Uhr

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2 Kommentare

Tom Beutler

19.07.2010, 09:31 Uhr
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YB hat wirklich nicht gut gespielt, die Mannschaft hatte aber auch Pech. Das aberkannte Tor von Dudar und das Bienvenu als er solo auf den Thuner Goalie losziehen konnte zu Unrecht wegen Offsides zurückgepfiffen wurde. Zudem hätte sich der Thuner, der in der 5 Minute mit gestrecktem Bein Jemal angeht nicht beklagen können, wenn er eine rote Karte gekriegt hätte. So oder so YB muss besser werden. Antworten


Dieter Brülhart

19.07.2010, 09:42 Uhr
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Wenn YB spielt, da kann man zittern bis zum Schluss, zum Goal kommts mit dem letzten Schuss. Dem Aufsteiger mühsam 2 Punkte abgeknöpft, mein YB-Fan Herz schon beim ersten Spiel total erschöpft..... Diese Mannschaft kann doch hoffentlich mehr, nicht,dass jetzt schon Flasche leer...... Antworten




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