Die vielen offenen Fragen von Christoph Spycher
Von Peter M. Birrer . Aktualisiert am 23.04.2010 4 Kommentare
Es passierte am 9. April, in Christoph Spychers 129. Bundesligaeinsatz für Frankfurt. Der Schweizer zog sich in Mönchengladbach einen Innenbandanriss zu und ahnte sofort, welche Konsequenzen der Unfall haben würde: vorzeitiges Saisonende für den Captain der Eintracht. Und die bange Frage: Reicht es für die WM in Südafrika?
Spycher begann umgehend mit dem mühsamen Reha-Training. Parallel liefen und laufen die Gespräche, wie seine Zukunft ab Sommer aussehen soll. Die Frankfurter, für die der Berner seit 2005 auf der linken Seite mit beeindruckender Zuverlässigkeit verteidigt, offerieren Spycher eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Vor allem Trainer Michael Skibbe spricht sich weiterhin mit Nachdruck dafür aus, dass der Defensivspezialist auch nächste Saison sein verlängerter Arm auf dem Platz bleibt. Das erste Angebot der Eintracht weist aber Lücken auf. Spycher ist damit nicht einverstanden, und doch hat er deswegen die Gespräche mit den Verantwortlichen nicht abgebrochen. Gleichzeitig haben die Young Boys ihr konkretes Interesse angemeldet. In der Heimat bekäme der 32-Jährige einen Mehrjahresvertrag.
Was tun also? «Frankfurt und YB sind Vereine mit einer sehr guten Entwicklung», sagt Spycher. Die Bundesliga bleibt also eine Option, die Rückkehr in die Schweiz hat ebenfalls ihren Reiz. Der Familienmensch, aufgewachsen in Bern, würde im Stade de Suisse mit offenen Armen empfangen. YB ist für Spycher auch erste Wahl in der Super League, weil er mit seiner Familie nach Ende seiner Karriere in Bern sesshaft werden möchte: «Das hat in erster Linie mit der Lebensqualität zu tun. In Bern leben unsere Familien und Freunde.»
Reha-Training für die WM
Neben der Frage nach dem künftigen Arbeitgeber steht eine zweite Entscheidung von Bedeutung an - ob Spycher den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt und mit der Nationalmannschaft an die WM nach Südafrika fliegt. Er steht in Kontakt mit Coach Ottmar Hitzfeld und hat sich mit ihm darauf verständigt, dass eine Selektion nur Sinn macht, wenn auch der Fitnesszustand entsprechend ist. «Zu Beginn der WM-Vorbereitung nur halbwegs gesund zu sein, das genügt nicht», sagt Spycher, der es in seiner Karriere bislang auf 47 Länderspiele gebracht und drei grosse Turniere erlebt hat. «Natürlich wäre ich gern an der WM dabei und unternehme alles. Die Reha-Einheiten machen zwar wenig Spass, aber ich glaube an eine Chance.» Allerdings weiss er auch: «Am Ende braucht es einen nüchternen Entscheid. Es bringt nichts, irgendetwas zu erzwingen.»
Entspannter Captain a. D.
Wenigstens braucht sich Spycher keine Gedanken darüber zu machen, wie die Saison in der Bundesliga endet. Wenn die Frankfurter am 32. Spieltag der Bundesliga im Derby auf Mainz treffen, kann der Captain a. D. entspannt zuschauen wie auch in den danach verbleibenden zwei Partien. Die Eintracht hat sich sehr früh aller Abstiegssorgen entledigt und sich eine stressfreie Saison beschert. Spycher hat am Main schon ganz andere Zeiten erlebt. (Der Bund)
Erstellt: 23.04.2010, 13:18 Uhr
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4 Kommentare
Ich persönlich würde Spycher nicht verpflichten. Einem 32-jährigen Spieler einen Mehrjahresvertrag zu unterbreiten finde ich zu riskant. Magnin FCZ (ex Stuttgart) lässt grüssen. Zudem verfügt YB mit Affolter über einen jungen und talentierten Linksverteidiger. Auf der rechten Abwehrseite hat YB grössere Probleme. Mardassi und Lingani sind nicht die erwünschten Verstärkungen. Antworten
@Paul Wenger: Ich würde Magnin nicht mit Spycher vergleichen wollen. Für mich ist Spycher ein sensationeller schweizer Fussballer, einsatzfreudig, kämpferisch, akzeptiert Entscheidungen des Ref, Motivator, lange Captain in der Bundeslige, mag 90min galoppieren! Für YB wie für den schweizer Fussball wäre Spycher sicherlich eine Bereicherung!!! Antworten
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