Bern

Die Scharte von Zürich auswetzen

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 19.04.2010

YB will sich morgen in Sitten für den schlechten Auftritt gegen GC rehabilitieren. In solch heiklen Momenten zeige sich, ob eine Mannschaft Charakter habe oder nicht, sagt François Affolter.

Erst 19-jährig, aber schon mit sehr viel Selbstvertrauen am Werk: YB-Verteidiger François Affolter. (Andreas Blatter)

Erst 19-jährig, aber schon mit sehr viel Selbstvertrauen am Werk: YB-Verteidiger François Affolter. (Andreas Blatter)

François Affolter funktioniert, wie Spitzensportler funktionieren, die gerade eine schlechte Erfahrung hinter sich haben: Er blickt lieber vorwärts als rückwärts. Die unmittelbare Zukunft heisst Stade de Tourbillon, wo YB morgen Nachmittag gegen den FC Sion antritt. «Sion ist ein starker Gegner, gegen den wir sehr konzentriert sein müssen», diktiert Affolter. Und: «Wir wissen, dass von uns eine Reaktion erwartet wird und wir deutlich besser spielen müssen als gegen GC.» Womit die Verbindung zur jüngsten Vergangenheit bereits hergestellt ist. So schlecht wie schon lange nicht mehr seien sie im Letzigrund aufgetreten, sagt der junge Verteidiger. Wieso ihnen die Grasshoppers-Spieler teilweise in schier beängstigender Weise um die Ohren liefen, kann sich Affolter nicht schlüssig erklären. Sie hätten eben einen «jour sans» eingezogen, so der französisch sprechende Bieler. Dieser Meinung ist auch Trainer Vladimir Petkovic, der seine Akteure diese Woche daran erinnerte, dass sie bisher noch nach jeder Pleite sofort eine passende Antwort parat hatten. Diese hiess jeweils: keine zweite Niederlage in Folge. Eine solche würde das Nervenkostüm der Berner vor allem dann strapazieren, sollte der FC Basel gleichzeitig zu Hause Luzern besiegen.

«Ich weiss, was ich kann»

François Affolter mag sich nicht mit den schlechtesten aller möglichen Szenarien auseinandersetzen - zumindest nicht öffentlich. Sie gingen nach Sitten, um zu gewinnen, sagt der 19-jährige Seeländer. Weil Emiliano Dudar seine zweite von drei Spielsperren absitzen muss, rückt Affolter wieder ins Abwehrzentrum. Dass er in dieser wichtigen Begegnung wieder die Chefrolle übernehmen muss, scheint ihn nicht im geringsten zu stressen. «Ich weiss, was ich kann», sagt er. An Selbstvertrauen fehlt es dem äusserst ruhigen Verteidiger nicht. Dieses hat er mit regelmässigen Einsätzen in dieser und in der vergangenen Saison geholt. Petkovic holte den damals 17½-Jährigen im Herbst 2008 in die erste Mannschaft. Mit seiner Zweikampfstärke und Robustheit, dem guten Kopfballspiel und dem Auge für den sauberen ersten Pass entspricht er dem Anforderungsprofil, das der schweizerisch-kroatische Doppelbürger für den Wunschverteidiger erstellt hat. Petkovic sagt, Affolter sei für sein Alter schon sehr weit - nichtohne anzufügen, «dass er überall noch Steigerungspotenzial besitzt».

Kein «Partytiger»

Verglichen mit extrovertierten Typen wie Seydou Doumbia, David Degen und Paolo Collaviti wirkt der scheue und sehr zurückhaltende François Affolter wie ein Eisblock. Er sei einer, der zuerst einmal beobachte und zuhöre, bevor er etwas sage, so Affolter. «Was aber nicht heisst, dass ich es nicht gerne lustig habe oder auch mal Schabernack treibe.» Dass der YB-Verteidiger kein Kind von Traurigkeit ist, zeigte sich Ende Februar nach dem Last-Minute-Sieg gegen den FC Zürich. Zusammen mit einigen Teamkollegen genehmigte er sich in einem In-Lokal in der Berner Altstadt ein paar Bierchen. Leicht beschwipst griff er einem weiblichen DJ an den Hintern, was diese mit einer Ohrfeige quittierte. Affolter mag heute nicht mehr viele Worte über diesen Zwischenfall verlieren: Er habe einen Fehler gemacht und sich dafür entschuldigt.

Wer François Affolter zuhört, merkt bald einmal, dass er kein «Partytiger» ist. Seine Freizeit verbringt er am liebsten zu Hause in seiner ersten eigenen Wohnung in Ostermundigen. Wenn er einmal mittags oder abends in Bern in der Stadt unterwegs ist, dann meistens zusammen mit Alberto Regazzoni, seinem besten Kumpel bei den Young Boys. Und wenn es die Zeit und der dicht gedrängte Fussball-Kalender erlauben, trifft er sich auch einmal in Biel mit alten Kollegen. (Der Bund)

Erstellt: 19.04.2010, 13:54 Uhr


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