Die Erwartungen an die neue Nummer 10
Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 26.07.2010
Die Premiere in die neue Saison ist YB vor Wochenfrist nicht wunschgemäss geglückt, obwohl der Vizemeister in der Nachspielzeit den grössten Schaden abwenden konnte im Berner Derby. Vieles blieb beim schmeichelhaften 1:1 gegen den FC Thun Stückwerk. Es zeigte sich, dass der Integrationsprozess der zahlreichen neuen Spieler noch längst nicht abgeschlossen ist. Angesichts der verschiedenen kleineren und grösseren «Baustellen» kam der sportlichen Führung die Teilnahme am Uhrencup sehr gelegen (siehe unten). Trainer Vladimir Petkovic nutzte den Halbfinal gegen Deportivo La Coruña, um diverse Umstellungen vorzunehmen. Rochaden gab es vorab im Mittelfeld. So übernahm Spycher die zentrale Position von Thierry Doubai und lief Hochstrasser anstelle von Costanzo auf. Spycher hinterliess bei seinem Debüt einen guten Eindruck, und es würde nicht erstaunen, wenn der Ex-Internationale heute (17.45, Stade de Suisse) gegen Luzern von Beginn weg auf der gleichen Position spielte. Offen ist, ob ihm dabei Thierry Doubai oder Costanzo – beide überzeugten im Startspiel nicht – sekundieren wird.
Die leicht besseren Chancen dürfte Moreno Costanzo haben, da er offensiv gefährlicher ist als der junge Ivorer. Der 22-jährige übte nach dem Auftaktmatch Selbstkritik. Gleichzeitig bat er um etwas Geduld. «Es ist noch alles neu für mich», sagte er. Der Ostschweizer hat erstmals in seinem Leben sein vertrautes Umfeld im Grossraum St. Gallen verlassen. Familie, Freundin, Freunde und Kollegen sind zwei Autostunden weg von seinem neuen Wohnort und Arbeitsplatz. Daran musste sich der italienisch-schweizerische Doppelbürger zuerst gewöhnen. Seitdem er in Gümligen eine eigene Wohnung bezogen hat, fühlt er sich in seiner neuen Heimat «ein ganzes Stück wohler».
Costanzo liegt es fern, in Selbstmitleid zu verfallen. Es sei richtig gewesen, einen Schritt vorwärts zu gehen, sagt er. Bei St. Gallen war er nach zwei starken Saisons (je 14 Tore in der Challenge und in der Super League) der Lokalheld gewesen. Sein Leistungsausweis trug ihm mehrere Angebote aus dem In- und Ausland ein. Für YB entschied er sich schliesslich, «weil sich der Klub am längsten um mich bemühte». Nach Deutschland oder Italien, wo Costanzo mehr hätte verdienen konnte, mochte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht gehen. «Das wäre definitiv noch zu früh gewesen.»
Ein Millionentransfer
Für die Verpflichtung von Costanzo, dessen Vertrag bei St. Gallen noch ein Jahr weitergelaufen wäre, waren die Berner bereit, tief in die Tasche zu greifen. 1,5 Millionen Franken überwiesen sie schliesslich an den finanziell klammen FC St. Gallen. Noch nie zuvor hat YB für einen jungen Spieler aus der einheimischen Liga so viel Geld ausgegeben. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die Klubführung und Fans an Costanzo haben: Er soll möglichst viele Tore schiessen, entscheidende Pässe spielen und gefährliche stehende Bälle treten. Man darf gespannt sein, wie die neue Nummer 10 mit dem nicht geringen Druck umzugehen vermag, der auf ihm lastet.
Hinweis: Heute wird das YB-Museum wieder eröffnet. Um 16 Uhr steht vor dem Spiel gegen Luzern ein Apéro auf dem Programm – mit 80 geladenen Gästen, darunter Ex-YB-Spieler wie Chapuisat, Schneiter, Lunde, Weber, Wittwer, Eich und Kudi Müller. (Der Bund)
Erstellt: 26.07.2010, 14:23 Uhr
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