Bern

Der nächste Angriff auf einen Titel

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 15.07.2010

Die Young Boys halten unbeirrt an ihrer Zielsetzung fest. Sie wollen nächste Saison zumindest einen Pokal in die Höhe stemmen.

1/32 Das YB-Kader der Saison 2010/11
Das YB-Mannschaftsbild.
Bild: Valérie Chételat

   

Das Stadion ist der Star

Die Behauptung ist weder gewagt noch verwegen. Ohne die vielfältigen wirtschaftlichen Möglichkeiten, welche das Stade de Suisse Wankdorf bietet, wäre YB nicht innert Kürze zur Nummer zwei der helvetischen Fussballszene aufgestiegen.

Das multifunktional genutzte Stadion ist zu einer äusserst beliebten Adresse für Veranstaltungen aller Art geworden. Konzerte, Kongresse, Schulungen, Tagungen, Firmenanlässe, Führungen, Gottesdienste und anderes mehr sind seit der Eröffnung Ende Juli 2005 abgehalten worden. Allein letztes Jahr haben laut den Stadionbetreibern über 900 Anlässe stattgefunden, die von 80?000 Personen besucht wurden.

Noch beeindruckender wirkt die Zahl, wenn die Besucher der YB-Heimspiele (Saison 2009/10: 350?000 Zuschauer) und der beiden Konzerte von AC/DC und Pink (total 75?000 Zuschauer) hinzugerechnet werden. Die vielen Veranstaltungen neben den Fussballspielen sorgen für einen beträchtlichen Umsatz. Die Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion (SdS) AG, die 110 Personen beschäftigt, wies im letzten Rechnungsjahr einen Umsatz von 38 Millionen Franken aus. «Wir sind kontinuierlich gewachsen», sagte Betriebsleiter Stefan Niedermaier gestern vor den Medien. Es sei «viel Schweiss und Herzblut» geflossen in den ersten fünf Jahren. Der Lohn sei ein Stadion, welches sich in der Schweiz etabliert habe, und ein Verein, der weit über Bern hinaus Freude bereite. (ruk)

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Auf mehreren Bildschirmen werden Bilder von Seydou Doumbias erfolgreichen Torschüssen eingeblendet. Dann ertönt aus den Lautsprechern die Stimme des Berner Schriftstellers und Fussballfans Pedro Lenz, der YB und seinen Fans Trost spendet nach dem verpassten Meistertitel in der Finalissima. «YB isch Zwöit u fasch Meischter. Das tuet weh bis zinnerscht iche (...) Nächscht Saison si mir no heisser.» Die jüngste Vergangenheit mit dem Absturz in den beiden letzten Meisterschaftsspielen gegen Luzern (1:5) und Basel (0:2) ist plötzlich wieder ganz nahe, drei Tage vor dem Start in die neue Saison. Die letzte Spielzeit sei «gut bis sehr gut» gewesen, doch «wir haben unsere Ziele nicht erreicht», blickt Sportchef Alain Baumann bei einer Medienorientierung im Stade de Suisse zurück. Nach dem Scheitern habe man eine umfassende Analyse der harzig verlaufenen zweiten Meisterschaftshälfte gemacht. Die Gründe für das Scheitern auf der Zielgerade sind laut Baumann vielfältig: die schwere Verletzung von Marco Schneuwly im Spätherbst, der «französische Abgang» von Saif Ghezal unmittelbar vor der Winterpause, die frühzeitig feststehenden Abgänge von Seydou Doumbia (ZSKA Moskau) und Gilles Yapi (FC Basel), die vor dem Rückrundenstart etlichen Staub aufwirbelten, die mangelnde Qualität in der Breite und die Defizite im mentalen Bereich.

Die beiden letztgenannten Punkte haben beim Zusammenstellen des aktuellen Kaders einen beträchtlichen Einfluss gehabt. Chefscout Stéphane Chapuisat hielt nach Leaderfiguren und charakterlich einwandfreien Typen Ausschau, die vielseitig einsetzbar sind. Fündig geworden ist der Ex-Nationalspieler in Frankfurt, wo Christoph Spycher in den letzten vier Jahren sein Geld verdiente, bei St. Gallen (Moreno Costanzo), Maccabi Tel Aviv (Emmanuel Mayuka), Etoile Sportive du Sahel (Ammar Jemal) und beim Grasshopper-Club Zürich (Senad Lulic). Neu zu den Bernern gestossen sind zudem Thierry Doubais Bruder Pascal (bisher Athletic Adjamé), Roman Bürki (zurück von Schaffhausen), Dario Dussin (ausgeliehen an Biel), Sven Zimmermann (vom eigenen Nachwuchs).

YB fährt auf drei Strassen

«Ich glaube, wir haben gute Transfers gemacht», sagt Chapuisat. Stadionchef Stefan Niedermaier geht noch einen Schritt weiter: Das jetzige Team sei nicht nur teurer als das letztjährige, sondern auch besser. Deshalb sieht er auch keinen Anlass, die Zielsetzungen zurückzuschrauben. «Wir wollen besser sein als in der letzten Saison und national um einen Titel mitspielen», sagt er. Trainer Vladimir Petkovic verwendet ein anderes Sprachbild. Er redet von drei Strassen, «auf denen wir uns bewegen». Zumindest eine der drei soll nächste Saison ins Glück führen. Jene auf europäischer Ebene wird es mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht sein, denn allein schon das Anfangsstück, die 3. Runde der Champions-League-Qualifikation mit den möglichen Gegnern Ajax, Braga, Fenerbahce, Dynamo Kiew oder Zenit St. Petersburg, ist unerhört ruppig.

Neu drei Captains

Petkovic, unter dem YB in der letzten Spielzeit beachtliche 2,13 Punkte pro Match holte, will weiterhin einen attraktiven Fussball spielen lassen. Ob er den Erfolg nach wie vor fast ausschliesslich mit dem von ihm favorisierten, aber viel kritisierten 3-4-3-System anstreben will, lässt er offen. In der Vorbereitung hat der schweizerisch-kroatische Doppelbürger verschiedene Systeme getestet.

Klarheit herrscht in der Captainfrage: Petkovic hat gleich drei Spielern die Verantwortung übertragen. Captain Nummer eins bleibt Torhüter Marco Wölfli, die Nummer zwei ist Neuzugang Christoph Spycher, die Nummer drei der Basler David Degen. Bestimmt ist auch der Spielerrat. Er wird gebildet von Marco Wölfli, Emiliano Dudar, Christoph Spycher, David Degen und Mario Raimondi.

(Der Bund)

Erstellt: 15.07.2010, 10:07 Uhr

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