Bern

Der FCB spielt mit YB Katz und Maus

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 17.05.2010 7 Kommentare

Die Berner Young Boys hatten gegen den neuen Schweizer Meister Basel keine Chance und verloren 0:2. Sie konnten nicht kaschieren, dass sie längst nicht mehr in der Form des letzten Herbstes sind.

1/9 YBs Niederlage
Am Boden: Seydou Doumbia nach seinem letzten Spiel für YB.
Bild: Reuters

   

Super League

36. Runde

23.05.Basel - Young Boys1 : 2
23.05.Lausanne - Grasshoppers2 : 1
23.05.Sion - Luzern1 : 3
23.05.Thun - FC Zürich2 : 4
Stand: 23.05.2012 22:10

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel34228478:3374
2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

Die Vorfreude auf das Gipfeltreffen der zwei momentan stärksten Mannschaften in der Schweiz war gross. Bereits zwei Stunden vor dem Match bewegte sich ein Tross von Menschen, die meisten mit gelbschwarzen Schals bekleidet, Richtung Nordquartier. Alle wollten sie sich auf die Finalissima einstimmen. Und alle hofften sie auf ein Happy-End für ihre Lieblinge, die ihnen in dieser Saison soviel Freude gemacht hatten wie schon lange nicht mehr.

Manch einer der erwartungsfrohen Fans dürfte sich, als das Spiel endlich begonnen hatte, im falschen Film gewähnt haben. Denn die Musik machten nicht die einheimischen Young Boys, sondern die Gäste aus Basel. Diese froren das Spiel richtiggehend ein und erstickten schon früh die Emotionen. Angeführt vom überragenden Benjamin Huggel kontrollierten die Basler Raum und Gegner. Im Vergleich zum robusten Nationalspieler sahen Xavier Hochstrasser und Thierry Doubai wie Lehrlinge aus.

Matchwinner Stocker

Dank einer ausgezeichneten Raumaufteilung gelang es dem FCB, die Angriffsbemühungen von YB meist schon im Ansatz zu ersticken. Es dauerte bis zur 44. Minute, bis die Platzherren erstmals gefährlich auf Costanzos Tor schiessen konnten. Regazzoni schoss jedoch knapp am Ziel vorbei. Zu diesem Zeitpunkt lag die Mannschaft von Thorsten Fink bereits 1:0 vorne. In der 39. Minute hatte sie nach dem ersten YB-Corner einen mustergültigen Konter lanciert. Via Zoua und Carlitos gelangte der Ball zu Stocker, der den zögerlich hinauslaufenden Wölfli überlobte. Es war der erste Stich ins Herz der Gastgeber und deren Fans.

Den zweiten Stich versetzten die ausgesprochen abgebrüht und ruhig spielenden Baslern den Bernern nach Ablauf einer Stunde. Wieder war der starke Stocker massgeblich an der Aktion beteiligt. Chipperfield hatte keine Probleme, seine Flanke aus wenigen Metern ins Netz zu köpfeln.

Doumbia nicht fit

Spätestens jetzt war klar, dass es nichts würde mit einer Freinacht in der Hauptstadt. Drei Viertel der über 30 000 Zuschauer im Wankdorf verstummten. Es war, als habe jemand den Strom abgestellt. Lärm machte fortan fast nur noch der Basler Anhang. «Mir wärde hie Schwizer Meister», hallte es schon weit vor Matchende aus der Gäste-Kurve. Wer hätte dem widersprechen wollen angesichts des ungleichen Kräftemessens.

Die Luft war draussen – wohl auch bei YB-Trainer Vladimir Petkovic. Denn seine Wechselspiele machten wenig Sinn. Zuerst brachte er Raimondi für den wie immer äusserst fleissigen Regazzoni und beorderte Degen in die Sturmspitze. Den gleichen Degen holte er zehn Minuten später vom Feld und liess Christian Schneuwly stürmen. Der Trainer schien wie schon am letzten Donnerstag gegen den FC Luzern nicht den besten Tag erwischt zu haben. Damals tauschte er nach knapp 60 Minuten drei Mittelfeldspieler aus. Der unter Adduktorenschmerzen leidende Doumbia hingegen musste 90 Minuten durchbeissen. Folge: Der Ivorer konnte nur noch reduziert trainieren und ging angeschlagen in die Finalissima. Dass er nicht fit war, wurde spätestens bei einem Spurt Mitte der zweiten Halbzeit sichtbar. Der 22-jährige, leichtfüssig und schnell wie eine Gazelle, rannte mit eckigen Bewegungen einem Ball nach.

Bodenlose Enttäuschung

Als das Leiden für Fans und Spieler endlich ein Ende hatte, sackten einige der Verlierer zu Boden und blieben minutenlang liegen. Andere blickten mit leerem Gesicht irgendwo in die Zuschauerränge. Goalietrainer Peter Kobel und Materialwart Heinz Minder versuchten sich in einem Moment, wo es keinen Trost geben konnte, als Trostspender. Vladimir Petkovic begab sich von Spieler zu Spieler und schüttelte ihm die Hand. Auch diese Geste dürfte von den Verlierern kaum registriert worden sein. Ganz anders die Gefühlslage bei den Siegern. Die Basler hüpften aufgedreht bis überdreht vor dem Sektor ihrer treuen Anhänger herum. Alle trugen sie ein rotes T-Shirt mit dem Aufdruck «Schweizer Meister 2010». Einige Minuten später durften sie oben auf der Haupttribüne den Meisterpokal in Empfang nehmen. Als sie den begehrten «Kübel» in die Höhe hoben, war das Stade de Suisse bereits halbleer. Die Berner Zuschauer mochten wie die YB-Spieler nicht mitansehen, wie der Erzrivale aus dem Dreiländereck stolz die begehrte Trophäe präsentierte.

Tschäppät gratuliert dem FCB

Als rote und blaue Papierschnitzel auf den Kunstrasen hinunterregneten, blickte Alexander Tschäppät einen Moment konsterniert auf. Der Stadtpräsident gab auf der Plastikunterlage diversen Fernsehstationen Auskunft. Sehr enttäuscht sei er vom Auftritt der eigenen Equipe , sagte der bekennende YB-Fan. Um dann gleich sportlich und fair auf die Überlegenheit des Gegners aus Basel anzuerkennen. «Gratulation an die Basler. Sie haben diesen Titel verdient. Sie waren heute viel besser als die Young Boys.» (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2010, 06:44 Uhr

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7 Kommentare

Markus Heiniger

17.05.2010, 09:13 Uhr
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Es muss für YB gewesen sein, als wäre Cancellara im Velodrom von Roubaix nach einer 100km-Soloflucht auf der Ziellinie noch übersprintet worden. Aber ich weiss nicht, ob ich als Basler diesen Vergleich richtig ziehe. Denn wir haben am Rheinknie leider keinen Cancellara. Aber wir haben den FCB. Antworten


Marco Belissimo

17.05.2010, 09:51 Uhr
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Die Führungsetage muss sich fragen weshalb Ghezal abhaute. Yapi hat mit seinem Wechsel zum direkten Konkurrenten viel Unruhe ausgelöst. Mit Spycher muss der Trainer von seinem 3-4-3-System abweichen, was evtl. sinnvoll wäre. Dies plus mehrere Transfers (u. Dudar nicht ziehen lassen) fordere ich nun von der Führungsetage! Antworten




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