Dank Blitzstart und GC wieder Leader
Es war ein Wochenende, an dem die beiden grossen Berner Sportvereine ein Ausrufezeichen setzten. Am Samstagabend jubelten in der Postfinance-Arena über 17 000 Zuschauer dem SCB zu, der zum 12. Mal in seiner Klubgeschichte Schweizer Meister wurde. Tags darauf wurden im Wankdorfstadion über 24 000 Fussballfans Zeuge, wie die Berner Young Boys Xamax Neuenburg 4:1 bezwangen und dank Schützenhilfe aus Zürich wieder an die Tabellenspitze zurückkehrten.
Der Triumph der Eishockeyaner schien die in unmittelbarer Nachbarschaft beheimateten Fussballer anfangs zu beflügeln. In ganz besonderem Mass galt das für David Degen. Wie der Basler in der 12. Minute in der eigenen Hälfte lossprintete und sich durch nichts und niemanden aufhalten liess, war beeindruckend. Doumbia vollendete die formidable Vorarbeit seines Kollegen mit dem 1:0. Zu 99 Prozent gehöre dieses Tor David Degen, hielt Assistenztrainer Erminio Piserchia in seiner Matchanalyse fest. Der überaus ehrgeizige, erfrischend offene und manchmal auch etwas vorlaute Degen zündete in der Anfangsphase noch eine zweite Rakete. Diesmal landete seine Flanke auf dem Kopf von Bienvenu, der zu Doumbia weiterlenkte: Es stand 2:0. Nicht einmal 20 Minuten hatte YB gebraucht, um seinen Anhang, der nach zwei Auswärtsniederlagen bereits wieder arg ins Grübeln gekommen war, fürs Erste zu versöhnen. Glücklich waren die YB-Fans spätestens nach 70 Minuten, als Hochstrasser YB 4:1 in Führung geschossen hatte und klar war, dass Basel gegen GC drei Punkte liegenlassen würde.
Petkovics Giftpfeile
Bei YB war auch gestern längst nicht alles Gold, was in der Nachmittagssonne glänzte. Die Dreierabwehrkette Mardassi-Affolter-De Piero liess sich mehrmals etwas gar leicht aus den Angeln heben. Insbesondere Linksverteidiger Mardassi war ein Unsicherheitsfaktor. Vor dem Anschlusstreffer durch Geiger wurde er von Ismaeel und Varela fast schwindlig gespielt. Zudem hatte der Nordafrikaner kurz vor Halbzeit grosses Glück, dass Varela seinen tölpelhaften Fehler nicht auszunutzen vermochte.
Das Wettkampfglück war den Platzherren auch unmittelbar nach dem Pausentee hold, als ein wuchtiger Weitschuss von Varela von der Latte zurückprallte. «In dieser Phase haben wir zu viel spekuliert», sagte Trainer Vladimir Petkovic im Nachgang zum Spiel. Es war der einzige Ansatz von Kritik, der von Petkovic zu vernehmen war. Ansonsten rühmte der kroatisch-schweizerische Doppelbürger seine Mannschaft über den grünen Klee. Sie habe einen «tollen Sieg» errungen und auf viele Fragen, die in den letzten Tagen aufgeworfen worden seien, eine Antwort gefunden. Der Übungsleiter konnte es sich nicht verkneifen, einen Seitenhieb auszuteilen, der in Richtung der Medienhäuser Blick und Schweizer Fernsehen zielte, die seiner Meinung nach zu einseitig und polemisch über YB berichten. Es sei diesen nicht gelungen, das Team zu destabilisieren. Im Gegenteil: «Die Jungs haben einen guten Lauf und werden die Sache zu einem guten Ende bringen», verkündete Petkovic in kämpferischem Ton. Mit die Sache meinte der Übungsleiter die Meisterschaft, die YB heuer um jeden Preis auf dem ersten Platz abschliessen will. Nach dem ersten Rückschlag des FC Basel seit vielen Wochen fiel es für Petkovic leicht zu sagen: «Jetzt ist jemand anders unter Druck.»
«Finalissima» rückt näher
Wenn auch gestern die Karten im Titelrennen neu gemischt wurden, mochte bei YB niemand in Triumphgeheul ausbrechen. «Wir haben bisher immer für uns geschaut. Wir schauen auch weiterhin nur für uns», betonte Marco Wölfli. Ein paar Meter daneben formulierte Seydou Doumbia nahezu den identischen Satz: «Die anderen interessieren uns nicht.» Die YB-Spieler wussten genau, dass es nicht der richtige Moment war, um grossspurig aufzutreten. Denn sie wissen genau, dass trotz den wieder drei Punkten Vorsprung auf Basel noch gar nichts gewonnen ist. Abgerechnet wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit erst am 16. Mai, wenn der FCB im Wankdorf gastiert. Es wäre dies die zweite «Finalissima» in Bern innert drei Wochen.
(Der Bund)
Erstellt: 26.04.2010, 08:05 Uhr
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