Bern

Bärtschi & Burren: Opfer von Raum und Zeit

Von sport@derbund.ch. Aktualisiert am 27.05.2010

Eine Woche ist vergangen, seit Burren den Glauben an die Existenz eines Fussballgottes endgültig verloren hat.

Bärtschi & Burren. (Orlando)

Bärtschi & Burren. (Orlando)

Von der abwegigen Vorstellung geheilt, dass in diesem Sport so etwas wie Gerechtigkeit existiere, nicht aber von der Fussballsucht, spaziert Burren in Richtung des altehrwürdigen Neufeldstadions; dort kämpft die zweite Garnitur der Young Boys gegen den Abstieg aus der ersten Liga.

Und da sitzt er nun also, mit viel Platz links und rechts (Bärtschi wurde derweil von Monica einbehalten). Er macht es sich auf der Haupttribüne gemütlich, schaut hinauf in die Dachkonstruktion und bewundert die solide Handwerkskunst der Zimmerleute. Und als er sich an den Trägern, Querbalken und Verstrebungen satt gesehen hat, richtet er seinen Blick wieder auf das Spielfeld, wo kein Plastik glänzt, dafür ein richtiger Rasen, ja, ein organisch gewachsenes Spielfeld aus Abertausenden gleichmässig gestutzter Grashalme breitet sich da aus. Das riecht besser als Synthetik, so wie ein Fussballplatz halt eben riechen müsste. Wenn er wollte, könnte er jetzt auch auf die gegenüberliegende Seite dislozieren; kein Steward ist zu sehen, welcher ihn daran hindern würde. Was für eine heile Welt!

Burrens Gehör freut sich ebenfalls: Keine musikalische Berieselung, keine martialischen Kampfhymnen begleiten die Mannschaften beim Betreten des Feldes. Keine Billigairline präsentiert die Corner, kein Salbenhersteller freut sich über verletzte Spieler. Nur das Geschrei von Spielern und Trainern ist zu hören. Und niemand bezahlt für die Nachspielzeit als Werbeplatz. Dafür gibt es in dieser einen direkt verwandelten Eckball zu sehen. Eine unbezahlbare Delikatesse.

Am Ende gewinnt YB mit 4:2 und hält die Klasse. Auf dem Spielfeld bricht die Mannschaft in ekstatischen Jubel aus. Burren verfällt urplötzlich in einen ambivalenten Gemütszustand: Genau das hatte er sich das ganze Jahr erhofft: dass das letzte bleibende Bild der Fussballsaison das einer jubelnden gelb-schwarzen Spielerschar sei. Da wird Burren bewusst, dass es wohl doch einen Fussballgott gibt. Leider bloss einen, der sich zwischendurch in Ort und Datum irrt.

(Der Bund)

Erstellt: 27.05.2010, 10:30 Uhr

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