Bärtschi & Burren: Memento mori
Wenn Burren die bundesamtliche Statistik richtig versteht, dürfte er noch gute 50 Jahre auf der Erde verbringen dürfen. Die Interpretation von wissenschaftlichen Sachverhalten ist für gewöhnlich das Steckenpferd von Bärtschi, aber diese Tabelle hier ist so simpel, dass auch der praktisch veranlagte Burren keine Mühe hat, ihr die nötigen Informationen zu entnehmen. Er legt also den Zeigefinger in der unteren Zeile auf seinen Jahrgang und fährt dann vorsichtig nach oben, möglichst ohne den Bildschirm zu beschmieren. Wenn er nun dort, wo er auf die Kurve trifft, seinen Finger nach links bewegt, kommt er auf die Zahl 85. Darauf hat er also in etwa Anrecht, sollte es denn im Leben überhaupt so etwas wie Gerechtigkeit geben. Als YB-Fan hegt Burren diesbezüglich schon so seine Zweifel.
In seinem Dasein, dass sich unaufhaltsam der Halbzeit nähert, konnte er bislang erst ein einziges Mal einen Meistertitel feiern; noch dazu in einem Alter, in dem er nicht berechtigt war, die Wirkung des freudigen Ereignisses mit Alkoholika etwas zu verstärken. Burren rechnet: Wäre er bereits 1898 geboren worden und immer noch am Leben, hätte er, statistisch gesehen, alle 10,2 Jahre einen Meisterpokal bejubeln können; angesichts der Tatsache, dass dies in den letzten 50 Jahren aber nur zweimal der Fall war, fällt er spontan in eine leichte Depression, welche er umgehend ambulant mit einem Glas Johannisbeersaft behandelt.
Natürlich, er hätte es als Erstklässler wie der Leutwiler Kusi machen und sich auch ein GC-Leibchen zu Weihnachten wünschen können. Wohl wäre er inzwischen Schweizer Rekordmeister, im Nachhinein ist er aber sicher: Mit diesem Stück Stoff am Körper hätte er Kindheit und Jugend in sozialer Isolation verbracht. Völlig zu Recht, wie er bei neuerlicher Erwägung der GC-Option feststellt.
Wenn das Schicksal es böse meint, bleibt es für Burren vielleicht zeitlebens bei diesem einen Pokal. Sein letzter Wille steht nichtsdestotrotz fest: das Totenhemd gerne in Gelb-Schwarz. Und wo er sowieso gerade an den finalen Abpfiff denkt, hat er auch noch einen allerletzten Wunsch: eine Urne in Pokalform, bitte sehr. (Der Bund)
Erstellt: 22.04.2010, 09:38 Uhr
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