Bern

Bärtschi & Burren: Der Mantel des Glücks

Von sport@derbund.ch. Aktualisiert am 20.05.2010

Bärtschi hatte sich vorgenommen, einfach still dazusitzen, bis der Schmerz erträglich geworden wäre, vielleicht ein weiteres Bier (oder auch zwei) in sich hineinzuschütten und dann abzuwarten, was ihm das Schicksal sonst noch an Prüfungen mit auf den Weg geben würde.

Super League

36. Runde

23.05.Basel - Young Boys1 : 2
23.05.Lausanne - Grasshoppers2 : 1
23.05.Sion - Luzern1 : 3
23.05.Thun - FC Zürich2 : 4
Stand: 23.05.2012 22:10

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel34228478:3374
2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

Er schaltete seinen Modus auf indifferent, und so hätte man Bärtschi an diesem Abend auch «Gölä» auf die Stirn tätowieren können oder «Peter Reber», es wäre ihm vollkommen gleichgültig gewesen. Er hätte es vermutlich nicht einmal gespürt. (In einer helleren Stunde wäre Bärtschi möglicherweise darauf gekommen, dass dieser Gölä auch nicht viel mehr ist als ein Peter Reber tätowiert, aber solcherlei Luzides kam ihm in diesem Moment nicht in den Sinn.)

Bärtschi sass also da und versuchte, an gar nichts zu denken. Keine leichte Übung für einen wie ihn, der es gewohnt war, sich Gedanken zu machen und zu allen beliebigen Themen eine mehr oder minder qualifizierte Meinung abzugeben. Normalerweise hätte er wenigstens eine gewisse Genugtuung empfunden, wenn sich im Nachhinein herausstellte, dass er recht gehabt hatte, aber das vermochte ihn nun auch nicht zu erheitern. Im Gegenteil, insgeheim hatte er nämlich – wie Burren, dieser verkappte Optimist – durchaus gehofft, dass das Glück ihn für einmal finden würde.

Vielleicht liegt genau hier der Hund begraben, sinnierte Bärtschi, vielleicht ist genau das der Fluch. Plötzlich schien ihm, als wäre in diesem einen Satz alles aufgehoben, als wäre dieser eine Satz das Kondensat des Berner Seelenlebens: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim.» Das klingt entspannend und macht locker. Ein Satz wie dieser schmiegt sich um einen wie ein Mantel, und man braucht dann nur noch dazusitzen und zu warten. Nur bloss nicht selber aktiv werden.

So würde es allerdings nie etwas werden mit einem Titel, folgerte Bärtschi. Dafür müsste man kämpfen, sich einsetzen, etwas leisten. Er hielt inne – würde er das denn wirklich wollen? Leistung? Ehrgeiz? Wettkampf? Diese ganzen neoliberalen Tugenden?

Bärtschi lächelte, schüttelte den Kopf und war wieder mit sich und seiner Stadt im Reinen.

(Der Bund)

Erstellt: 20.05.2010, 10:02 Uhr

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