Zu Hause in einer fremden Stadt
Carmen Cheropoulos (53), Hausleiterin im Studentenlogierhaus am Kanonenweg. (Franziska Scheidegger)
Dort habe ich in der Reinigung gearbeitet – gleichzeitig bildete ich mich beruflich weiter. Später habe ich mich als Hausleiterin am Kanonenweg beworben – und wurde eingestellt.»
«Die Arbeit gefällt mir sehr gut, ich mag den Kontakt zu den Studierenden; hier im Haus pflegen wir einen fast familiären Umgang. Ich bin dafür zuständig, dass alles rund läuft. Ein bisschen bin ich auch Hausmutter: Die Studierenden erzählen mir ihre Sorgen, etwa wenn Prüfungen schieflaufen oder sonstige Schwierigkeiten anstehen. Manchmal melden sich neue Bewohner bei mir an und ab, wenn sie das Haus verlassen. Ich erkläre dann, dass dies nicht nötig ist – wir sind kein Internat; jeder ist für sich selber verantwortlich. Natürlich müssen sich alle anpassen, damit das Zusammenleben reibungslos verläuft, aber grössere Probleme hatten wir noch nie.»
«Wir haben 53 Zimmer, das Haus am Kanonenweg ist eines der beliebtesten Studentenlogierhäuser – vor allem wegen der zentralen Lage. Die meisten Mieter bleiben drei bis vier Jahre. Um ein Zimmer können sich alle bewerben, die eine Ausbildung absolvieren. Jede Etage hat einen eigenen Gangchef, es gibt eine gemeinsame Küche, Waschräume, Toiletten und einen Putzraum. Ich achte sehr auf Sauberkeit. Die Bewohner kommen aus der ganzen Welt: Wir haben etwa Mieter aus der Schweiz, China, Japan, Weissrussland oder Kirgistan. Dies führt zuweilen auch zu unvergesslichen Situationen: etwa als ich einer Japanerin Dokumente nach Deutschland nachschickte. Sie hatte mich verzweifelt angerufen, weil sie die Diplome vergessen hatte. Zufällig pickte ich einige Papiere aus dem Chaos – sie waren alle in Japanisch geschrieben – und schickte sie ihr. Zum Glück waren es die richtigen. In der Regel betrete ich die Zimmer der Studierenden nie: Das ist privat.»
«Es ist mir ein Anliegen, die Menschen so zu behandeln, wie ich mir das selber wünsche. Die gute Stimmung entsteht aus dem gegenseitige Respekt. Das Schönste an meinem Beruf ist, wenn jemand aus den Ferien zurückkommt und sagt: Endlich bin ich daheim! Es ist mein Ziel, dass sich die Bewohner am Kanonenweg wohlfühlen, es soll ein Zuhause sein für sie.»
Gespräch: Corinne Leuenberger
> (Der Bund)
Erstellt: 05.03.2009, 08:45 Uhr
Bern
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