Vögel und ihre Flügel
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Leser haben dem «Bund» Fragen aus ihrem Alltag gestellt. Die interessantesten werden diese Woche von Professoren der Uni Bern beantwortet.
Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich glaube seit meiner Gymnasialzeit an die Evolution, bin also kein Kreationist. Trotzdem drängen sich mir seit Langem Fragen auf, die ich nicht beantworten kann: Wie ist während der Evolution die sogenannte Mimikri entstanden? Es gibt eine kleine Fliege, die eine Wespe nachahmt, damit ihre Fressfeinde sie verschonen. Aber wie ist die Fliege zu dieser erstaunlichen Nachahmung einer Naturform gekommen? Zufällige Mutationen in Jahrtausenden? Daran zu glauben, braucht das nicht eine geradezu religiöse Reservatio mentalis?
Und dann die Vogelflügel: Da entwickeln sich irgendwie Vorderbeine zu Flügeln, was aber unglaublich lange dauert. Sobald das Tier fliegen kann, hat es für sein Überleben grosse Vorteile, aber bis dahin? Was macht das arme Tier während dieser schrecklichen Zeit mit den Vorderbeinstummeln, die zu nichts nütze sind, aber doch sehr stören?
Ernst Eggimann, Langnau
Die Antworten auf beide Fragen sind ähnlich: Derart grosse Veränderungen beruhen nicht auf der Mutation eines einzigen Genes, sondern auf sehr vielen Mutationen. Im Falle der erwähnten Mimikri oder des Vogelflügels sind das Dutzende von Mutationen, von denen jede für sich kleine Änderungen erzeugte, die dem Individuum einen kleinen Selektionsvorteil brachten. Die Grundstruktur des Vogelflügels mit Oberarm-, Unterarm-, Hand- und Fingerknochen entstand viel früher in der Evolution der Wirbeltiere. So mussten beim Übergang von den Reptilien zu den Vögeln «nur» die Schuppenstrukturen in federähnliche Strukturen umgewandelt werden. Auf diesem Wege waren auch ganz primitive Federn von Vorteil, wenn es dadurch dem Individuum gelang, unbeholfen von einem Baum zum andern zu gleiten um damit einem Fressfeind zu entkommen. Die beim Urvogel Archeopterix gefundenen Krallen deuten darauf hin, dass dieser ein guter Baumkletterer war.
Im Falle der erwähnten Mimikri kann bereits eine kleine Änderung in Richtung des Originals einen Feind zweifeln lassen, ob dieses Tier nicht doch einen Stachel haben könnte. Jede neu dazukommende Mutation in diese Richtung erhöht die Chance, nicht gefressen zu werden, und wird deshalb über Generationen angehäuft, bis wir schliesslich die fast perfekte Mimikri haben.
Heinz RichnerProfessor für Evolutionsbiologie (Der Bund)
Erstellt: 05.03.2009, 08:52 Uhr
Bern
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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