Unis im Schönheitswettbewerb
Von Christof Forster. Aktualisiert am 04.03.2009
Schönheitswettbewerbe sind auch bei den Universitäten in Mode gekommen. Es gibt unzählige Rankings, welche die Bildungsstätten nach unterschiedlichen Kriterien unter die Lupe nehmen. Zu den populären gehört die von der Shanghai-Jiao-Tong-Universität jährlich ermittelte Rangliste der weltweit besten Hochschulen. Sie misst ausschliesslich die Forschungsleistung. Eine Uni mit vielen Nobelpreisträgern und regelmässig in anerkannten Fachzeitschriften zitierten Forschern schafft es im Shanghai-Ranking weit nach oben.
Davon unterscheidet sich das Konzept einer Top-Universität, welches das Times-Ranking macht. Es mischt Aspekte der Forschung, Lehre, Arbeitsmarktqualifikation und Internationalität der Professoren und Studenten. Ein Blick auf die Tabellen zeigt, wie stark die Auswahl der Kriterien die Rangierung der einzelnen Universitäten beeinflusst.

Nicht nur, was die Rankings messen, sondern auch, wie sie dies tun, hat Auswirkungen auf die Rangierungen. Im Shanghai-Ranking schlagen sich Forschungsleistungen alleine in der Anzahl von Artikeln nieder, die in vorwiegend englischsprachigen Zeitschriften erscheinen. Dies erklärt die Dominanz der Angelsachsen.
Marketing mit Rankings
Die Hochschulen sehen deshalb die Rankings mit kritischem Auge. Diese könnten die Komplexität der universitären Leistungen nur schlecht in der richtigen Form darstellen, sagt Urs Würgler, Rektor der Universität Bern. Um die Qualität ihrer Arbeit zu bewerten, stütze sich die Universität auf eigene, wissenschaftlich fundierte Verfahren.
Doch auch Würgler ist sich bewusst, dass solche Schönheitswettbewerbe Einfluss auf das Ansehen einer Universität haben. Noch ist schwierig abzuschätzen, was das für die einzelnen Hochschulen bedeutet. Für schlechter rangierte Universitäten könnte sich der Rechtfertigungsdruck gegenüber der Politik erhöhen, mutmasst Würgler. Es sei auch noch offen, ob die Wirtschaft künftig ihre finanzielle Unterstützung der Grundlagenforschung und die Einstellung von Uniabsolventen an solche Rankings knüpfe.
Ranglisten sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil des akademischen Lebens geworden. Sie erhöhen die Transparenz des kostspieligen Hochschulsektors. Die Unis setzen die Rankings gerne als Marketinginstrument ein, indem sie jene Aspekte betonen, bei denen sie gut abschneiden.
Nähe vom Zuhause entscheidend
Und wie helfen Rankings künftigen Studenten bei der Wahl ihrer Universität? Sie seien bei der Beratung selten ein Thema und spielten nur eine sehr kleine Rolle, sagt Christoph Pfammatter von der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Bern-Mittelland. Die grosse Mehrheit der Maturanden entscheidet nach geografischen Kriterien. Der durchschnittliche Student wolle an eine Uni, die möglichst nahe von zu Hause sei, sagt Pfammatter. Wegen der hohen nationalen Standards würden die Schweizer Universitäten ohnehin qualitativ nahe beieinanderliegen. Dies gilt fürs Grundstudium. Etwas wichtiger werden Rankings bei weiterführenden Masterstudien. Grundsätzlich findet der Studienberater Rankings sehr schwierig zu interpretieren. Letztlich sei das Profil des Menschen ausschlaggebend, welche Universität am besten für ihn geeignet sei.
Raymond Werlen von der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten rät den künftigen Studenten, sich möglichst breit zu informieren. Dabei seien neben Uni-Webseiten, Besuchstagen und Informationen von Studienkollegen Ranglisten ein Element. Wenn man sie klug interpretiert, also jene Kriterien herausfiltert, die einem wichtig sind, können sie durchaus hilfreich sein. (Der Bund)
Erstellt: 04.03.2009, 13:55 Uhr
Bern
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