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Bern

Therapie für die Allgemeinheit

Von Corinne Leuenberger. Aktualisiert am 04.03.2009

Ich therapiere hauptsächlich Menschen, die keine Therapie wünschen: Meine Klienten sind im Strafvollzug, sie wurden vom Gericht an den Forensisch-Psychiatrischen Dienst der Universität Bern verwiesen.

Jennifer Steinbach (32), Psychologin am Forensisch-Psychiatrischen Dienst der Universität Bern.

Jennifer Steinbach (32), Psychologin am Forensisch-Psychiatrischen Dienst der Universität Bern.

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Hier wird im Rahmen der Begutachtung abgeklärt, ob sie an einer psychischen Störung leiden, die in Zusammenhang mit ihrer Straftat steht. Wenn dies der Fall ist, müssen sie sich einer Therapie unterziehen. Ich arbeite als Therapeutin, das heisst, ich arbeite mit Menschen, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen.

Derzeit betreue ich zwölf Klienten: Acht leben in der Strafanstalt Thorberg, und vier werden ambulant betreut. Das sind etwa Patienten, die eine bedingte Haftstrafe verbüssen. Die Therapie ist Teil der Strafe, deshalb ist es wichtig, eine gemeinsame Basis zu erarbeiten. Ich schreibe regelmässig Berichte für das Amt für Straf- und Massnahmenvollzug. Darin gebe ich beispielsweise Empfehlungen dazu ab, ob eine Person als Vorbereitung auf eine bedingte Entlassung Urlaub nehmen kann. Die Entscheidung liegt natürlich beim Amt, es ist aber selten, dass entgegen unseren Empfehlungen entschieden wird.

In meinem Beruf ist die Fähigkeit, sich zu distanzieren, wichtig. Eine Haftanstalt ist schon ein spezielles Arbeitsumfeld: Der Stacheldraht, die Gitter und die Kameras wirken beklemmend. Ich treffe meine Klienten allein. Sie werden vor den Sitzungen gefilzt. Ich trage jeweils ein Sicherheitsgerät auf mir. Im Therapieraum gibt es zudem einen Notfallknopf – geängstigt habe ich mich bis jetzt noch nie, es gab aber auch schon unangenehme Begegnungen. Kürzlich habe ich eine berührende Situation erlebt: Ich musste eine Empfehlung für die Entlassung eines Klienten abgeben. Aufgrund der Situation fiel sie negativ aus. Als ich den Entscheid mit der betroffenen Person besprochen habe, hat sie mir geantwortet, dass sie sich selber auch noch als zu gefährlich einschätze. Das hat mich sehr beeindruckt.

Für die Universität Bern bin ich auch in der Forschung tätig: Ich evaluiere Therapieformen, die wir praktisch durchführen. Auf diese Art können die Therapien bei Bedarf angepasst werden. Wir erfahren somit unmittelbar, ob und wie die Programme, die wir anwenden, wirken. Es ist eine Qualitätssicherung der praktischen Arbeit; natürlich achten wir bei der Evaluation darauf, dass auch externe Personen beteiligt sind. (Der Bund)

Erstellt: 04.03.2009, 10:12 Uhr

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