Bern

Haltbar für die Ewigkeit

Von Corinne Leuenberger. Aktualisiert am 09.03.2009

«Eine wichtige Voraussetzung für meine Arbeit ist Standfestigkeit: Wer medizinische Präparatorin werden will, darf keine Berührungsängste mit Verstorbenen haben.

Um seriös arbeiten zu können, ist es zentral, die Distanz zu der verstorbenen Person zu wahren. Ich bin als Chefpräparatorin für das Institut für Anatomie der Universität Bern tätig. Diesen Beruf kann man in der Schweiz nicht lernen. Die Ausbildung habe ich in Deutschland absolviert. In der Schweiz ist es üblich, dass sich Präparatoren das Handwerk während der Arbeit aneignen. Ausgebildete Fachleute sind deshalb immer wieder gefragt – auch aus dem Ausland.»

«In der Anatomie arbeiten wir mit Leichen von Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Wir erhalten nur Körper von Menschen, die vor dem Tod schriftlich eingewilligt haben. Manche Leute wünschen, dass ihr Körper nach unserer Arbeit kremiert wird und die Asche den Angehörigen zukommt. Pro Jahr arbeiten wir an 25 bis 30 Körpern. Es sind meist ältere Menschen; wenn die Todesursache unklar ist, sind die Kollegen in der Rechtsmedizin oder in der Pathologie für die Abklärungen zuständig.»

«Meine Tätigkeit ist vielseitig: Ich präpariere die Nerven und Blutgefässe verschiedener Körperregionen für Examens- und Demonstrationszwecke, konzipiere und baue Modelle, anhand derer die Anatomie erlernt werden kann. Am Institut für Anatomie ist das Hauptziel neben der Forschung die Lehre: Ich erteile auch Unterricht im Fach Humananatomie und organisiere klinische Kurse. Die richten sich an Mediziner und ermöglichen das Üben von schwierigen Operationen. Für die Konservierung geeignete Chemikalien zu finden, ist eine Herausforderung: Die Lösungen sind oft giftig und damit schädlich für jene, die damit arbeiten – ich suche nach wirksamen Alternativen.»

«Ein konservierter Körperteil ist ewig haltbar: Einzelne Teile unserer Sammlung sind über siebzig Jahre alt. Wir präparieren die Körper, damit sie zu Anschauungszwecken verwendet werden können. Für das Erlernen der Anatomie ist die Todesursache nebensächlich. Meine Arbeit im Bereich der Anatomie ist nur im Rahmen der Universität möglich. Es ist mir wichtig zu betonen, dass Präparatoren ganz normale Leute sind. Wir haben nichts gemein mit der abstrusen Darstellung der medizinischen Präparatoren aus dem Fernsehen.» (Der Bund)

Erstellt: 09.03.2009, 10:56 Uhr


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