Bern

Glückwünsche allein bringen der Universität nichts

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 09.03.2009

Zum 175-Jahr-Jubiläum präsentiert sich die Universität Bern als faszinierende Forschungsanstalt, die im ewigen Eis das Klima vergangener Jahrtausende ergründet, an der ersten Landung einer Raumsonde auf einem Kometen beteiligt ist oder an der Entwicklung neuer medizinischer Hightech-Geräte mitarbeitet.

Das imponiert dem Volk. Eigentlich vermittelt die Hochschule damit aber ein falsches Bild, denn primär betreibt sie nicht Spitzenforschung, sondern Ausbildung.

Die Universität Bern wurde 1834 gegründet, um für den liberalen Staat Lehrer, Pfarrer oder Juristen auszubilden. Im Grunde ist das heute noch immer ihre Hauptaufgabe. Ohne all die akademisch geschulten Juristen, Raumplaner, Chemiker, Psychologen, Politologen oder Mediziner könnten Wirtschaft und Verwaltung schlicht nicht funktionieren. Vor allem wegen der Bundesverwaltung ist der Bedarf an akademisch gebildeten Fachkräften im Kanton Bern so gross, dass er ohne ausserkantonale Studienabgänger gar nicht gedeckt werden könnte. Die Rolle als Ausbildnerin bringt der Hochschule zwar kaum Prestige, sie ist für die Gesellschaft jedoch enorm wichtig. Darauf dürfen Universität und Kanton Bern stolz sein. Und sie können getrost darüber hinwegsehen, dass die Uni Bern in Hochschul-Rankings tendenziell auf den hinteren Rängen liegt.

Nichtsdestotrotz muss sich die Uni Bern aber im nationalen und internationalen Konkurrenzkampf der Hochschulen behaupten, um für Studierende und Lehrende attraktiv zu bleiben. Dieser Wettbewerb wird vor allem über die Forschung ausgetragen. Dabei ist es für eine Institution von der Grösse der Uni Bern unmöglich, überall vorne mitzumischen. Die Konzentration auf ein paar «Leuchttürme», wie sie die Universität in ihrer aktuellen Strategie anstrebt, ist daher nur vernünftig. Mit Klimaforschung, Medizinaltechnik, internationalem Handelsrecht, Weltraumforschung oder Teilchenphysik setzt die Universität Bern dabei auf Themen, die gut fürs Renommee und gesellschaftlich relevant sind. Dass die Universität fähig ist, solche Schwerpunkte auch finanziell abzusichern, hat sie in den letzten Jahren bewiesen. Ohne grossen Wirbel gelang es beispielsweise der Uni-Leitung, intern in grösserem Rahmen Mittel umzuverteilen – noch vor wenigen Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Auch als der Star der Berner Klimaforschung, Thomas Stocker, abzuspringen drohte, konnte ihn die Universität mit einem Ausbau der Forschungsstrukturen zum Bleiben bewegen. An der Gesamtleistung der Uni haben die «Leuchttürme» zwar einen bescheidenen Anteil, für ihre Ausstrahlung gegen aussen sind sie jedoch von grosser Bedeutung.

Strategisch ist die Universität Bern somit gut aufgestellt. Ob sie den eingeschlagenen Weg jedoch mit dem aktuellen Budget weiter erfolgreich gehen kann, ist eine andere Frage. Die Studierendenzahlen werden auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen, und die Konkurrenz zwischen den Hochschulen wird schärfer. Um das Angebot ausbauen zu können, hat sich für die Uni Bern das Anzapfen privater Quellen in den letzten Jahren als vielversprechend erwiesen. Die Universität konnte nicht nur Millionenspenden verbuchen, sondern erhielt auch Professuren gesponsert. Weniger erfolgreich war Bern bei Kooperationen mit anderen Universitäten – insbesondere mit Freiburg. Noch immer unterhalten zwei Universitäten, die nicht mehr als 20 Zugsminuten auseinanderliegen, ein in vielen Bereichen identisches Angebot. Ob das noch Sinn macht, darf infrage gestellt werden. Schliesslich wird aber doch der Kanton Bern tiefer in die Tasche greifen müssen, um die Qualität seiner Universität zu sichern. Mit Glückwünschen zum Jubiläum allein können nicht immer mehr Studierende ausgebildet werden. (Der Bund)

Erstellt: 09.03.2009, 10:53 Uhr


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