Bern

Ehrlichkeit der Wissenschaftler

Von Corinne Leuenberger. Aktualisiert am 06.03.2009

Integrität in der Wissenschaft bedeutet auf gut Deutsch, dass man nicht ,bschisst‘. Bei prestigeträchtigen Themen ist die Verlockung grösser, Resultate zu fälschen.

Hans Ulrich Güdel, Integritätsbeauftragter der Universität Bern. (Beat Schweizer)

Hans Ulrich Güdel, Integritätsbeauftragter der Universität Bern. (Beat Schweizer)

Vor einigen Jahren etwa hat ein Südkoreaner behauptet, er habe menschliche Zellen geklont. Das Ganze erwies sich als Schwindel. Natürlich werden in solchen Fällen Sanktionen ergriffen: Forscher verlieren die Glaubwürdigkeit, ihren Ruf in der Wissenschaft – oder sogar den Doktortitel. Einen solch spektakulären Fall hat es an der Uni Bern noch nie gegeben.»



«Als Integritätsverantwortlicher kläre ich ab, ob eine vermutete Täuschung tatsächlich vorliegt. Anhand von informellen und gegebenenfalls formellen Gesprächen versuche ich, den Sachverhalt zu ermitteln; erhärtet sich der Verdacht, wird ein offizielles Verfahren eingeleitet. Bei einer Verletzung der Integritätsregeln kann die Universitätsleitung Sanktionen verfügen. Ich erhalte im Schnitt eine Anfrage pro Monat. Mehr als die Hälfte der Anfragen lassen sich in informellen Gesprächen erledigen. Viele liegen im Grenzbereich zwischen Integrität und Arbeitskonflikt. Für Letztere ist die Ombudsperson zuständig. Nicht selten geht es bei den Anfragen um die Autorenschaft bei wissenschaftlichen Publikationen. Angehörige des Mittelbaus fühlen sich von ihrem Professor übergangen. Da hilft häufig ein väterlicher Ratschlag. Bei den echten Integritätsfällen sind Plagiatsvorwürfe am häufigsten: Bei einem Plagiat wird von einem fremden Autor abgeschrieben, ohne diese Quelle zu erwähnen.»



«Ich suche das Gespräch mit den Beteiligten. Falls sich die Angelegenheit nicht in der informellen Unterredung klärt, wird ein zweites, formelles Gespräch im Beisein einer Person vom Rechtsdienst verabredet. Da wird entschieden, ob ein Verfahren weitergeführt wird oder nicht. Diese Gespräche fordern mich am meisten: Ich will den Leuten gerecht werden; ich will zuhören und abwägen, bevor ich mir ein Urteil bilde.»



«Die Stelle des Integritätsbeauftragten wurde vor zwei Jahren geschaffen. Ich glaube nicht, dass es heute mehr Täuschung gibt als früher – es gibt hingegen die Tendenz, alles zu formalisieren. Eigentlich liegt die Verantwortung beim Forschungsleiter: Er sollte seinen Mitarbeitern die wichtigsten Prinzipien wissenschaftlicher Integrität vermitteln. Das Vorhandensein des Integritätsverantwortlichen ändert meiner Ansicht nach nichts an dieser Tatsache.» (Der Bund)

Erstellt: 06.03.2009, 09:06 Uhr


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