Bern

Der Rektor und der Wildpfeffer

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 05.03.2009

«Was Sie schon immer von Ihrem Rektor wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten.» Unter diesem Motto hat der «Bund» alle Studierenden eingeladen, Urs Würgler brennende Fragen zu stellen. Fazit: Für die meisten ist alles klar, nur wenige nutzten die Gelegenheit. Eine Auswahl.

Rektor Urs Würgler. (Valérie Chételat)

Rektor Urs Würgler. (Valérie Chételat)

Fabian Eisenberger, Recht:Warum soll man in Bern studieren? Zürich oder Basel sind doch auch schön und spielen erst noch besser Fussball?

Urs Würgler: Dass der FC Basel oder der FC Zürich besser sind als YB, ist ein böswilliges Gerücht, das spätestens Ende der Saison, wenn YB Meister ist, verstummen wird. Und studieren sollte man bei uns, weil wir nicht nur in der schönsten Stadt der Schweiz arbeiten, sondern zudem Topqualität anbieten.

Monique Karrer, Psychologie:Was unterscheidet einen Universitätsrektor von einem Gymnasiumsrektor? Welche Eigenschaften muss ein Universitätsrektor aufweisen?

Der Unterschied liegt vor allem in der Grössenordnung und der Mission des «Unternehmens», dem er vorsteht. Die Uni Bern hat 14000 Studierende und 5000 Mitarbeitende bei einem Jahresbudget von 640 Millionen Franken. Ihr Bildungsauftrag ist wesentlich anders als der eines Gymnasiums und repräsentiert nur einen Teil ihres Kerngeschäfts. Forschung oder Dienstleistungen haben ein ebenso grosses Gewicht. Sie beschäftigt sich auf hohem Niveau mit den meisten grossen Wissensgebieten. Auf Eigenschaften, die ein Universitätsrektor im Vergleich mit andern Personen in leitender Funktion aufweisen sollte, will ich nicht eintreten. Wichtig ist, dass er der sehr komplexen Aufgabe gewachsen ist.

Joël Graf, Geschichte: Die Uni Bern ist international renommiert für ihre Klimaforschung. Wird sie in Zukunft auch eine Vorbildfunktion für klimafreundliches Verhalten wahrnehmen und als ersten Schritt den CO2 aller Flüge von Mitarbeitenden kompensieren?

Die Idee ist nicht neu, wir haben uns das auch schon überlegt. Allerdings wissen wir noch nicht, wie wir die damit verbundenen Mehrkosten auffangen können.

Markus Tschanz, Theologie:Wann wird die Mensa endlich ein leckeres Wildpfeffer-Menü servieren, dessen Fleisch Sie als passionierter Jäger persönlich beigesteuert haben?

Ich glaube kaum, dass ich bei der mir zur Verfügung stehenden Zeit und den enormen Esskapazitäten unserer Studentinnen und Studenten in der Lage bin, diesen Wunsch in naher Zukunft zu erfüllen.

Daniel Zwahlen, Medizin: Warum wird das Medizinstudium so Hals über Kopf auf Bologna umgestellt? Und wieso müssen angehende Ärzte einen Master-Abschluss machen, wenn sie doch sechs – statt wie Bologna-konform fünf Jahre – fürs Staatsexamen studieren werden? Wäre es nicht konsequent, wenn das Medizinstudium auch fünf Jahre dauern würde und der Doktortitel anschliessend wie in allen anderen Fächern erworben werden müsste? Stattdessen sind wieder Bemühungen im Gang, wie man den Ärzten den Doktortitel erleichtert «schenken» könnte. Ein Arzt wird dann also Bachelor, Master, Staatsexamen und Doktortitel haben.

Und er wird in den meisten Fällen zusätzlich noch einen Facharzttitel haben. Die «Bolognisierung» des Medizinstudiums ist in der Tat nicht ganz unproblematisch, und die Schweiz hat sich hier – im Vergleich mit den übrigen europäischen Ländern – eine Vorreiterrolle zugemutet. Dass man den aus Ihrer Sicht «geschenkten» Dr. med. auch weiterhin erlangen kann, beruht in erster Linie darauf, dass unsere Absolventinnen und Absolventen sonst gegenüber den vielen ausländischen Ärztinnen und Ärzten (welche diesen Titel verwenden dürfen) benachteiligt würden. (Der Bund)

Erstellt: 05.03.2009, 08:40 Uhr


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