Bern

Der Auftakt ist geglückt

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 12.03.2009

Nichts von akademischem Dünkel und verstaubten Traditionen: Die offizielle Eröffnung des 175-Jahr-Jubiläums geriet zu einer unterhaltsamen Veranstaltung – vor allem auch dank einem ehemaligen Wirtschaftsstudenten.

Universitäts-Rektor Urs Würgler im Gespräch mit Moderator Kurt Aeschbacher. (Manuel Zingg)

Universitäts-Rektor Urs Würgler im Gespräch mit Moderator Kurt Aeschbacher. (Manuel Zingg)

Vielfältige Einblicke

Am kommenden Samstag, zwischen 10 und 18 Uhr, öffnet die Universität Bern all ihre vielen Türen im Länggassquartier. Das Programm des «Fakultätstags» umfasst 90 Veranstaltungen und reicht vom biblischen Kochen bis zum Karriere-Leiterli-Spiel. Näheres auf www.unibern.derbund.ch. (rw)

Jazz statt Klassik, flotte Sprüche statt lateinischer Laudationes: Im Gegensatz zum alljährlichen Dies academicus wehte gestern nicht der Hauch von Jahrhunderten durch den grossen Saal des Berner Kultur-Casinos – und dies, obschon es ein stolzes Jubiläum zu feiern gab. Zur Eröffnungsveranstaltung zum 175-Jahr-Jubiläum versammelten sich Freunde und Angehörige der Alma Mater Bernensis, der Universität Bern, zu einer kurzweiligen Feier. Verantwortlich für die lockere Atmosphäre waren die vom Festkomitee verordnete Annäherung von Wissenschaft und Bevölkerung und vor allem Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher, der vor 30 Jahren in Bern Volkswirtschaft studiert hatte und gestern durch den Abend führte.

Aeschbacher wollte von Uni-Rektor Urs Würgler wissen, ob Bern immer noch die Nase vorne habe und der Konkurrenz die besten Dozenten abwerben könne, wie dies zur Gründungszeit der Fall gewesen sei. Damals hatte sich die ein Jahr früher gegründete Uni Zürich beklagt, die reichen Berner lockten «die Schafe der Armen auf ihre fetten Wiesen». Finanziell könne man zwar heute nicht mehr mithalten, antwortete Würgler, «aber bei der Qualität durchaus».

Auch bei Erziehungsdirektor Bernhard Pulver nahm Aeschbacher auf die Geschichte Bezug. Das erste Universitätsgesetz sei innerhalb von zehn Tagen verabschiedet worden. Nun warte die Uni bereits seit Jahren auf ein neues Gesetz. Wie lange das denn noch dauere, wollte der Moderator wissen. Pulver musste zwar zugeben, dass er schon zwei Jahre am neuen Uni-Gesetz arbeite, das der Hochschule mehr Freiheiten einräumen soll. Er versprach jedoch, den Entwurf «in den nächsten Wochen» in die Vernehmlassung zu schicken. Und der Erziehungsdirektor verriet auch schon, was seine Präferenz in einer umstrittenen Frage ist: «Die Universität soll die Professoren selber berufen können.» Heute hat der Regierungsrat das letzte Wort.

«Wichtigste Person der Uni»

Neben Rektor, Erziehungsdirektor, Studenten, Forscher und Dekane befragte Aeschbacher auch «die wichtigste Person der Uni», Hausmeister Jakob Mosimann. Er berichtete von der zunehmenden Vermüllung der Uni-Gebäude, von Dozenten, die sich mit falschen Angaben grössere Hörsäle erschleichen, und Professoren, die sich über das stumme (weil nicht eingeschaltete) Mikrofon beklagen. «Zeugt das von intellektueller Überlegenheit?», wollte Aeschbacher wissen. «Vielleicht eher von Zerstreutheit», antwortete der langjährige Hauswart.

Umrahmt wurde der Abend von einem Wissenschaftler-Trio, das Erbinformationen vertont, von Stepptänzerinnen des Uni-Sports und einer Jazz-Combo. Insgesamt ist der gestrige Auftakt zum Jubiläum der Universität durchwegs geglückt. Die alte Dame hat sich in jugendlicher Frische gezeigt. (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2009, 10:34 Uhr


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