Auf den Spuren der Uni Bern
Von Simon Widmer. Aktualisiert am 23.03.2009
In 90 Minuten viel über die Uni erfahren: Besucher auf dem Universitäts-Rundgang. (Manuel Zingg)
Hinweis
Der nächste Rundgang «Bern studiert» findet morgen Dienstag um 18 Uhr statt. Treffpunkt ist beim Lift der Grossen Schanze. Die Rundgänge sind kostenlos. Weitere Infos unter www.stattland.ch.
Die Route des StattLand-Rundgangs führt durch das Länggassquartier und bringt den Besuchern die Geschichte der Universität Bern näher. Der Rundgang wurde zum 175-Jahr-Jubiläum der Universität Bern neu konzipiert und wird dieses Jahr dank finanzieller Unterstützung der Uni gratis angeboten. Wer den 90-minütigen Rundgang besucht, erfährt neben Hintergrundwissen auch Anekdoten über Persönlichkeiten, welche die Uni geprägt haben.
So sagt StattLand-Führerin Laura Binz etwa, dass Albert Einstein als Privatdozent an der Universität eingestellt wurde, obwohl der Ordinarius für Physik der Meinung war, dass «niemand so genau versteht, was der forscht». Auch Einsteins Vorlesung war kein Publikumsrenner: Nur drei seiner Freunde hörten sich regelmässig seine Ausführungen zur theoretischen Physik an. Als mildernder Umstand muss allerdings angeführt werden, dass Einstein aufgrund seiner Arbeit beim Patentamt Bern jeweils am Samstag von 7 bis 8 Uhr morgens lehrte.
Die Uni auf dem Mond
Das Physikalische Institut der Uni sorgte aber nicht nur durch den Begründer der Relativitätstheorie für Furore: Als Neil Armstrong 1969 als erster Mensch den Mond betrat, hisste er als Erstes nicht etwa die amerikanische Flagge, sondern ein Sonnenwindsegel, das von Forschern aus Bern hergestellt wurde. Das Physikalische Institut ist auch jetzt bei einem Weltraumprojekt vertreten, das Aufsehen erregen könnte: Seit fünf Jahren ist die Raumsonde der European Space Agency (ESA) unterwegs, um im Jahr 2014 auf einem Kometen zu landen. Mit dabei ist auch «Rosina», ein in Bern entwickeltes Massenspektrometer. Dieses soll die flüchtigen Bestandteile des Zielkometen chemisch untersuchen.
Grösster Frauenanteil in Europa
Auch in der Gleichberechtigungsfrage nahm die Universität Bern eine Pionierrolle ein. Im Jahre 1870 gehörte Bern zusammen mit Zürich und Paris zu den drei einzigen Universitäten, an denen Frauen studieren durften. Da zur selben Zeit an Russlands Universitäten eine Beschränkung für Juden galt, gab es einen wahren Ansturm von russischen Jüdinnen an die Uni Bern. «Da Zürich als Brutstätte der Revolution galt, wählten die meisten Russinnen das beschaulichere Bern», erklärt Laura Binz. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Universität einen in Europa einzigartigen Frauenanteil von 30 Prozent. Das Gros der Frauen studierte damals an der medizinischen Fakultät.
Die Universität Bern war der grossen Konkurrentin aus Zürich aber nicht nur punkto Frauenanteil einen Schritt voraus. Im Studiumsjahr 1900/01 hatte die Universität Bern erstmals mehr als 1000 immatrikulierte Studenten, die Universität Zürich kam erst im Jahr 1904/05 auf eine vierstellige Anzahl Studenten. «Das sorgte damals in der Limmatstadt für einigen Ärger», sagt Laura Binz und lacht.
Der Rundgang führt unter anderem auch in die Antikensammlung im Geographischen Institut, die Baltzerstrasse, und endet auf dem höchsten Punkt der Uni Tobler – dem Toblertürmchen.
(Der Bund)
Erstellt: 23.03.2009, 08:31 Uhr
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