Bern

Auch die Uni wird grün

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 27.03.2009

Die Grünliberalen gewinnen im Studierendenparlament der Universität Bern auf Anhieb sieben Sitze und überholen sogar den etablierten Jungfreisinn. Tonangebend bleibt aber das Sozialdemokratische Forum, das sogar noch zulegte.

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«Das übertrifft alle unsere Erwartungen», sagt Dennis Briechle. Seine Partei, die Grünliberalen Uni Bern, hat auf Anhieb sieben Sitze im 40-köpfigen StudentInnenrat erobert. Das Studi-Parlament wird alle zwei Jahre gewählt. Seit 2005 können die rund 10500 Studierenden ihre Wahl im Internet treffen. Dadurch ist die Stimmbeteiligung von leicht über 10 auf über 20 Prozent gestiegen. In diesem Jahr beteiligten sich 2166 Studierende (21 Prozent) an der Wahl.

Die Grünliberalen gehen als grosse Gewinner aus dem gestern beendeten Wahlgang hervor. Obschon unerfahren in der Unipolitik, verfügen sie bereits über ein ausgefeiltes Programm. So wollen sie zum Beispiel Energiesparpotenziale im Unibetrieb aufspüren, gegen die Verschulung im Bologna-System ankämpfen oder den Vorstand der StudentInnenschaft zu mehr Transparenz anhalten. «Wir sind eine junge Partei, die offenbar den Nerv der Zeit getroffen hat», sagt Briechle. Seine Gruppe hat vor allem dem Jungfreisinn Stimmen abgenommen. «Dieser leidet am aktuellen Image seiner Mutterpartei», so Briechle.

Der jungfreisinnige Laurent Saudan freut sich zwar über den Erfolg der Grünliberalen: «Das stärkt die Mitte.» Gleichzeitig sei es aber «bitter», von einer neuen Partei überholt zu werden. Auch er sieht als Gründe für die Verluste den «schweizweiten Trend und das Image der FDP». Die Jungfreisinnigen haben in den letzten Jahren einen pointierten Oppositionskurs gefahren. Unter anderem haben sie dagegen gekämpft, dass sich die StudentInnenschaft für Anliegen ausserhalb der Bildungspolitik engagiert (siehe Box). Ausserdem haben sie den Vorstand der StudentInnenschaft attackiert und ihm «Schlamperei» im Umgang mit den Geldern aus dem Sozialfonds vorgeworfen. Gebracht hat es wenig, muss auch Saudan zugeben: «Es ist frustrierend, Unipolitik betreiben zu wollen, wenn von den Linken alles abgeschmettert wird.»

An der Dominanz der Linken hat sich auch nach den Wahlen nichts geändert. Das Sozialdemokratische Forum konnte seine Position als stärkste Unipartei sogar noch ausbauen. Die erstmals kandidierenden Jungen Grünen holten auf Anhieb drei Sitze. Verloren hat hingegen die Junge Alternative, die zusammen mit der Gruppe O. Paradoxus antrat. Verloren haben auch die Open-Source-Software-Anhänger der Tuxpartei sowie die christliche Gruppe Wolke 7.

Nichts geändert hat sich auch an der Tatsache, dass im StudentInnenrat mehr Studenten (22) als Studentinnen sitzen. An der Wahl beteiligt haben sich ebenfalls deutlich mehr Männer – obschon mehr Frauen an der Uni studieren. (Der Bund)

Erstellt: 27.03.2009, 08:42 Uhr


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