Bern

YB ist: Warten, warten, warten

Von Christa Hostettler. Aktualisiert am 22.03.2010

Mein Freund Alain tut mir leid. Nicht nur, weil er ein Fan des FC Basel ist. Sondern auch, weil er als mein Freund verpflichtet ist, mir in allen Höhen und Tiefen des YB-Fantums beizustehen.

YB-Fan Christa Hostettler ist Vizestadtschreiberin und Rechtskonsulentin der Stadt Bern und wohnt in Bern. (zvg)

YB-Fan Christa Hostettler ist Vizestadtschreiberin und Rechtskonsulentin der Stadt Bern und wohnt in Bern. (zvg)

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YB ist...

In «YB ist...» lassen wir vor jedem Spiel eine Person zu Wort kommen, die sich mit Haut und Haaren mit den Young Boys identifiziert. Die schreibenden YB-Fans sind Christa Hostettler (Vizestadtschreiberin und Rechtskonsulentin der Stadt Bern), Re Wilk (Werber und Musiker) und Ex-YB-Stürmer Thomas Häberli.

Alain muss mich trösten, wenn wir verlieren, mir gratulieren, wenn wir gewinnen. Und er muss Verständnis dafür haben, dass ich kein Gegenrecht biete, denn schliesslich hätten wir diesen Titel im Gegensatz zu Alains FCB wahrlich verdient.

Alains FCB, das ist aus Sicht des erfolgsgeprellten YB-Fans die kumulierte UBS und Credit Suisse des Fussballuniversums, die Schnittmenge des französischen und des italienischen Staatspräsidenten, die Wir-sind-auch-ein-Rennteam-Mentalität und der Rhein, der breit, langsam und jederzeit unter Kontrolle ist.

YB hingegen ist warten, warten, warten. Mir ist drum fast jedes Mittel recht, meine YB-Launen an meinem Freund Alain auszulassen. Am liebsten bediene ich mich aber der Form des SMS, und das geht dann zum Beispiel so: «Dass Ihr immer in der 94. Minute gewinnt, ist etwa so fair, wie das amerikanische Krankenversicherungssystem.» Oder «Ihr könnt uns nicht mehr schlagen, also kauft Ihr uns Yapi weg, schämst Du Dich nicht?»

Kommt es zum Aufeinandertreffen meiner Young Boys gegen die Grasshoppers, erreicht unsere Beziehung einen seltsamen Höhepunkt. Denn GC ist nicht selten schuld, wenn der FCB mal ausnahmsweise nicht Meister wird. So auch im letzten Jahr, als die Zürcher das entscheidende Vorfinale mit 4:1 gewannen. Mein YB muss demnach GC schlagen, will es Alains FCB den Meister verderben.

Ich bin jedenfalls auf das Spiel vorbereitet. Seitenhieb: «Smiljanic übt Übersteiger, Referenz an FCB-Verteidigerfreunde?» Anklage: «Wir spielen überlegen, aber uns fehlt Euer Championsleague-Schiri-Glück.» Selbstmitleid: «Wir haben wieder nur 10 Mann auf dem Platz, das ist keine gute Quote bei 27'000 Zuschauern.» Knock-Out: «4:0. Wenn man die nicht schlägt, kann man auf die nächste Saison setzen.» Übrigens, Alain beantwortet meine SMS in der Regel nicht. Ausser es ist grad Sommerpause.

Lieber Alain, ab dem 16. Mai mache ich alles wieder gut. Herzlich, C.

(Der Bund)

Erstellt: 22.03.2010, 10:04 Uhr

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