Wirteverband rechnete auf falscher Basis
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 04.12.2009 8 Kommentare
Das am 1. Juli eingeführte Rauchverbot gefährde im Kanton Bern 1400 Arbeitsplätze. Die durch das Verbot verursachte Umsatzeinbusse betrage durchschnittlich 7 Prozent, was, auf ein Jahr hochgerechnet, 217 Millionen Franken entspreche. Diese Aussagen verbreitete Gastro Bern, der Arbeitgeberverband der bernischen Wirte, am Dienstag aufgrund einer nicht repräsentativen Umfrage. Von 2300 Verbandsmitgliedern hatten knapp 700 an der Umfrage teilgenommen; darin ging es um die Umsätze von Juli bis Oktober.
Allein, die Berechnungen von Gastro Bern basieren auf einer falschen Grundlage. Wie die «Berner Zeitung» gestern berichtete, ging der bernische Wirteverband davon aus, dass die Umsätze in der schweizerischen Gastronomie im dritten Quartal des laufenden Jahres minim angestiegen waren. Aufgrund dieser Annahme kam er zum Schluss, der Umsatzrückgang bei den eigenen Wirten sei gänzlich dem Rauchverbot zuzuschreiben. Nun hat sich aber gezeigt, dass es zu einem Missverständnis gekommen war: Gastro Suisse, dem Schweizerischen Branchenverband, war bei der Übertragung von Daten der Konjunkturforschungsstelle (KOF) in die verbandseigene Statistik ein Fehler unterlaufen. Denn die KOF hatte fürs schweizerische Gastgewerbe im dritten Quartal (im Vergleich zum Vorjahresquartal) nicht ein Umsatzwachstum, sondern einen Rückgang errechnet – im Umfang von knapp 4 Prozent. Richard Etter, Leiter Sektion Konjunkturumfragen bei der KOF, hat diese Zahl gestern bestätigt.
Resultat «besorgniserregend»
Dieses Missverständnis bedeutet nichts anderes, als dass die bernischen Wirte nicht den gesamten Umsatzrückgang seit Juli dem Rauchverbot anlasten dürfen. Die Hauptbotschaft bleibe trotzdem die gleiche, sagte Gastro-Bern-Direktor Jean-Daniel Martz gestern auf Anfrage. Wäre die richtige Konjunkturzahl bekannt gewesen, hätte Gastro Bern die eigenen Berechnungsfaktoren, die ihrerseits teilweise auf Schätzungen beruhten, wohl etwas nach unten justiert, sagte er. Das Resultat bleibe aber so oder so besorgniserregend. Durch das Rauchverbot seien trotz dieser Korrektur immer noch «vielleicht 1200 Jobs» gefährdet.
Der Wirteverband ist unter anderem unglücklich darüber, dass in Fumoirs, speziellen Raucherstuben in Restaurants, keine Ausschankvorrichtungen betrieben werden dürfen. Mit diesem Anliegen war Gastro Bern ans Bundesgericht gelangt, dort aber gescheitert, wie letzte Woche bekannt wurde. (Der Bund)
Erstellt: 04.12.2009, 08:23 Uhr
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8 Kommentare
Erstaunlich, dass es noch keine Austrittswelle aus diesem Wirteverband gegeben hat. Es wird nämlich offenbar, wie sträflich leichtsinnig sich die Verbandsoberen verhalten hatten, als das bernische Rauchverbotsgesetz im Grossen Rat gezimmert wurde. Weit und breit war niemand zugegen, um die Anliegen der Restaurateure einzubringen. Das müssen Wirte und Gäste jetzt ausbaden. Antworten
Es kommt auf die Beiz an,ob diese mehr Raucher oder Nichtraucher als Gäste hatte.Wenn es eine Beiz mit mehrheitlich Rauchern war,kann dies sehr wohl einen Einfluss auf das Unternehmen haben,da sich dann die Raucher sagen,"die Konkurrenz,wo man rauchen darf,hat auch ein liebes Kind" u.abwandern!Wenn es aber eine Beiz für Nichtraucher ist,hat dies tatsächlich keinen Einfluss auf die Gäste u.Personal Antworten
@Manuel: Gibst du ein "Schweiz Gastronomie Umsatzverluste" ein erhält du zahlreiche negative berichte aus der Zeit vor dem Rauchverbot! tausende Betriebe mussten in Bern vor dem Rauchverbot schliessen. By the way: nach offiziellen Zahlen stiegen die Umsätze sowohl in Italien, als auch in Irland, England und Schottland. In Norwegen führte das Gesetz zu WENIGER schliessungen als davor. Antworten
Gibt Man bei Google die drei Worte "Rauchverbot, Italien, Unsatzeinbussen" ein, so erhält man fast ausschliesslich Seiten, welche darüber berichten, dass in Italien seit 2007 kaum ein Gastrobetrieb Umsatzeinbussen, zumindest nicht von Dauer, zu verzeichnen hatte. Ähnliches gilt für Irland. Warum es ausgerechnet hier völlig anders sein soll, bleibt unerklärt und offen. Doch die Wirtschaftskrise? Antworten
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Bernhard Feller
Italien eignet sich nur bedingt für einen Vergleich. Damals wurde in ganz Italien zur selben Zeit ein Rauchverbot in Restaurant verfügt. Hierzulande ist es anders, wie ein Beispiel aus der Ostschweiz zeigt. Ein Raucher kann ohne Probleme von SG (Rauchverbot) in den nahen TG (noch kein Rauchverbot) gehen. Dies wird eisern praktiziert. Lösung: Rauchverbot nur Landesweit - alles andere ist ein Witz! Antworten