Wird die neue Hochspannungs-Leitung in die Erde verlegt?

Voraussichtlich morgen entscheidet der Grosse Rat des Kantons Bern über eine Motion, welche die Erdverlegung der Stromleitung Mühleberg–Wattenwil verlangt. Es dürfte ein knapper Entscheid werden.

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Zwischen Mühleberg und Wattenwil möchte die BKW eine neue Freileitung mit bis zu 90 Meter hohen Masten erstellen. Der Widerstand der Gegner, die sich in der IG UHWM (Umweltfreundliche Hochspannungsleitung Wattenwil–Mühleberg) formiert haben, ist gross. Sie haben Hunderte von Einsprachen eingereicht und sind zu einem langen juristischen Kampf bereit. Auch Köniz und weitere Gemeinden haben eingesprochen.

Voraussichtlich morgen wird der Grosse Rat des Kantons Bern über eine Motion entscheiden, welche die Erdverlegung der Leitung verlangt. Vor der Abstimmung im Grossen Rat des Kantons Bern über die Motion hat die IG noch einmal mobil gemacht und die Parlamentsmitglieder per Mail angeschrieben. Auch die schweizweite Vereinigung HSUB (Hochspannung in den Boden) kämpft gegen die neuen Strommasten. Die Motion von Christian Brönnimann (bdp, Zimmerwald) fordert den Regierungsrat auf, sich für die Erdverlegung der geplanten Leitung einzusetzen. «Dies insbesondere dort, wo Anwohner betroffen sind, und dort, wo geschützte Landschaften beeinträchtigt werden.» Hauptargumente sind der Elektrosmog, die «Zerstörung der Landschaft» sowie die Wertverminderung der betroffenen Liegenschaften. Die BKW will die rund 32 Kilometer lange Leitung Wattenwil–Mühleberg von 132 auf 220 Kilovolt aufrüsten.

«Riesengrosse Fortschritte»

Fritz Ohnewein, Präsident der IG und Tierarzt in Oberbütschel, sagt, in Sachen Erdverlegung sei ein Umdenken im Gang. Die Technik der Erdverlegung habe in den letzten Jahre «riesengrosse Fortschritte» gemacht. «Es ist eine Frage des Willens.» Als Beispiel führt er die Erdverlegung einer Leitung im Tessin bei Mendrisio an. Es brauche weniger breite Gräben als früher, und die elektromagnetische Abstrahlung sei verringert worden. Auch das Problem der Erderwärmung habe man besser in den Griff bekommen. Für Ohnewein ist klar, dass die Stromleitung in den Boden gehört, denn ein Teil der Leitung würde durch den geplanten «regionalen Naturpark Gantrisch und das bereits bestehende BLN-Gebiet 1320 verlaufen». BLN bedeutet Bundesinventar schützenswerter Landschaften und Naturdenkmäler. Neubauten seien in einem BLN-Gebiet gemäss den Bestimmungen aber nicht gestattet. Die Landschaft würde verschandelt, findet Ohnewein.

Kürzere Planungszeiten

Die Kosten für eine Erdverlegung seien fünf bis zehnmal höher, sagt die BKW. Diesem wirtschaftlichen Argument widerspricht Ohnewein. Man müsse auch die grösseren Stromverluste bei einer Freileitung über zwanzig bis vierzig Jahre hochrechnen. Dann sei die Erdverlegung nur noch etwa doppelt so teuer. Zudem verkürze sich die Planungszeit, da es weniger Widerstand durch die Anwohner gebe. Das habe sich auch in Mendrisio gezeigt, wo zwischen Planung und Fertigstellung nur sechs Jahre vergangen seien.

Im Grossen Rat wird es knapp

Die Motion von Brönnimann ist auch von Mitgliedern anderer Parteien unterschrieben worden: Von Rita Haudenschild (grüne, Spiegel), von Matthias Burkhalter (sp-juso, Rümligen) und von Fritz Ruchti (svp, Seewil). Die bürgerliche Seite werde die Motion eher ablehnen, die rot-grüne Seite den Vorstoss eher gutheissen, sagt Brönnimann. Es sei sehr schwierig, eine Voraussage zu machen, da auch einzelne Bürgerliche zustimmen würden. Brönnimann verlangt aber keine durchgehende Verlegung in den Boden.

Brönnimanns Partei, die BDP, hat sich mit Stimmenverhältnis 3 zu 1 gegen die Motion ausgesprochen, wie Fraktionschef Dieter Widmer erklärt. Auch er rechnet mit einem knappen Entscheid. Freileitungen seien für den geplanten Spannungsbereich derzeit noch Standard, sagt Widmer, der auch Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei der BKW ist. Erdverlegung heisse nicht unbedingt, dass das Projekt ökologischer sei. Denn auch die Erdverlegung bedeute «Eingriffe in die Natur». Zudem gebe es ein klares eidgenössisches Verfahren für die Stromleitungen. «Eine kantonale Intervention ist nicht sachgerecht», findet Widmer.

Vom Eidgenössischen Starkstrominspektorat (Esti) ist das Projekt der BKW als bewilligungsfähig eingestuft worden. Nun liegen die Akten beim Bundesamt für Energie. «Der Entscheid fällt Ende 2009, Anfang 2010», sagt Kommunikationsleiterin Marianne Zünd.

Was macht der Regierungsrat?

Der Regierungsrat hat die Annahme der Motion beantragt. Er zieht «aufgrund der unklaren gesundheitlichen Auswirkungen und der dichten Besiedlung des Gebiets» eine Erdverlegung vor. Sollte die Motion nun wirklich angenommen werden, so stellt sich die Frage nach den Folgen, denn der Kanton ist zwar Mehrheitsaktionär bei der BKW, hat aber mit Barbara Egger und Urs Gasche nur zwei Vertreter im elfköpfigen Verwaltungsrat. Würde sich die BKW also gebunden fühlen und die Kabel in den Boden legen? «Bei einem Ja ist der Ball beim Regierungsrat», sagt BKW-Sprecher Sebastian Vogler ausweichend. Weiter will die BKW sich zum Gedankenspiel nicht äussern. Vogler weist daraufhin, dass die Erdverlegung zwar machbar sei, die betrieblichen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachteile aber überwiegen würden.

Bei einem Ja würde sich der Regierungsrat für die «Umsetzung der Forderung der Motion», also für die Erdverlegung einsetzen. Was bedeutet das konkret? Der Entscheid werde «primär im Verwaltungsrat der BKW» gefällt, sagt Christian Albrecht, Generalsekretär der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, dazu. «Der Regierungsrat kann die Erdverlegung also nicht einfach verordnen.» Allerdings könnte die BKW auch nicht ohne Weiteres zur Tagesordnung übergehen. «Ein Ja zur Motion wäre ein starkes Signal», sagt Albrecht.

(Der Bund)

Erstellt: 16.11.2009, 07:43 Uhr

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