«Wir unterstützen und fördern Mütter und ihre Kinder»
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 22.03.2010
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Primano: «Programm hat Erfolg»
Primano ist ein Pilotprojekt, das die Stadt Bern 2007 startete und welches bis 2012 dauert. Eines der drei Teilprojekte des Programms sind die Hausbesuche. Daneben gibt es Fördermodule für Kitas und Spielgruppen. Beim dritten Teilprojekt geht es um die Vernetzung der Frühförderung im Quartier.
In der Pilotphase ist das Angebot auf die Quartiere Bethlehem, Holligen, Kleefeld und Wittigkofen beschränkt. Das Programm wird durch die Jacobs Foundation unterstützt. «Wir sehen, dass das Programm Erfolg hat», sagt Ursula Ackermann, Leiterin des städtischen Gesundheitsdienstes. Die Kinder, die häufig aus sozial benachteiligten Familien stammten, zeigten Fortschritte in der Entwicklung. Dies habe eine erste Auswertung durch die Universität Bern ergeben. Im Programm werden pro Jahr rund 40 Familien regelmässig besucht. «Wir möchten das Programm auch nach 2012 weiterführen», erklärt Ackermann. Das Ziel: «Kinder können gesund, lernbereit und mit guten Startchancen in die Schule eintreten.»
Da es nicht so einfach sei, «Familien zu rekrutieren», sei die Funktion der Haus- besucherinnen sehr wichtig. Ursula Ackermann hofft, dass für diese Frauen mit Migrationshintergrund eine Weiterbildung geschaffen wird, die anerkannt wird. «Diese Frauen helfen uns, in die Zielgruppe hineinzukommen. Sie sind Vermittlerinnen zwischen den Kulturen.» (wal)
Wenn Ausländerinnen und Ausländer schlecht integriert sind, so kann das vielfältige Ursachen haben. Einigen mag es am Willen fehlen, sich zu integrieren, häufig ist die fehlende Integration aber auch das Resultat fehlender Möglichkeiten. Gerade für Ausländerinnen sind die Türen oft verschlossen: Sie bleiben in der Wohnung, kümmern sich um Kinder und Haushalt, haben kaum Kontakt zur Aussenwelt, sind isoliert.
Prema Vigneswaran aus Sri Lanka und Fakhita Dakhel aus Irak haben im interkulturellen Frauentreff Karibu in Zollikofen einen Spielgruppenleiterinnen-Kurs in deutscher Sprache für Frauen mit Migrationshintergrund absolviert. Dakhel – in Irak arbeitete sie als Lehrerin – hat vor einer Woche abgeschlossen, Vigneswaran bereits 2006. «Es ist ein Türöffner», sagt die 45-jährige Fakhita Dakhel. «Ein Schritt in Richtung Integration.» Dabei habe auch die grosse Hilfsbereitschaft im Frauentreff eine wichtige Rolle gespielt.
Hilfe für Mutter und Kind
Die Erfahrungen im Karibu und der Kurs halfen ihr, eine Arbeit zu finden, dies wiederum stärkt ihr Selbstvertrauen und spornt sie an. Die dreifache Mutter, die in Ittigen lebt, arbeitet mit einem 30-Prozent-Pensum im Programm Primano der Stadt Bern (siehe Kasten). «Wir unterstützen und fördern Mütter und ihre Kinder», sagt sie. Prema Vigneswaran – auch sie hat drei Kinder – arbeitet ebenfalls zu 30 Prozent als Hausbesucherin bei Primano mit. «Ich betreue acht tamilische Familien, das heisst, ich besuche sie regelmässig in ihrer Wohnung während 18 Monaten», sagt die 34-Jährige. Fakhita Dakhel kümmert sich um arabischsprachige Familien.
«Brachliegende Ressourcen»
«Sie sind Mediatorinnen für die Anliegen der Kinder», sagt Johanna Thomann vom Frauentreff Karibu. «Mit den Kursen können wir brachliegende Ressourcen bei den Frauen freisetzen.» Bei den Hausbesuchen zeigen Dakhel und Vigneswaran den Müttern, wie sie ihre Kinder fördern können. Sie sollen nicht nur vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen. «Die Kinder fragen mich immer zuerst: ,Was hast du heute mitgebracht?‘», sagt Fakhita Dakhel. Mal ist es ein Puzzle oder ein Würfelspiel, mal sind es Bauklötze, mal auch ein Bilderbuch, das beim Lernen der Sprache hilft. «Wir geben den Müttern auch Tipps, wie sie ihre Kinder für etwas begeistern oder von etwas ablenken können.» Prema Vigneswaran hat die Erfahrung gemacht, dass einfache Spielzeuge oft länger und intensiver benutzt werden. «Teure, batteriebetriebene Spielsachen stehen bald einmal unbenützt herum.» Regelmässig finden auch Gruppentreffen statt, bei denen die Eltern mit den Hausbesucherinnen und den Koordinatorinnen zusammentreffen und Erfahrungen austauschen.
Nicht einfach ist es, an die Familien heranzukommen. «Wir haben zum Beispiel im Migros Bethlehem die Leute gefragt und sie über das Angebot informiert», erklärt Fakhita Dakhel. Die ausländischen Familien sind weniger skeptisch, wenn sie in der eigenen Sprache angesprochen werden. Darum können die Hausbesucherinnen Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben. Ist der Kontakt einmal hergestellt, so gelinge es im Gespräch häufig, die Eltern zu überzeugen; auch wenn gerade die Väter manchmal die Befürchtung hegten, jemand wolle sich einmischen. «Die Eltern wollen ja, dass es ihren Kindern gut geht», sagt Prema Vigneswaran. Darum lege sich meistens die anfängliche Skepsis.
«Bringen frischen Wind»
«Die Hausbesuche bringen Freude und frischen Wind in die Familien», ist Johanna Thomann überzeugt. Auch die Familien der Hausbesucherinnen profitierten. Für die Integration brauche es je länger, je mehr solche Mütter, die sich für das Zusammenleben der Kulturen engagierten. Im letzten Kurs zur Spielgruppenleiterin im Karibu nahmen Frauen aus Kuba, Kolumbien, Iran, Äthiopien, Serbien und Bulgarien teil. Dabei hilft Thomann auch bei der Mittelbeschaffung. Der Kurs, der drei Wochenendseminare plus sechs weitere Ausbildungstage beinhaltet, kostet 1350 Franken: Dieses Geld können die Migrantinnen nicht so einfach aufbringen. Darum klopft Thomann immer wieder bei Stiftungen oder bei Gemeinden an, damit die Teilnahme nicht an Geldnot scheitert.
Der nächste Kurs für Spielgruppenleiterinnen im Karibu in Zollikofen beginnt am 21. August. Informationsveranstaltung am 2. Mai 2010. Infos unter: www.elternschuleanders.ch oder karibu@be.ref.ch. (Der Bund)
Erstellt: 22.03.2010, 07:42 Uhr
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