Bern

«Wir spüren die grosse Verantwortung»

Von Simon Wälti. Aktualisiert am 01.04.2011

Am Donnerstagabend hat die BKW-Spitze die Bewohner von Mühleberg aus erster Hand informiert.

Auch nach der Atomkatastrophe in Japan scheint das Vertrauen der Mühleberger Bevölkerung in die BKW und in die Sicherheit der Nukleartechnologie grundsätzlich vorhanden zu sein. (Valérie Chételat)

Auch nach der Atomkatastrophe in Japan scheint das Vertrauen der Mühleberger Bevölkerung in die BKW und in die Sicherheit der Nukleartechnologie grundsätzlich vorhanden zu sein. (Valérie Chételat)

BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche, BKW-Konzernchef Kurt Rohrbach und Hermann Ineichen, Leiter Energie Schweiz, stellten sich am Donnerstagabend in der Schulanlage Allenlüften den Fragen der Mühlebergerinnen und Mühleberger. Gegen 200 Personen waren gekommen. Die Sicherheit werde immer an erster Stelle stehen, sagte Rohrbach zu Beginn des Anlasses. «Safety first.» Er stellte aber auch klar, dass das AKW weiterbetrieben werden soll – solange Sicherheit und Wirtschaftlichkeit gewährleistet seien. Für die BKW sei es ganz wichtig, mit der Bevölkerung der Standortgemeinde einen Dialog zu führen, erklärte Gasche. «Wir spüren die grosse Verantwortung, die wir haben.» Der Verwaltungsrat werde eine grundlegende Überprüfung der Strategie vornehmen.

Auch nach der Atomkatastrophe von Fukushima in Japan scheint das Vertrauen der Bevölkerung in die BKW und in die Sicherheit der Nukleartechnologie grundsätzlich vorhanden zu sein. Die Referate wurden jedenfalls mit warmem Applaus verdankt. Es gab aber doch auch einige kritische Stimmen.

Erdbeben: Zu «vertrauensselig»?

Ein Anwesender wollte wissen, ob die Wohlensee-Staumauer einem Erdbeben mit der Magnitude 7 in einer Distanz von 20 Kilometern standhalten könne. Die Berechnungen hätten gezeigt, dass die Staumauer in diesem Fall nicht brechen würde, sagte Hermann Ineichen. Ein anderer Votant erklärte, man sei im Bereich Erdbeben zu «vertrauensselig» und viele offene Fragen gebe es auch zu einer möglicherweise notwendigen Evakuierung. Ineichen sagte, unabhängige Experten seien zum Schluss gekommen, dass das schwerste innerhalb von 10 000 Jahren in der Schweiz zu erwartende Erdbeben eine Magnitude von 7 aufweisen könne. Und ein solches Erdbeben würde die Staumauer überstehen.

Kernmantel: Eher nachrüsten

Es gebe eine Schwelle, bei der die Stromproduktion nicht mehr wirtschaftlich sei, erklärte Rohrbach zum Punkt, ob der angerissene Kernmantel ganz ersetzt werden soll. Ein neuer Kernmantel würde möglicherweise bis zu 500 Millionen Franken kosten. Rohrbach machte klar, dass die BKW beim Kernmantel in erster Linie auf Nachrüstungen setze.

Grundsätzliche Opposition kam von Jürg Joss von Fokus Anti-Atom. Er warf der BKW vor, sie wolle die Bevölkerung beschwichtigen. «Es gibt siebzehn Systeme, die nicht erdbebensicher sind», sagte er. Man habe gesagt, man wolle aus den Ereignissen in Japan keine voreiligen Schlüsse ziehen. «Doch dass alles ‹safe› ist, ist eben ein voreiliger Schluss.» Es gebe verschiedene Analysen und entsprechend verschiedene Schlüsse, sagte Rohrbach. Es gehe hier keineswegs um eine «Beschwichtigung». Ein Anwohner äusserte seine grundlegende Skepsis. Es sei «entsetzlich», was man in den letzten vierzig Jahren versäumt habe. Rohrbach versprach: «Es gibt eine Verpflichtung, neue Erkenntnisse auch umzusetzen.»Vor einigen Wochen sorgte ein Fehlalarm in Mühleberg für Aufregung. Darum wurde das Alarmkonzept infrage gestellt. Der Mühleberger Gemeindepräsident Kurt Herren antwortete, der Fehlalarm werde überprüft. «Es kann nicht sein, dass solche Anlagen nicht funktionieren.» Eine Untersuchung sei im Gang. Bis jetzt liege aber noch kein Bericht vor. Herren regte an, dass die BKW auch weiterhin Informationsanlässe in Mühleberg durchführt. «Es wäre zu wünschen, dass beim nächsten Mal auch eine verantwortliche Person des Ensi teilnimmt», sagte er. (Der Bund)

Erstellt: 01.04.2011, 08:05 Uhr

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